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Zeit zum Handeln.
Strategien für den Einstieg in den kurzfristigen Börsenhandel

Liebe Leserin, lieber Leser,

Vontobel stellt Ihnen dieses E-Book kostenlos zur Verfügung, um Ihnen einen leicht verständlichen Überblick über die Möglichkeiten des kurzfristigen, aktiven Handels mit Zertifikaten und anderen Hebelprodukten zu geben. Sie sind herzlich eingeladen, sich darüber hinaus auf der Vontobel-Zertifikate-Website über das weitreichende Service- und Produktangebot zu informieren. Interessierten bietet Vontobel bei Fragen rund um ihre Produkte und das Internetangebot auch einen kostenlosen Rückrufservice an. Das E-Book wird aktualisiert, sobald es Änderungen gibt – ein großes Plus dieses neuen Mediums.

Kapitel 4: Fundamentale und Technische Analyse – so treffe ich meine Gewinnentscheidungen schnell und effizient

Sie wollen gewinnbringend in den Märkten handeln? Wesentliche Schlüssel hierfür sind Ihr Verständnis der Konstruktion der einzelnen Hebelprodukte und Ihr Wissen über die unterschiedlichen Strategien, die Sie damit umsetzen können.

Jetzt gehen Sie einen Schritt weiter und stellen sich folgende Frage: „Nach welchen Kriterien sollte ich den Markt und den Basiswert (engl. „Underlying“) auswählen, um gewinnbringend zu investieren?“ Nun, mit Hebelprodukten können Sie in beinahe alle denkbaren Märkte investieren, also in einzelne Aktien, in Aktienindizes, in Währungen, in Rohstoffe sowie auch in Zinsmärkte. Gut zu wissen, aber wie finde ich mich als Anleger hier zurecht? Weitere wichtige Fragen, die sich Ihnen aufdrängen könnten:

  • Nach welchen Kriterien suche ich mir den Markt aus, der mir aktuell das größte Gewinn-potenzial verspricht?
  • Wo kann der Wert, für den ich mich interessiere, hinlaufen und wo liegt mein Kursziel?
  • Wo soll ich den Stopp setzen, um mein Risiko abzusichern?

Die Antworten auf diese Fragen sind entscheidend für die Strukturierung Ihres Portfolios entsprechend der Marktlage (die sogenannte taktische Asset Allocation). Im Wesentlichen helfen bei Ihren Handelsentscheidungen zwei Analysemethoden, die sich sehr gut ergänzen: die Fundamentale Analyse und die Technische Analyse. Die Fundamentalanalyse beschäftigt sich mit Daten zu den einzelnen Unternehmen (um herauszufinden, ob deren Aktien eine attraktive Kaufgelegenheit darstellen oder nicht), während die Technische Analyse Daten des Gesamtmarktes als Grundlage für Anlageentscheidungen heranzieht. Beide Analysemethoden beleuchten unterschiedliche Aspekte des Marktes auf Basis von Fakten. Der US-amerikanische Finanzanalyst John Bollinger vertritt die Ansicht, dass die Kombination beider Methoden der beste Weg sei:

„Um erfolgreich an den Finanzmärkten handeln zu können, sollten Sie zunächst nach unterbewerteten Aktien suchen und dafür die Methoden der Fundamentalanalyse anwenden. Für die Bestimmung eines optimierten Einstiegspunkt nutzen Sie dann die Techniken der Chartanalyse.1

1 Quelle: Bollinger-Bänder, FinanzBuch Verlag, 2002, S. 15.

Thema 1: Erfolgreich an den Märkten mit Fundamentaler Aktienanalyse

Eine erfolgreiche Aktienauswahl kann nur ein Ziel haben: unterbewertete Aktien zu finden. Denken Sie an das Sprichwort „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ – entdeckt die Mehrzahl der Investoren nämlich später unterbewertete Aktien, steigen diese dann im Wert. Besteht eine Differenz zwischen dem fairen Wert eines Unternehmens und dem tatsächlich gehandelten Aktienkurs (dem Börsenwert), gleicht der Markt diese Unterbewertung kurz- bis mittelfristig wieder aus. Im Ergebnis zeigen diese Werte dann eine bessere Kursentwicklung als der breite Markt: Anleger erzielen so eine Outperformance.

