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Zeit zum Handeln.
Strategien für den Einstieg in den kurzfristigen Börsenhandel

Liebe Leserin, lieber Leser,

Vontobel stellt Ihnen dieses E-Book kostenlos zur Verfügung, um Ihnen einen leicht verständlichen Überblick über die Möglichkeiten des kurzfristigen, aktiven Handels mit Zertifikaten und anderen Hebelprodukten zu geben. Sie sind herzlich eingeladen, sich darüber hinaus auf der Vontobel-Zertifikate-Website über das weitreichende Service- und Produktangebot zu informieren. Interessierten bietet Vontobel bei Fragen rund um ihre Produkte und das Internetangebot auch einen kostenlosen Rückrufservice an. Das E-Book wird aktualisiert, sobald es Änderungen gibt – ein großes Plus dieses neuen Mediums.

Kapitel 5: Behavioral Finance – meine Psyche will mich austricksen

Thema 1: Darum lohnt sich die Beschäftigung mit Behavioral Finance, der Finanzpsychologie

Das aktive Handeln an den Finanzmärkten ist hochgradig emotional und von psychologischen Faktoren beeinflusst. Und die Börse ist Psyche pur. Das werden Sie schnell bestätigt finden, sobald Sie intensiver aktiv handeln. Viele Anleger streben nach dem schnellen Gewinn und dem Nervenkitzel oder sind fasziniert von dem Vorgang des Kaufens und Verkaufens – und getrieben davon, besser zu sein als der Markt.

Die Grundannahme der Behavioral Finance, „Der Mensch verhält sich nur begrenzt rational“, steht dem Idealbild des uneingeschränkt rational handelnden Menschen („Homo oeconomicus“) entgegen. Ende der 1970er-Jahre führten sozialpsychologische Untersuchungen der beiden Wissenschaftler Amos Tversky und Daniel Kahneman zur Grundlage dessen, was später als Behavioral Finance auf die Börse übertragen wurde. Die Behavioral Finance untersucht in erster Linie die Psychologie der Entscheidungsprozesse, also die Aufnahme, Verarbeitung und Verwertung von Informationen. Sie erklärt, warum Menschen so oft irrational handeln. Forscher gehen mittlerweile davon aus, dass der Mensch aus guten Gründen zwischen Gefühl und Verstand schwankt. Sie stützen damit die Annahme der Behavioral Finance vom begrenzt rational handelnden Menschen. Emotionen können eine positive Triebfeder sein, um zum Beispiel den Mut aufzubringen, ein eigenes Unternehmen zu gründen oder auch, um aktiv zu handeln. Aber Gefühle bescheren uns auch Gefahren, die an der Börse durchaus zum totalen Verlust des Kapitals führen können. Der Verstand hilft beispielsweise bei der Abwägung von Chancen und Risiken, aber er kann auch hinderlich sein, wenn es darum geht, überhaupt das Risiko des aktiven Handelns einzugehen. Wichtig für Sie: Behalten Sie immer im Hinterkopf, dass Sie kein rein vernunftgesteuerter Mensch sind, sondern Ihr Denken und Handeln auch von Gefühlen beeinflusst wird.

Und jetzt bitte ich Sie, sich Abbildung 5.1 genau anzusehen und auch die Texte durchzulesen. Erkennen Sie sich darin wieder? Auch Sie sind in dieser Achterbahnfahrt der Gefühle gefangen.

Wir alle werden von einer zunehmend größeren Flut an Informationen überrollt. Aus psychologischer Sicht führt dies bei uns zu meist unbewusst ablaufenden gedanklichen Mechanismen. Sie benötigen allerdings einen klaren Kopf, um diese Informationsflut kanalisieren zu können und letztlich zu einer Entscheidung zu gelangen: nämlich kaufen, verkaufen oder abwarten. Diesen unbewusst ablaufenden (irrationalen) psychologischen Mechanismen unterliegt jeder Mensch in ähnlicher Weise, in der Fachsprache der Psychologen werden sie „Heuristiken“ genannt.

