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Zeit zum Handeln.
Strategien für den Einstieg in den kurzfristigen Börsenhandel

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Kapitel 6: Risiko- und Money-Management – mit System zum Erfolg

Stopp-Strategien sind wichtiger als Einstiegsstrategien! Das ist meine tiefe Überzeugung als professioneller Händler. Ich kann Sie deshalb nur bitten, sich intensiv mit dem Thema Stopp-Strategien zu befassen sowie mit der Frage: Wie viel Kapital soll ich pro Position riskieren?

Zunächst einmal ist es wichtig, zwei Begriffe zu erläutern, die fälschlicher Weise häufig synonym verwendet werden:

Risikomanagement

Der Begriff bezeichnet die Techniken des Setzens von Stopps, also wo genau ich meine Stopps setze. Um Ihre Verluste effizient zu begrenzen, sollten Sie bereits bei Eröffnung einer Position festgelegt haben, bei welchem Kurs Sie wieder aussteigen müssen, wenn der Markt gegen Sie läuft.

Money-Management

Der Begriff bezeichnet die Positionsgröße in einer Währung pro Handelsgeschäft. Um Ihre Verluste sinnvoll zu begrenzen, sollten Sie bei Eröffnung einer Position bereits wissen, wie viel Geld Sie maximal riskieren wollen, wenn der Kurs gegen Sie läuft.

Beide Komponenten sind untrennbar miteinander verbunden. Am Ende dieses Kapitels lesen Sie einige Beispielrechnungen. Anhand dieser Beispiele können Sie lernen, wie Sie Ihr Risiko- und Money-Management ideal miteinander kombinieren, um für jedes Ihrer Handelsgeschäfte das optimale Chance-Risiko-Verhältnis zu erzielen.

Tabelle 6.1 zeigt Ihnen, wie viel Gewinn Sie erzielen müssen, um einen bestimmten Verlust später wieder auszugleichen.

Verlust (in Prozent) Notwendiger Gewinn für den Ausgleich (in Prozent)
10 11,1
20 25
30 42,9
40 66,7
50 110
60 150
70 233
80 400
90 900

Tabelle 6.1: So viel müssen Sie wieder gewinnen, um einen Verlust auszugleichen

Worauf kommt es nicht an?

Ziel Ihres aktiven Handelns ist nicht der Erhalt Ihres Kapitals, sondern die langfristige Vermehrung Ihres Vermögens. Genau dazu dient die Kombination aus Risiko- und Money- Management. Der Schlüssel zu einer stetig steigenden Kapitalkurve ist: eine gute Trefferquote (mehr Handelsgeschäfte mit Gewinn als Handelsgeschäfte mit Verlust) und die strikte Begrenzung der Höhe der Verluste jedes einzelnen Handelsgeschäftes. Nur so steigt langfristig und stetig der Wert Ihres Handelskontos!

Thema 1: Risikomanagement

Mit Risikomanagement ist wie gesagt das Management der Stopp-Techniken gemeint. Mit diesen Techniken können Sie Ihre Verluste begrenzen und Ihre Gewinne absichern.

Der erste Stopp, den Sie gleich beim Kauf eines Hebelprodukts setzen sollten, wird als Eingangsstopp bezeichnet. Wo dieser liegen soll, müssen Sie sich vorher genau überlegen und am besten, soweit möglich, gleich mit der Kauforder eingeben. Nur so begrenzen Sie Verluste, wenn der Markt plötzlich gegen Sie läuft. Das wird passieren, wenn Sie beispielsweise einen Ausbruch auf der Long-Seite handeln, also einen Turbo-Call gekauft haben, und dieser Ausbruch sich als Fehler herausstellt. Läuft die Position in die gewünschte Richtung, ziehen Sie den Stopp nach und sichern so Ihre Gewinne. Dazu gibt es verschiedene Techniken, die ich Ihnen vorstellen möchte.

Zur Sicherung Ihrer Gewinne und der Begrenzung Ihrer Verluste mittels der Stopps gibt es u. a. diese Techniken:

1) Charttechnisch sinnvolle Marken zum Handeln
Platzieren Sie gleich nach Kauf einer Position einen Eingangsstopp etwas unterhalb der nächsten Unterstützung, wenn Sie auf steigende Kurse setzen, bzw. etwas oberhalb des nächsten Widerstandes, wenn Sie auf fallende Kurse setzen. So begrenzen Sie Ihr Risiko. Denn durchbricht der Kurs eine Unterstützung oder einen Widerstand, ist die Gefahr einer weiteren Kursbewegung gegen Ihre Positionsrichtung zu groß.