Die Methode der Fundamentalen Analyse untersucht den Einfluss ökonomischer Faktoren auf die Märkte. Die Analysten begründen, warum sich die Märkte in eine bestimmte Richtung bewegen, und nennen Kursziele für einzelne Aktien. Diese wiederum helfen Ihnen zu entscheiden, ob sich ein Einstieg für Sie noch lohnt oder eben nicht mehr.

Die Fundamentalanalyse ist ein umfangreiches Themengebiet. Unzählige Spezialisten bei Unternehmen, Fondsgesellschaften und Vermögensverwaltern beschäftigen sich damit. Diese analysieren Unternehmensbilanzen und beurteilen die Zukunftsaussichten eines Unternehmens, dessen Management, das Wettbewerbsumfeld und weitere Faktoren. Dabei sind gute volks- und betriebswirtschaftliche Kenntnisse erforderlich. Als Privatanleger müssen Sie jedoch keineswegs selbst aufwendige Studien betreiben, im Gegenteil: Sie nutzen einfach die Ergebnisse, die die Analysten veröffentlichen.

Dazu meine Tipps:

Wesentliche Finanzkennzahlen der Aktiengesellschaften (Fundamentaldaten) finden Sie bei allen Online-Brokern und großen Finanzportalen. Auch die Seiten der Börsen (beispielsweise www.boerse-frankfurt.de) sind hier eine wahre Fundgrube für Fundamentaldaten.

Kennen Sie die „klassische Kapitalmarkttheorie“? Nach dieser Auffassung bildet sich im Markt ein fairer Wert durch rational handelnde Investoren, die ausschließlich nach der Maxime der Chance-Risiko-Optimierung agieren. Das bedeutet, dass zu jeder eingegangenen „Risikohöhe“ nur ein bestimmter, maximaler Portfolio-Ertrag erwirtschaftet werden kann. Diese Aussage kommt Ihnen irgendwie bekannt vor? Prima, das haben Sie nämlich schon im Kapitel 1 bei der Bestimmung effizienter Portfolios nach Harry Markowitz gelesen.

So kann auch der faire Wert einer einzelnen Aktie im Verhältnis zum eingegangenen Risiko annähernd genau berechnet werden. Mithilfe der klassischen Finanzkennzahlen, beispielsweise Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Kurs-Buchwert-Verhältnis, Dividendenrendite oder Verschuldungsgrad, sowie einiger daraus abgeleiteter moderner Finanzkennzahlen, wie EBITDA oder Cashflow, lassen sich zeitweise Über- und Unterbewertungen von Aktien im Verhältnis zum fairen Wert erkennen. Genau hier hilft Ihnen die Fundamentalanalyse bei der Anlageentscheidung:

  • Liegt nämlich der Preis einer Aktie unterhalb des als fairer Wert betrachteten Niveaus, ist diese preisgünstig, unterbewertet und ein Kauf.
  • Liegt der aktuelle Kurs bereits über dem von den Analysten als fairer Wert eingeschätzten Preis, ist die Aktie überbewertet und sollte verkauft werden.

So interpretieren Sie die wesentlichen Finanzkennzahlen:

Das Gewinnwachstum

Erläuterung:

Hier wird die prozentuale Steigerung des Unternehmensgewinns im Vergleich zu einem Vorjahr (in der Regel das Jahr zuvor) verglichen:

((Jahresgewinn des aktuellen Jahres – Vorjahresgewinn) / (Vorjahresgewinn)) * 100

Beispiel:

Aktueller Jahresgewinn (2013): 100 Millionen Euro
Gewinn im Vorjahr (2012): 80 Millionen Euro

((100.000.000 Euro – 80.000.000 Euro) / (80.000.000 Euro)) * 100 = 25 %

Das sagt die Kennzahl aus:

Diese Kennziffer verrät Ihnen, um wie viel Prozent der Unternehmensgewinn gewachsen oder zurückgegangen ist.