Das Ergebnis der irrationalen Denkweise von Anlegern sehen Sie in Abbildung 5.1, und genau deshalb ist die Technische Analyse so effizient: Charts stellen die Emotionen der Anleger bildlich dar. Mithilfe der Technischen Analyse können Sie Bereiche der Euphorie und der Panik erkennen und sich entsprechend positionieren.

Abbildung 5.1

Abbildung 5.1: Die Achterbahnfahrt der Gefühle – das irrationale Verhalten von Anlegern

Thema 2: Typische Anlegerfehler – und wie ich sie vermeiden kann

Der häufigste Fehler: Verluste laufen lassen, Gewinne begrenzen

Kennen Sie das aus eigener Erfahrung? Anleger neigen dazu, eher Aktien auf der Gewinnerstraße zu verkaufen als Aktien im Verlustbereich. Die Psychologie kennt dafür den Ausdruck „Reflection-Effekt“, der Folgendes besagt:

Ihre Risikoeinstellung dreht sich um 180 Grad, je nachdem, ob Sie sich gerade im Gewinn oder im Verlust befinden.

Sind Sie im Gewinn, dann fürchten Sie, diesen wieder abgeben zu müssen. Ihre zwischenzeitlichen Buchgewinne sind jetzt Ihr neuer Bewertungsmaßstab: „Nur nichts mehr verlieren“, denken Sie (meist jedoch unbewusst). Deshalb verkaufen Sie, um Ihren Gewinn zu sichern. Das wäre aber aus charttechnischer Sicht oft noch nicht notwendig: Die Charts haben Ihnen meist noch kein Verkaufssignal gegeben. Aber Sie haben bereits aus rein irrationalen Gründen verkauft – und nicht aus rationalen, charttechnisch bedingten Motiven. Psychologen wissen: Der Mensch scheut im Gewinnbereich die Risiken.

Das wäre zunächst mal kein Beinbruch, immerhin haben Sie ja Gewinn mitgenommen. Jetzt kommt aber der oben erwähnte „Reflection-Effekt“ ins Spiel.

Ist Ihre Position im Verlustbereich, neigen Sie dazu, diese zu lange zu halten, um einen Verkauf – und damit das Eingeständnis Ihres Kauf-Fehlers – zu vermeiden. Sie betrügen sich, psychologisch betrachtet, selbst. „Ich verkaufe doch nicht mit Verlust“ oder „Das wird schon wieder“, heißt es oft. Wenn Sie zu sich selbst ehrlich sind, haben Sie nicht auch schon so gedacht? Glauben Sie mir: Es wird eben oft nicht wieder. Besonders dann nicht, wenn der Chart eindeutige Verkaufssignale gibt, die Sie dann auch noch missachten! Dieses Verhalten wird übrigens als „Risikoakzeptanz im Verlustbereich“ bezeichnet.

Denken Sie bitte immer an eine der wichtigsten Börsenregeln: Die ersten Verluste sind immer die geringsten. Das bedeutet für Sie: konsequent aus dem Markt gehen, wenn es dafür eindeutige Anzeichen gibt.

Werden Sie nicht „Sklave“ Ihrer Emotionen

Menschen versuchen, Unstimmigkeiten zwischen Wahrnehmung und Denken durch Manipulation der gedanklichen Vorgänge (Kognitionen) zu beseitigen, so die Theorie der kognitiven Dissonanz aus der Sozialpsychologie. Auf gut Deutsch heißt das: Der Mensch nimmt nur solche Informationen wahr, die ihm in den Kram passen (sogenannte selektive Wahrnehmung). Das führt dazu, dass Verluste nach dem Prinzip Hoffnung ausgesessen werden, obwohl die Chance auf Erholung minimal ist, aber hohe weitere Verluste drohen.