Wichtiger Hinweis:

Sie dürfen den Stopp einer Long-Position nie nach unten korrigieren, nur weil Sie Angst haben, ausgestoppt zu werden. Stopps sind zum Ausstoppen gedacht, sonst ergeben Sie keinen Sinn. Verwenden Sie generell charttechnisch sinnvolle Marken. Nur wenn die nächste Marke weiter entfernt liegt, als Sie zu riskieren bereit sind, verwenden Sie den Prozentstopp. Läuft der Kurs in Ihre Richtung, ziehen Sie den Stopp nach und orientieren sich entsprechend erneut an den nächsten Chartmarken.

Mein Tipp:

Riskieren Sie pro Position höchstens 1 bis 2 Prozent Ihres Kapitals. Je mehr Sie also gewinnen, desto größer kann, in Euro betrachtet, die Positionsgröße gewählt werden.

Hier nun einige Beispiele zur Bestimmung der Positionsgröße – mit und ohne Hebel

Gehen Sie von 10.000 Euro Kapital aus.
Sie möchten maximal 1 Prozent dieses Kapitals pro Position riskieren.
1 Prozent von 10.000 Euro sind 100 Euro.
Daraus ergibt sich: Gleich welche Position Sie eingehen, ob in eine Aktie oder in ein Hebelprodukt, sie sollten nie mehr als 100 Euro riskieren.

Thema 2: Money-Management

Kombinieren Sie jetzt die Regeln des Risiko- und des Money-Managements.

Bestimmung der Positionsgröße bei Investition in eine Aktie

Beispiel 1: Kauf der Aktie A
Die Aktie A kostet 100 Euro pro Stück.
Ihr Risikomanagement: Der Eingangsstopp liegt bei 95 Euro, da bei etwa 95,50 Euro eine charttechnische Unterstützung liegt. Sie haben Ihren Stopp einige Cent unterhalb dieser Unterstützung platziert. Wird dieser nach unten durchbrochen, steigen Sie aus.

Ihr Risiko pro Aktie: 5 Euro, das sind 5 Prozent. Dies ist ein sinnvoller Abstand, um einer Aktie auch etwas Luft zum Atmen zu geben.

So viel können Sie jetzt investieren:
Sie können 20 Aktien für insgesamt 2.000 Euro kaufen (20 * 100 Euro = 2.000 Euro) und verlieren maximal 100 Euro (20 * 5 Euro = 100 Euro).

Beispiel 2: Kauf der Aktie B
Aktie B kostet 50 Euro und Ihr Eingangsstopp liegt hier bei 48 Euro. Diesen legen Sie ebenfalls anhand der nächstgelegenen Unterstützung fest.
Pro Aktie riskieren Sie jetzt 2 Euro, das sind 4 Prozent.

So viel können Sie investieren:
Sie kaufen 50 Aktien zu insgesamt 2.500 Euro (50 * 50 = 2.500 Euro) und riskieren maximal 100 Euro.

Nun haben Sie 4.500 Euro Ihres Kapitals investiert. Mit den restlichen 5.500 Euro verfahren Sie ebenso. Sie suchen sich eine Aktie aus, bestimmen den Eingangsstopp und errechnen den Investitionsbetrag. Nach dieser Methode kaufen Sie jetzt so viele Aktien, bis ihr Kapital von 10.000 Euro vollständig investiert ist.

Und so sieht diese Rechnung aus, wenn Sie in Hebelprodukte investieren.

Bestimmung der Positionsgröße bei Investition in einen Mini Future

Ihr Kapital beträgt wieder 10.000 Euro, der maximale Verlust pro Position wird auf 100 Euro begrenzt. Nehmen Sie das Beispiel der Aktie A; diese kostet 100 Euro, der Eingangsstopp liegt bei 95 Euro.

Beispiel 1: Kauf der Aktie A über einen Mini Future, Hebel 10

Sie kaufen einen Mini Future mit einem anfänglichen Hebel von 10. Dafür zahlen Sie 10 Euro pro Future. Nehmen Sie der Einfachheit halber ein Bezugsverhältnis von 1 :1 an: Dann bezieht sich der Future (Kaufpreis 10 Euro) auf die Entwicklung einer Aktie für 100 Euro.

Fällt die Aktie nun auf Ihre Stopp-Marke von 95 Euro, verliert Sie also 5 Prozent, würde das Zertifikat auf 5 Euro fallen. Der Kaufpreis lag bei 10 Euro, Ihr Verlust pro Mini Future läge bei 5 Euro, das sind 50 Prozent. Der Hebel von 10 wirkt dabei natürlich auch nach unten.