Das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis)

Erläuterung:

Das KGV einer Aktie ist eine bekannte und auch von professionellen Analysten eingesetzte Kennzahl. Dabei wird in der Regel der heutige Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn des Unternehmens gesetzt. Das KGV bezieht sich dabei auf den Gewinn am Ende eines Geschäftsjahres und ist wie folgt definiert:

KGV = Aktienkurs / Gewinn je Aktie

Das historische KGV bezieht sich auf den bereits veröffentlichten Gewinn eines Vorjahres, beispielsweise:

KGV 2012:
Kurs von heute / veröffentlichter Gewinn zum 31.12.2012

KGV 2013:
Kurs von heute / veröffentlichter Gewinn zum 31.12.2013

Das aktuelle KGV und künftige KGVs beziehen sich auf den Gewinn des aktuellen Geschäftsjahres bzw. eines künftigen Geschäftsjahres, beispielsweise:

KGV 2014e:
Kurs von heute / geschätzter Gewinn zum 31.12.2014

KGV 2015e:
Kurs von heute / geschätzter Gewinn zum 31.12.2015

Dabei kann der Gewinn des Jahres 2014 (solange dieses noch nicht abgeschlossen ist) nur geschätzt werden. Für die kommenden Jahre gilt dies natürlich ebenso.

Das sagt die Kennzahl aus:

Sie erfahren, wie viele Jahre es dauert, bis die Aktiengesellschaft den Wert ihrer Aktien als Gewinn erwirtschaftet. Bei einem KGV von 10 wären das zehn Jahre. Kurz: Je höher das Kurs-Gewinn-Verhältnis, desto teurer die Aktie!

Mein Tipp

Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse schwanken stark, je nachdem, welche Länder, Branchen und Jahre man betrachtet. Daher ist das KGV nur sinnvoll vergleichbar innerhalb einer Branche. Technologiewerten wie Infineon wird meist ein höheres KGV zugebilligt als beispielsweise Versorgern wie RWE.

Beispiele:

Durchschnittliches KGV der DAX-Werte per 6. August 2014: 13,68

Beispiel VW

Niedrigstes KGV 2012: 5,03; KGV 2013: 7,44

Beispiel E.on

Niedrigstes KGV 2012: 5,92; KGV 2013: 10,93

EBITDA (Earnings before Interest, Taxes, Depriciation and Amortisation)

Erläuterung:

Ein etwas sperriger Begriff, der Folgendes bedeutet: Operativer Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Amortisation von immateriellen Wirtschaftsgütern (Nutzungsrechte, Patente und Lizenzen, die das Unternehmen erworben hat).

Das sagt die Kennzahl aus:

Das EBITDA gehört zu den modernen Finanzkennzahlen und gibt Ihnen ein aussagekräftigeres Bild über den tatsächlichen Gewinn eines Unternehmens. Es werden alle legalen Bilanzgestaltungsmaßnahmen herausgerechnet – eben die Einflüsse unterschiedlicher Steuerlasten, Zinsniveaus und Abschreibungen. Wollen Sie länderübergreifend Unternehmen und unterschiedliche Branchen vergleichen, dann eignet sich das EBITDA dazu besser als das KGV.

Das EBITDA sollten Sie insbesondere bei Unternehmen mit außergewöhnlich hohem Abschreibungsbedarf, zum Beispiel auf neue Maschinen, betrachten. Es ist auch gut geeignet für die Bewertung junger, wachstumsstarker Unternehmen, die durch anfängliche hohe Abschreibungen zunächst noch negative Jahresüberschüsse erwirtschaften.

Mein Tipp:

Verwenden Sie das EBITDA anstatt des Gewinns und gehen Sie dann vor wie bei der Interpretation des Gewinns: Vergleichen Sie die Entwicklung des EBITDA über die Jahre hinweg und auch das EBITDA Ihres Unternehmens im Verhältnis zum Branchendurchschnitt. Bitte beachten Sie: Nur mit dem Gewinn oder dem EBITDA allein lassen sich Unternehmen nicht ausreichend vergleichen, denn bei dieser Zahl handelt es sich um eine absolute Zahl. Ein Gewinn von 100 Millionen verglichen mit einem Gewinn von 50 Millionen sagt allein noch nichts aus. Setzen Sie stattdessen das EBITDA in Relation zum Kurs der Aktie oder zur Anzahl der ausgegebenen Aktien, dann erhalten Sie aussagekräftigere Ergebnisse.