Werden Sie nicht übermütig

Auch über diese Psychofalle sollten Sie sich im Klaren sein, denn viele kleine (weil oft auch zu früh) realisierte Gewinne führen häufig zum bekannten Phänomen der Kontrollillusion. Daraus entwickelt sich oft erst der Verlust der eigenen Kontrollmöglichkeiten. So führen dann Überheblichkeit, zu häufiges Handeln, zu hohe Einsätze und zu hohe Risikobereitschaft zu einem richtig großen Verlust. Man nennt dies das „Phänomen der gelernten Sorglosigkeit“.

Worauf kommt es nicht an?

Sie müssen Ihre Emotionen nicht unterdrücken, um erfolgreich aktiv handeln zu können. Aber Sie müssen sich der psychologischen Mechanismen bewusst sein, die in Ihnen als Anleger ablaufen. Meine Empfehlung: Arbeiten Sie Ihren Handelsplan akribisch aus und halten Sie sich dann beim Handeln strikt daran.

Thema 3: So lerne ich mich selbst besser kennen – Ermittlung meines Anlegertyps durch neueste Erkenntnisse aus der Hirnforschung

Der Charakter eines Menschen ist ausschlaggebend dafür, in welcher Situation er für emotional gesteuerte, irrationale Aktionen besonders anfällig ist. Bevor ich Ihnen jedoch die verschiedenen Anlegertypen und Charakteren näherbringe, bitte ich Sie, den folgenden Test zu machen –unvoreingenommen und ehrlich gegenüber sich selbst.

Als Hilfestellung für Ihre Einordnung beim Anlegertyp habe ich für Sie einen Fragebogen vorbereitet. Gehen Sie ihn bitte konzentriert durch und denken Sie über jede Frage sorgfältig nach. Ich bin sicher, so finden Sie zu Ihrem persönlichen Handelsstil.

Rufen Sie sich bei der Beantwortung der Fragen Ihr Anlageverhalten in der Vergangenheit ins Gedächtnis zurück. Denken Sie an die Investitionen, die Sie bisher getätigt haben, und wie lange Sie diese durchschnittlich gehalten haben. Stellen Sie zunächst einige Überlegungen an, die Ihnen helfen, Ihr Anlageverhalten in der Vergangenheit zu analysieren. Mit zunehmender Erfahrung im aktiven Handel können Sie Ihren Stil später noch weiter anpassen und verfeinern.

Hinweis: Hinter jeder Frage finden Sie drei mögliche Antworten, jeweils mit Punkten versehen. Bitte markieren Sie die Antwort, die am ehesten auf Sie zutrifft. Wählen Sie immer nur eine Antwort. Addieren Sie am Schluss Ihre Punkte, und seien Sie gespannt auf die Auflösung.

Und hier die Fragen:

1. Welche Investitionen habe ich bisher überwiegend getätigt?

2. Wie lange habe ich diese durchschnittlich gehalten?

3. Was waren die Gründe, diese Investments lang oder kurz zu halten?

4. Kann ich, wenn ich einmal mit Verlust verkauft habe, sofort eine neue Position eingehen?

5. Wie fühle ich mich, wenn ich eine Position mit Verlust verkauft habe?

6. Freue ich mich auf jedes neue Handelsgeschäft?

7. Habe ich den Ehrgeiz, möglichst am Tief zu kaufen?

8. Ärgert es mich, wenn ein Markt in meine Richtung läuft und ich bin noch nicht dabei?

9. Wie sieht Ihr Risikomanagement aus? Überlegen Sie sich schon bei der Eröffnung der Position einen Eingangsstopp?

10. Wenn Sie sich einen Stopp überlegt haben, senden Sie diesen wenn möglich dann schon bei Eröffnung der Position in der Ordermaske ab? Oder behalten Sie ihn lieber im Hinterkopf?

11. Wie oft wurden Sie schon ungewollt mit einem Totalverlust über die Knock-out-Barriere eines Hebelproduktes ausgestoppt, weil Sie keinen Stopp gesetzt hatten?