So viel können Sie investieren:

Sie kaufen 20 Mini Futures für insgesamt 200 Euro (20 * 10 Euro) und verlieren maximal 100 Euro. Sie investieren nur 200 Euro. Alternativ kaufen Sie die 20 Aktien zu 2.000 Euro, ebenfalls mit maximal 100 Euro Verlust. Aber Sie haben 1.800 Euro weniger Kapital aufgewendet. So gewinnen Sie finanzielle Handlungsfreiheit für weitere Handelsgeschäfte (Liquidität). Aus diesem Grund tauschen viele aktive Anleger Aktienpositionen in Hebelprodukte um, hier Mini- Futures (eine sogenannte Cash Extraction).

Beispiel 2: Kauf der Aktie A über einen Mini Future, Hebel 10

Die Aktie A notiert wieder bei 100 Euro; Ihr Eingangsstopp liegt jetzt aber bei 99 Euro, da Sie diesmal die nächste kurzfristige Unterstützung gewählt haben.
Ihr Risiko pro Aktie beträgt 1 Euro oder 1 Prozent.

Sie kaufen den gleichen Mini Future wie in Beispiel 1 mit anfänglichem Hebel 10 zu einem Preis von 10 Euro (Bezugsverhältnis 1:1), und einer anfänglichen Stop-Loss Barriere bei 90 Euro.

Fällt die Aktie auf 99 Euro, notiert der Mini Future bei 9 Euro und Sie verkaufen den Future.

So viel können Sie investieren:
Sie können 100 Mini Futures zu insgesamt 1.000 Euro kaufen (100 * 10 Euro) und riskieren maximal 100 Euro.

Alternativ kaufen Sie 100 Aktien zu 10.000 Euro, können ebenfalls nur maximal 100 Euro verlieren, setzen aber Ihr gesamtes Kapital ein. Das ist natürlich wenig sinnvoll; auch hier spielen die Mini Futures ihre Stärken aus.

Beispiel 3: Kauf der Aktie A über einen Mini Future, Hebel 5

Nehmen Sie an, Aktie A notiert wieder bei 100 Euro. Den Eingangsstopp legen Sie auf 85 Euro fest, denn dort liegt die von Ihnen analysierte nächste langfristige Unterstützung (Sie möchten der Aktie bewusst mehr Spielraum lassen). Das Risiko pro Aktie liegt bei 15 Euro, das sind 15 Prozent.

Sie kaufen einen Mini Future mit einem geringeren Hebel von 5. Dieser kostet 0,20 Euro pro Mini Future (Bezugsverhältnis 100:1).

Die anfängliche Stop-Loss Barriere liegt jetzt bei 80,00 Euro. Fällt die Aktie auf 85 Euro, notiert der Mini Future bei 0,05 Euro, Ihr Verlust liegt bei 75 Prozent des Preises des Mini-Futures (wird wie folgt berechnet: Aktie −15 Prozent, Schein − 5 (Hebel) * 15 Prozent = 75 Prozent).

So viel können Sie jetzt investieren:

Kaufen Sie 600 Mini Futures zu insgesamt 120 Euro (600 * 0,20 Euro = 120 Euro). Sie riskieren maximal 100 Euro Verlust.

Alternativ gilt wieder: Der Kauf von 6 Aktien hätte 600 Euro gekostet bei ebenfalls 100 Euro Risiko.

Mini Futures eignen sich daher in idealer Weise, um bei einem strikten Risikomanagement die Positionsgröße zu bestimmen und mit geringem Kapitaleinsatz das optimale Chance-Risiko-Verhältnis zu wahren.

Zusammenfassung Kapitel 6: Das ist wirklich wichtig!

Damit Sie Ihre Handelsideen auch erfolgreich umsetzen können, sollten Sie unbedingt auf ein striktes Risiko- und Money-Management achten. Bestimmen Sie mithilfe einer Stopp-Strategie Ihr maximales Risiko, das Sie eingehen wollen. Nutzen Sie dazu die Charttechnik, Prozentstopps, Geldstopps, Profitstopps oder Zeitstopps. Anhand Ihrer Money-Management-Strategie bestimmen Sie den Geldbetrag, den Sie maximal zu riskieren bereit sind. Nach Festlegung Ihrer Stopp- und Ihrer Money-Management-Strategie berechnen Sie, wie viele Aktien oder Hebelinstrumente Sie kaufen können, um nie mehr als den festgelegten, maximalen Geldbetrag zu verlieren.

Im nächsten Kapitel 7 erfahren Sie, wie Sie Ihren eigenen Handelsplan erstellen können. Durch die genaue Planung Ihrer Handelsgeschäfte noch vor deren Durchführung erleichtern Sie sich das disziplinierte Handeln ungemein. So behalten Sie stets die volle Kontrolle über Ihre Geschäfte.