Aus EBITDA abgeleitete Kennzahlen:

  • Kurs / EBITDA (anstatt KGV)
  • EBITDA je Aktie (anstatt Gewinn je Aktie)

Ganz besonders aussagekräftig ist die Kennzahl EBITDA-Marge, denn die absolute Höhe des EBITDA-Gewinns allein ist wenig aussagekräftig. Im Verhältnis zum Umsatz aber zeigt sich, ob die Gewinnmarge des Unternehmens akzeptabel ist! Auch diese Kennzahlen finden Sie auf allen gängigen Finanzportalen. Und so errechnet sich die EBITDA-Marge:

(EBITDA / Umsatz ) * 100

Thema 2: Erfolgreich an den Märkten mit Technischer Analyse

Bei der Technischen Analyse werden Kursbewegungen mithilfe von Charts grafisch dargestellt und analysiert, um künftige Trends zu bestimmen. Daher ist der Kurs selbst die wichtigste Information für die Technische Analyse – also der Preis einer Aktie, der am Markt erzielt wurde. Im Gegensatz zu den Fundamentaldaten, die eher für mittelfristige Anlagezeiträume geeignet sind.

Charts machen die Emotionen der Anleger sichtbar.

Die Technische Analyse ist also das ideale Werkzeug für Sie, um die Erkenntnisse aus der Behavioral Finance für den eigenen Handel nutzbar zu machen.

Doch bevor ich näher auf das spannende Thema der Börsenpsychologie eingehe, möchte ich Ihnen zunächst erläutern, wie Sie mithilfe von Charts schnell und effizient gewinnbringende Handelsszenarien entwickeln können. Dazu verwenden Sie einfach eines der vielen im Internet kostenfrei erhältlichen Chartprogramme, zum Beispiel Profichart 2.0 von www.godmode-trader.de, www.tradesignalonline.com oder www.sbroker.de.

Worauf kommt es nicht an?

Sie brauchen kein Mathematikstudium zum Lesen von Charts. Viele Privatanleger schrecken vor der Chartanalyse zurück, weil sie auf den ersten Blick kompliziert und unübersichtlich aussieht. Ich versichere Ihnen, mit ein wenig Übung werden Sie mit der Technischen Analyse schon nach kurzer Zeit gut zurechtkommen. Lassen Sie sich auf die Chartanalyse ein und haben Sie ein wenig Geduld mit sich. Sie werden überrascht sein, wie leicht Ihnen später der Umgang mit Wendepunkten, Unterstützungslinien & Co. fallen wird.

So gehen Sie dabei vor:

1. Die Marktstruktur hilft Ihnen bei der Orientierung

Sie bestimmen zuerst die nächstgelegenen markanten Wendepunkte eines Kurscharts:

  • Liegt der aktuelle Kurs unterhalb eines solchen Wendepunktes, wird dies in der Charttechnik „Widerstand“ genannt.
  • Liegt der aktuelle Kurs über einem Wendepunkt, wird dies als „Unterstützung“ bezeichnet.

Signifikante Wendepunkte sind auch für Sie deshalb so bedeutsam, weil sich in diesen Preisregionen ganz offensichtlich die Marktmeinung der Investoren geändert hat. An einem oberen Wendepunkt (nach einem Kursanstieg) wollte ab einem bestimmten Preisniveau niemand mehr kaufen. Oft findet man solche Punkt in der Nähe der von den Fundamentalanalysten bestimmten fairen Werte. Treten aber keine Käufer mehr in den Markt und fangen dann die ersten Investoren an, Gewinne mitzunehmen, was denken Sie, wird dann wohl passieren? Richtig, die Stimmung verschlechtert sich zusehends und immer mehr Käufer wechseln auf die Verkäuferseite. Der Kurs fällt weiter, und auch jene Käufer, die sich früh eingedeckt haben, verkaufen jetzt. Der Kurs fällt immer weiter. Aus einer oberen Umkehrbewegung entwickelt sich daher ein Abwärtstrend.

Damit haben Sie schon zwei Elemente der Analyse der Marktstruktur kennengelernt:

  • obere Umkehrbewegung (Widerstandsbereich) und
  • Abwärtstrend.

So handeln Sie die obere Umkehr:

Erkennen Sie aus dem Kursverlauf die Einleitung einer oberen Umkehr, dann sollten Sie Ihre Position verkaufen. Sind Sie in diesem Markt gar nicht investiert, dann haben Sie jetzt die Möglichkeit, auf weiter fallende Kurse zu setzen.

Ihr Ziel bei der Analyse der Marktstruktur ist also immer, ein Signal zu erhalten, das Ihnen sagt: JETZT muss gehandelt werden! In diesem Fall wäre dies ein Verkaufssignal. Zur Umsetzung dieses Signals investieren Sie in einen der Turbo-Put-Optionsscheine oder Short Mini Futures, die Sie im Kapitel 3 kennengelernt haben.