12. Haben Sie schon einmal einen Stopp, der im Markt lag, entfernt? Oder haben Sie den Stopp weiter weg gesetzt, weil der Kurs sich dem Stopp-Level näherte?

13. Angenommen, Sie haben mehr als drei Verlustgeschäfte in Folge abgeschlossen: Wie reagieren Sie?

14. Ich analysiere gerne ausgiebig einen Markt, bevor ich eine Position eingehe.

15. Ich möchte am liebsten jeden Tag aktiv handeln.

16. Ich gehe ungern Risiken ein.

17. Auch nach mehreren Verlusten in Folge kann ich nachts gut schlafen.

18. Es ist mir schon öfter passiert, dass ich nahe dem Tief verkauft habe.

19. Ich habe schon öfter zu früh verkauft – nur aus Angst, Gewinne wieder abgeben zu müssen.

20. Ich wäre gerne beim aktiven Handeln disziplinierter.


So, jetzt haben Sie es geschafft!

Haben Sie viel Zeit für die Beantwortung der Fragen benötigt? Wenn ja, dann ist das positiv, denn nur so werden Ihnen Ihr Verhalten und Ihre Fehler beim aktiven Handeln bewusst – und Sie können diese abstellen. Dabei hilft Ihnen jetzt die nachfolgende Kategorisierung der unterschiedlichen Typen von aktiven Wertpapierhändlern.

Auswertung:

Zählen Sie nun Ihre Punkte zusammen:

50–60: Sie sind überwiegend ein Bauchmensch.
36–49: Sie sind überwiegend ein Herzmensch.
20–35: Sie sind überwiegend ein Kopfmensch.

Die Bedeutung dieser drei Begriffe und die Rückschlüsse, die Sie daraus für Ihr aktives Handeln ziehen sollten, erläutere ich Ihnen jetzt. Bitte beachten Sie dabei, dass es natürlich keine strikte Abgrenzung gibt. Wir alle sind immer Bauch-, Herz- und Kopfmensch, allerdings in unterschiedlicher Ausprägung. Liegt Ihre Punktzahl beispielsweise etwa im Mittelfeld (30–40 Punkte), dann haben Sie sicherlich auch erlebbare Anteile eines Bauch- und Kopfmenschen in Ihrer Anlegertypologie.

Aus den Erkenntnissen der Hirnforschung lassen sich drei typische menschliche Charaktertypen ableiten.

1. Der Bauchmensch:

Er wird vom Reptiliengehirn gesteuert. Dieses ist zuständig für die ursprünglichen lebenserhaltenden Verhaltensweisen wie Bau eines Heimes, Abgrenzung des Territoriums oder Jagd. Als Bauchmensch handeln Sie intuitiv, sind eher ein Einzelkämpfer. Typischerweise haben Bauchmenschen einen kurzfristigen Anlagehorizont, sind meist Daytrader: Sie handeln oft vorschnell und überschätzen ihre Kontrollmöglichkeiten (Kontrollillusion). Bauchmenschen sind ungeduldig, wollen den schnellen Erfolg und möglichst früh in eine Position einsteigen. Oft verfolgen Bauchmenschen den Ansatz eines Swing-Traders: Sie investieren möglichst an Extrempunkten einer Bewegung. Und sie denken in kurzen Zeiträumen (Minuten, Stunden oder Tage, maximal Wochen). Als Swing-Trader nutzen Sie die Wellenbewegungen an der Börse für sich aus und müssen schnell reagieren. Sie müssen bereit sein, auch nach kurzer Zeit wieder aus einer Position auszusteigen, wenn der Kurs des Wertpapieres in die für Sie falsche Richtung läuft. Swing-Trader sind bereits investiert, auch wenn eine Trendwende noch nicht absehbar ist. Damit ist die Gefahr von Fehlsignalen natürlich größer, als wenn Sie abwarten würden. Deshalb müssen Sie als Swing-Trader mit Risikostrategien umgehen können und bereit sein, schnell ein- und wieder auszusteigen. Dies setzt auch voraus, dass Sie die Märkte fortlaufend beobachten. Sie müssen sich fragen: Wie viel Zeit will ich in meine Anlagen investieren? Sie sollten mindestens einmal am Tag die Charts analysieren und nötigenfalls den Stopp anpassen.