Irgendwann ist der Preis zum Beispiel einer Aktie so weit gefallen, dass zu diesem Kurs niemand mehr verkaufen will. Käufer und Verkäufer halten sich dann oft noch eine Zeit lang die Waage, der Kurs verläuft seitwärts. Dies wird „Bodenbildung“ genannt.

Doch schon bald werden die ersten mutigen Anleger auf diese Aktie aufmerksam, und sie steigen ein. Allerdings trifft die Nachfrage auf nur wenige Verkäufer und sie übertrifft das Angebot, sodass der Kurs steigt. Es bildet sich eine untere Umkehrbewegung, also eine Unterstützung. Immer mehr Käufer werden in der Folge auf diese Aktie aufmerksam, der Kurs steigt weiter und neue Käufer treten in den Markt: Der Kurs steigt und steigt ... Aus einer unteren Umkehrbewegung entwickelt sich so ein Aufwärtstrend.

Damit haben Sie zwei weitere Elemente der Analyse der Marktstruktur kennengelernt:

  • untere Umkehrbewegung (Unterstützungsbereich) und
  • Aufwärtstrend.

So handeln Sie die untere Umkehr:

Halten Sie eine Position auf fallende Kurse (Short-Position) und lesen Sie aus dem Kursverlauf die Einleitung einer unteren Umkehr ab, dann sollten Sie diese jetzt schließen und das entsprechende Hebelinstrument verkaufen.

Sind Sie in diesem Markt nicht investiert gewesen, können Sie zunächst mit einer kleinen Position auf weiter steigende Kurse setzen. Dazu investieren Sie in einen der Turbo-Call-Optionsscheine oder Long Mini Futures, die Sie im Kapitel 3 kennengelernt haben.

Darauf sollten Sie bei der Analyse von Unterstützungs- und Widerstandsbereichen achten:

Eine Unterstützung bzw. Widerstandslinie ist umso signifikanter,

  • je öfter sie getestet wurde, ohne durchbrochen zu werden,
  • je länger sie bereits besteht und
  • je höher der Umsatz war, der zur Entstehung dieser Bereiche beigetragen hat.

In Abbildung 4.1 sehen Sie die Konstruktion von Widerstands- und Unterstützungszonen am Beispiel der BASF-Aktie.

Abbildung 4.1

Abbildung 4.1: Konstruktion von Widerstands- und Unterstützungszonen anhand der Aktie von BASF

Im Januar 2013 bildete die Aktie der BASF eine obere Umkehr aus: zwischen 76,20 und 74,70 Euro. Im Chart ist dieser Bereich mit einem Kreis markiert (W1). Damit war der Umkehrbereich bereits zu diesem Zeitpunkt genau definiert, und die beiden Begrenzungslinien konnten nach rechts verlängert werden.

Achten Sie auch auf das gehandelte Volumen, dass unter dem Chart in Form von roten und grünen Balken abgetragen ist. Ein roter Balken zeigt das Volumen an Tagen, an denen der Kurs der Aktie gefallen ist, ein grüner Balken zeigt Tage mit steigenden Kursen. Je höher der Balken, desto mehr Aktien wurden an diesem Tag gehandelt.

Jetzt wird es charttechnisch interessant: Sie können die Widerstandsbildung gut erkennen, schauen Sie sich den Chart in Ruhe an. Zwischen Januar 2013 und März 2013 drehte die BASF-Aktie genau in diesem Bereich noch zwei weitere Male und bildete dadurch eine massive Widerstandszone. So massiv, dass im Mai und Juni 2013 dieser Bereich insgesamt noch drei Mal getestet wurde. Jedes Mal drehte die Aktie in dieser Zone. Zufall? Wohl kaum, sondern präzise Analyse der Markttechnik.

Sie wollen wissen, wie dieser Kursverlauf zu erklären ist? Die Investoren sahen offenbar bereits im Januar 2013 BASF bei einem Preis um 75 Euro als zu hoch bewertet an; es kamen keine neuen Käufer hinzu. Diejenigen, die BASF bereits gekauft hatten, begannen zu verkaufen, und es setzte sich eine Abwärtsspirale in Gang. Die Meinung der Investoren änderte sich auch nicht, als BASF bis Juni 2013 immer wieder in der Region um 75 Euro gehandelt wurde. Niemand wollte hier noch kaufen. Offenbar hatten die Fundamentalanalysten den fairen Wert von BASF in diesem Bereich gesehen und ihre Meinung noch nicht geändert.

Schauen Sie sich den Beginn der Bildung der Unterstützungszone (U1) genauer an: Ab Ende Dezember 2012 (U1) bildete sich im Bereich zwischen 70,34 Euro und etwa 71 Euro eine untere Umkehr aus. Und wiederum erkennen Sie die herausragenden Möglichkeiten, die Ihnen die Analyse der Marktstruktur bietet. Verlängern Sie die beiden Linien bei U1 nach rechts, erhalten Sie eine Unterstützungszone, die noch zwei weitere Male getestet wurde; jedes Mal prallte der Kurs wieder nach oben ab. Wieder kein Zufall! In diesem Bereich sahen die Investoren BASF als günstige Kaufgelegenheit und griffen zu. Es fanden sich aber nur wenige Verkäufer, die zu diesen Preisen ihre Aktien loswerden wollten, und der Kurs stieg.

Erst Ende März, genau am 25. März 2013, änderten die Anleger ihre Meinung. Es fanden sich plötzlich keine Käufer mehr, und der Kurs brach nach unten aus! Der markierte Kreis (A) zeigt dieses Szenario.

So handeln Sie erfolgreich mithilfe der Chartanalyse:

Da der bereits im Dezember 2012 genau markierte Unterstützungsbereich bekannt ist, warten Sie genau auf einen solchen Durchbruch. Dann handeln Sie wie folgt:

  1. Fällt der Kurs unter 70,30 Euro, kaufen Sie ein Hebelinstrument, mit dem Sie auf fallende Kurse setzen (zum Beispiel einen Short Mini Future).
  2. Platzieren Sie einen Stopp-Loss etwas oberhalb der oberen Begrenzungslinie der Unterstützungszone, also bei 71,15 Euro.
  3. Wenn der Kurs wie erwartet fällt, ziehen Sie ihren Stopp mit nach unten. Irgendwann wird der Kurs natürlich wieder nach oben schnellen, eventuell auch nur kurz. Egal, Sie werden dann mit Gewinn ausgestoppt und bereiten sich auf das nächste Handelsgeschäft vor. Genau das meine ich mit aktivem Handeln. Zeit zum Handeln heißt insbesondere auch aktives Stopp-Management zu betreiben, um Gewinne zu sichern und Verluste zu begrenzen.

Doch schauen Sie sich im Folgenden zunächst weitere Handelsideen auf Basis der Analyse der Marktstruktur an.

2. Chartmuster sind die Fußspuren der cleveren Investoren – folgen Sie diesen!

Jetzt werde ich Ihnen noch einige meiner Lieblingsformationen vorstellen. Sie sind besonders erfolgversprechend zu handeln.

Doch was verstehen Technische Analysten eigentlich unter dem Begriff „Formation“? Charttechnische Formationen geben ebenfalls die Marktstruktur wieder, das Verhalten der Marktteilnehmer während eines gewissen Zeitraumes. Es wird dabei zwischen Trendbestätigungs- und Trendumkehrformationen unterschieden.

1) Trendbestätigungsformationen

Schauen Sie sich zunächst einige der bedeutendsten Trendbestätigungsformationen genauer an: Trendbestätigungsformationen bilden sich zunächst entgegen der vorherrschenden Trendrichtung aus. In einem Aufwärtstrend fallen die Kurse während der Ausbildung der Formation zunächst, um dann aus der Formation nach oben auszubrechen und den ursprünglichen Aufwärtstrend fortzusetzen. In einem Abwärtstrend steigen die Kurse dagegen während der Ausbildung der Formation zunächst, um dann aus der Formation nach unten auszubrechen und den ursprünglichen Abwärtstrend fortzusetzen.

Trendbestätigungsformationen stellen daher immer eine Unterbrechung des vorherrschenden Trends dar und bilden eine Konsolidierungsphase aus, bevor der Trend seine eigentliche Richtung wieder aufnimmt.

2) Trendumkehrformationen

„Ein Trend besteht so lange, bis er bricht“, besagt eine alte Börsenregel. Genau an diesen Punkten treten Trendumkehrformationen auf.