2. Der Kopfmensch:

Er wird maßgeblich durch den Neocortex beeinflusst, der die rationalen Verhaltensweisen kontrolliert. Dieser Mensch trifft – soweit wie möglich – vernunftgesteuerte Entscheidungen und hängt dann auch sehr an einmal getroffenen Entscheidungen. Kopfmenschen versuchen, Angst und Ungewissheit zu umgehen, benötigen für alles eine vernünftige Erklärung, sind sachlich. Als Anleger sind sie eher langfristig orientiert. Kopfmenschen sind häufig im Bereich des Typs Trendfolger zu finden. Trendfolger warten, bis sich ein Trend deutlich erkennbar ausgebildet hat und springen dann auf den fahrenden Zug auf. Sie erwarten, dass dieser noch möglichst lange so weiterfährt. Als Trendfolger werden Sie niemals in der Nähe der Hochpunkte verkaufen oder im Bereich der Tiefpunkte kaufen. Psychologisch gesehen sind Kopfmenschen in der Lage, einen Kurs zu beobachten, der in Ihre Richtung läuft, ohne hektisch hinterherzuspringen. Trendfolger kaufen erst, wenn ihre Signale es ihnen erlauben! Sie handeln diszipliniert und analysieren gern ausgiebig, bevor sie ein Handelsgeschäft eingehen.

3. Der Herzmensch:

Dieser wird durch das limbische System gesteuert, das für die emotionalen Verhaltensweisen wie etwa Furcht, Panik, Liebe, Wut oder Gier zuständig ist. Der Herzmensch zeichnet sich durch emotionale Handlungen aus und hängt stark von der Bewertung anderer ab. Als Herzmensch haben Sie typischerweise einen mittelfristigen Anlagehorizont. Herzmenschen hängen im Allgemeinen zu sehr an ihren Entscheidungen und orientieren sich zu stark an ihren Einstandspreisen („Dispositionseffekt“). Der Herzmensch kann sich im Swing-Trading, aber auch im mittelfristigen trendfolgenden Bereich wohlfühlen. Erkennen Sie sich im Herzmenschen wieder, müssen Sie über die Frage des passenden Zeithorizonts besonders gut nachdenken, um wirklich erfolgreich zu sein. Sind Sie von Ihrer inneren Einstellung her eher ein mittelfristiger Anleger (denken Sie also in Tagen bis Wochen), werden Sie psychologisch sicher Probleme bekommen, Hebelinstrumente mehrmals am Tag zu kaufen und zu verkaufen. Sie müssen dann nämlich damit rechnen, auch mehrmals am Tag mit Verlust ausgestoppt zu werden und laufen mit Sicherheit noch eher in die Psychofallen, die ich Ihnen beschrieben habe. Als Swing-Trader mit einem Horizont von Tagen bis wenigen Wochen können Sie erfolgreich sein.

Thema 4: So überliste ich meine Psyche

Die Hirnforschung hat festgestellt, dass Verlustängste zu den stärksten Ängsten gehören, die ein Mensch zu ertragen hat. Übertragen auf die Börse heißt das: Durch unsere Sozialisierung wird der Verlust von Geld unbewusst auch mit dem Verlust der eigenen Existenz gleichgesetzt. In extremen Fällen trifft dies sicher auch zu, meist handelt es sich bei Börsenverlusten jedoch um geringe Beträge; insbesondere, wenn Sie die Regeln des Money-Management befolgen. Doch auch bei kleinen Verlusten sendet unser Gehirn „Fluchtsignale“ aus, gleichbedeutend mit: Verkaufen! Leider sendet das Gehirn diese Signale auch, wenn Sie in der Gewinnzone sind, womit der bereits erläuterte „Reflection-Effekt“ auch neurologisch erklärt werden kann: Gewinne werden zu früh glattgestellt. Ganz gleich, welcher Anlegertyp Sie sind und welche Fehler Sie persönlich überwiegend begehen, denken Sie daran: Unbewusste Verhaltensweisen beeinflussen uns ständig, so auch beim Handeln mit Wertpapieren. Daher ist das Gegensteuern bei irrationalen Verlustängsten eine der schwierigsten Aufgaben, die die man als Anleger zu bewältigen hat.

Die folgenden Tipps sollen Ihnen dabei helfen, psychologische Fallen zu umgehen, um erfolgreich im Markt bestehen zu können.

Meine Tipps, um Ihre Psyche zu überlisten:

  • Akzeptieren Sie die Tatsache, dass Verluste nicht zu vermeiden sind. Begrenzen Sie diese unbedingt gemäß Ihrem Stopp-Regelwerk.
  • Handeln Sie weiter überlegt und diszipliniert, auch wenn Sie mehrere kleine Verluste in Folge erleiden.
  • Verstehen Sie Verluste als Chance, Ihr aktives Handeln zu verbessern. Denn oft können Sie durch die Analyse der Gründe, die zu Ihrem Verlust geführt haben, künftig so manchen Fehler vermeiden.
  • Empfinden Sie Gewinne nicht als persönlichen Sieg über die Börse, denn nur dann empfinden Sie auch Verluste nicht als persönliche Niederlage.
  • Versuchen Sie nicht, mit einer aggressiven „Jetzt erst recht“-Taktik Verlustemöglichst schnell wieder aufzuholen. Bleiben Sie Ihrem Handelskonzept treu. Vergessen Sie nicht: Ihr eigenes Ego ist oft Ihr größter Feind.
  • Verkaufen Sie eine Position, mit der Sie im Gewinn sind, nicht nur deshalb, weil Sie Angst haben, einen Teil der Gewinne wieder zu verlieren.
  • Legen Sie sich noch vor der Durchführung Ihres Handelsgeschäftes ein konkretes Handelskonzept fest, zum Beispiel mithilfe der Technischen Analyse.
  • Legen Sie vorher genau fest, wie viel Geld Sie maximal riskieren wollen.
  • Passen Sie Ihre Positionsgröße und Stopps entsprechend an (Risiko- und Money-Management).
  • Riskieren Sie nur den Betrag, bei dem Sie nachts noch ruhig schlafen können.

NUR SO gehen Sie auch nach mehreren Verlustpositionen noch diszipliniert in den Markt, um dann zu gewinnen!

Zusammenfassung Kapitel 5: Das ist wirklich wichtig!

Nur wenn Sie Ihre Emotionen verstehen, können Sie diese besser kontrollieren, daher kann die Beschäftigung mit den Grundlagen der Finanzpsychologie (Behavioral Finance) äußerst lohnenswert sein.

Die Finanzpsychologie unterteilt Anleger in große Gruppen: die Bauch-, Herz-, und Kopfmenschen. Jede Gruppe verfolgt dabei typische Handelsansätze. Ein „Bauchmensch“ beispielsweise neigt eher zum Swing-Trading. Ein „Kopfmensch“ tendiert in der Regel zu einem langfristig orientierten Handeln und ist oft mehr Investor als Trader.

Die Kenntnis der eigenen emotionalen Reaktionen kann dabei helfen, mögliche Fehlerquellen beim Handel mit Wertpapieren zu erkennen und künftig zu minimieren: beispielsweise Verluste laufen zu lassen und Gewinne zu begrenzen.

Im folgenden Kapitel 6 lernen Sie, mit dem richtigen Risiko- und Money-Management das optimale Chance-Risiko-Verhältnis für jedes Ihrer Handelsgeschäfte festzulegen.