Darauf sollten Sie bei allen Umkehrformationen achten:

  • Eine Umkehrformation kann nur am Ende eines Trends auftreten, daher muss ein solcher zunächst eindeutig bestimmbar sein.
  • Je länger sich eine Formation bildet und je größer die Ausmaße sind, desto größer ist das Ausmaß der nachfolgenden Bewegung.
  • Obere Umkehrformationen bilden sich in der Regel schneller als untere, dabei ist aber kein genauer Wert zu bestimmen.
  • Die Umsätze sollten am Tag des Ausbruchs aus der Formation und mindestens einen Tag danach deutlich steigen.

a) Die obere und untere Schulter-Kopf-Schulter-Formation

Die Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS) ist eine der bekanntesten Umkehrformationen. Die Formation wird als Umkehr des Aufwärtstrends (obere SKS-Formation) bzw. als untere Umkehrformation (inverse SKS-Formation) bezeichnet. Bei Letzterer sind die Schultern und der Kopf entsprechend als Tiefpunkte ausgebildet.

In Abbildung 4.2 ist die Schulter-Kopf-Schulter-Formation als obere Umkehrformation abgebildet und die inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formation als untere Umkehr.

Abbildung 4.2

Abbildung 4.2: Schematische Darstellung der oberen SKS und der unteren SKS

Die Marktstruktur hinter der Formation:

Als Erstes bilden sich während eines Aufwärtstrends die linke Schulter und der Kopf: Zunächst bilden sich höhere Hochs und höhere Tiefs. Damit ist der Aufwärtstrend aber noch intakt und es gibt keinen Grund zur Sorge.

Doch schon bald ziehen dunkle Wolken auf! Der Kurs bildet kein neues Hoch mehr, kann den Kopf nicht mehr übersteigen: ein erstes Anzeichen von Schwäche im Markt. Treten dann verstärkt Verkäufe auf, beginnen die Kurse zu fallen, und es bildet sich die rechte Schulter.

Fallen die Kurse weiter unter die Verbindungslinie der beiden Tiefs (Nackenlinie), so ist die Formation bestätigt und das Verkaufssignal wurde gegeben. Alle Mann von Bord!

Achten Sie bei Ihrer Interpretation der SKS-Formation auf diese Punkte:

  1. Die Formation ist wirklich erst beendet, wenn der Kurs unter die Nackenlinie sinkt(wie im Fall der inversen SKS) bzw. über die Nackenlinie steigt (bei der „eigentlichen“ SKS). Handeln Sie nicht früher!
  2. Besonders wichtig ist, dass die Umsätze beim Durchbruch durch die Nackenlinie stark steigen. Umso geringer ist dann die Gefahr eines Fehlausbruchs.

Noch ein Tipp zur oberen Schulter-Kopf-Schulter-Formation:

Auch bei dieser Formation können Sie nach dem Ausbruch ein grobes Kursziel berechnen. Hierzu messen Sie die Strecken vom Kopf bis zur Nackenlinie und tragen diese vom Ausbruchskurs nach unten ab. Durch die Strecke a) ist dies in Abbildung 4.5 verdeutlicht.

Die untere SKS wird zwischen Mai und Juni 2012 als Umkehr einer kurzen Abwärtsbewegung ausgebildet. Die rechte Schulter ist zwar sehr klein, linke Schulter und Kopf dagegen sind gut ausgeprägt.

So handeln Sie erfolgreich die untere Schulter-Kopf-Schulter-Formation:

  1. Steigt der Kurs über die Nackenlinke (A), gilt die Formation als beendet. Das Signal zum Einstieg ist gegeben. Dies geschah am 14. Juni 2012 bei einem Indexstand von 1325 Punkten. Kaufen Sie ein Hebelinstrument, mit dem Sie auf steigende Kurse setzen (zum Beispiel einen Long Mini Future).
  2. Platzieren Sie Ihren Eingangs-Stopp-Loss etwas unterhalb des Tiefs der rechten Schulter bei etwa 1300 Punkten (SL).
  3. Wenn der Kurs wie erwartet steigt, passen Sie Ihren Stopp nach oben an.

Ein Tipp zur unteren Schulter-Kopf-Schulter-Formation:
Auch bei dieser Formation können Sie nach dem Ausbruch ein grobes Kursziel berechnen. Hierzu messen Sie die Strecken vom Kopf bis zur Nackenlinie und tragen diese vom Ausbruchskurs nach oben ab. Dies können Sie in Abbildung 4.3. leicht nachvollziehen (Strecke b).

Abbildung 4.3

Abbildung 4.3: Die untere Schulter-Kopf-Schulter-Formation am Beispiel des S&P 500 Index

Exkurs: Aufteilung zwischen Anlagekapital und Ihrem Kapital fürs aktive Handeln

An dieser Stelle ist es mir wichtig noch einmal darauf hinzuweisen, dass die Höhe Ihres Handelskontos in einem vernünftigen Verhältnis zu Ihrem Gesamtkapital stehen sollte. Sie kennen jetzt einige konkrete, erfolgversprechende Strategien, die Sie sofort umsetzen können. Doch bitte achten Sie darauf: Ihr Handelskonto ist nur ein Teil Ihrer Gesamtanlagestrategie (Core-Satellite-Strategie), d. h., Sie verteilen Ihr Gesamtkapital (entsprechend Ihrer Strategie) über mehrere Investments.

Dazu ein Beispiel für einen eher risikoneutralen Investor:
Gehen Sie von einem Investor aus, dem 50.000 Euro Anlagekapital zur Verfügung stehen. Vernachlässigen Sie bei dieser Betrachtung beispielsweise Immobilien oder unternehmerische Beteiligungen, wie geschlossene Fonds.

Unser fiktiver Investor hält eine Aktienquote von insgesamt 50 Prozent, 25.000 Euro. Weiterhin hält er für 40 Prozent seines Anlagekapitals Anleihen, 20.000 Euro. Sein Barvermögen (Liquidität) beträgt 10 Prozent, 5.000 Euro.

Nehmen Sie an, die Aktienquote von 25.000 Euro verteilt sich folgendermaßen:

  • 10.000 Euro investiert in langfristige Core-Investments
  • 10.000 Euro angelegt entsprechend seiner Satelliten-Strategie
  • 5.000 Euro platziert in ein oder zwei weiteren Satelliten: beispielsweise Anlagezertifikate wie Bonus- oder Discountzertifikate auf Rohstoffe oder Emerging-Market-Indizes.

Mit etwa 10.000 Euro hat unser Investor in diesem Beispiel eine sinnvolle Kapitaldecke zur Risikosteuerung seiner Handelsgeschäfte.

Zusammenfassung Kapitel 4: Das ist wirklich wichtig!

Basis für Ihre Handelsentscheidungen sind die Fundamentale Analyse und die Technische Analyse (oder auch Chartanalyse), die sich ergänzen. Die Fundamentale Analyse hilft Ihnen bei der grundlegenden wirtschaftlichen Einschätzung eines Unternehmens mithilfe von Finanzkennzahlen (beispielsweise KGV). Die Fundamentalanalyse einer Aktie gibt Aufschluss darüber, ob eine Aktie unterbewertet ist und das Papier noch Potenzial für einen Kursanstieg hat. Bei der Technischen Analyse untersuchen Sie die grafisch dargestellten Kursbewegungen eines Wertpapieres, die Charts. Mit dieser Methode können Sie zukünftige Trends einschätzen, Prognosen für Kursentwicklungen abgeben und Ihren Einstieg in eine Position optimieren. Durch die Analyse des jeweiligen Trendverhaltens können Sie erkennen, wann eine neue Bewegung anfängt und sich rechtzeitig positionieren. Instrumente zur Technischen Analyse sind unter anderem: Unterstützungen, Widerstände, Trendbestätigungs- und Trendumkehrformationen. Aus diesen Formationen lesen Sie mögliche Einstiegspunkte, den optimalen Punkt für einen Eingangsstopp sowie das von Ihnen angepeilte Kursziel ab. Ein Wertpapier auf diese Weise unter die Lupe zu nehmen, gibt Ihnen Sicherheit und trägt damit maßgeblich zu Ihrem Erfolg an der Börse bei, denn: Klassische Chartformationen sind die Fußspuren cleverer Investoren. Sie geben bereits alle notwendigen Signale, folgen Sie diesen einfach!

Im nächsten Kapitel 5 werden Sie sich als Anleger besser kennenlernen und erfahren, vor welchen Psychofallen Sie sich in Acht nehmen müssen. Es geht um Behavioral Finance, die Finanzmarktpsychologie.