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Zeit zum Handeln.
Strategien für den Einstieg in den kurzfristigen Börsenhandel

Liebe Leserin, lieber Leser,

Vontobel stellt Ihnen dieses E-Book kostenlos zur Verfügung, um Ihnen einen leicht verständlichen Überblick über die Möglichkeiten des kurzfristigen, aktiven Handels mit Zertifikaten und anderen Hebelprodukten zu geben. Sie sind herzlich eingeladen, sich darüber hinaus auf der Vontobel-Zertifikate-Website über das weitreichende Service- und Produktangebot zu informieren. Interessierten bietet Vontobel bei Fragen rund um ihre Produkte und das Internetangebot auch einen kostenlosen Rückrufservice an. Das E-Book wird aktualisiert, sobald es Änderungen gibt – ein großes Plus dieses neuen Mediums.

Kapitel 3: Hebelprodukte – einfach und verständlich erklärt

Thema 1: Einführung Hebelprodukte – meine Vorteile beim aktiven Handeln

Hebelprodukte sind ein einfaches und transparentes Mittel, um mit geringem Kapitaleinsatz von Kursentwicklungen zu profitieren. Dies kommt Ihnen auch beim aktiven Handeln zugute, weil Sie nur wenig Grundkapital zum Handeln aufbringen müssen und Ihre Anlagerisiken über mehrere Positionen streuen können.

Ich gebe Ihnen dazu ein praktisches Beispiel:

Angenommen, Sie sind der Meinung, dass die Aktie von BMW bald deutlich an Wert gewinnen wird und Sie einsteigen möchten. Analysten schätzen das Potenzial auf plus 5 Prozent. Für dieses Beispiel legen wir einen Kurs von 80 Euro je BMW-Aktie zugrunde. Um jedoch einen nennenswerten Gewinn zu erzielen, müssten Sie schon einige Tausend Euro investieren: Bei 100 Aktien müssten Sie also 8.000 Euro investieren. Der erwartete Kursanstieg von 5 Prozent könnte Ihnen also 400 Euro Gewinn einbringen. Über ein Hebelprodukt (Hebel 10) investieren Sie nur 800 Euro, können aber ebenfalls 400 Euro Gewinn erzielen (50 Prozent statt 5 Prozent mit einem Aktieninvestment). Sie benötigen also weniger Kapital, gewinnen aber den gleichen Geldbetrag.

Das eingesparte Geld können Sie wiederum in verschiedene andere Wertpapiere investieren. Das ermöglicht es Ihnen, Ihr Depot bei gleichem Kapitaleinsatz besser zu diversifizieren (siehe Kapitel 1, Thema 1: Harry Markowitz: Die moderne Portfolio-Theorie)

Es gibt insgesamt vier Kategorien von Hebelprodukten, die ich Ihnen im nächsten Thema vorstellen werde. Besonders interessant für aktive Händler sind dabei Mini Futures, Turbo-Optionsscheine und Turbo-Optionsscheine Open-End, da sie sich für die meisten Anlagestrategien gut eignen (siehe dazu Kapitel 2, Thema 1).

Diese Anlagestrategien können Sie mit Hebelprodukten umsetzen:

Chancen nutzen (Spekulieren)

Sie können kurzfristige Gewinne auf steigende oder fallende Kurse erzielen. Und das mit weniger Kapital als bei einem Direktinvestment in eine Aktie.

Absichern

Sie können Ihr Depot gegen temporäre Kursverluste absichern. Haben Sie zum Beispiel BMW-Aktien im Depot und erwarten einen kurzfristigen Kursrückgang, dann müssen Sie Ihre Aktien nicht gleich verkaufen. Mit geringem Kapitaleinsatz kaufen Sie stattdessen einen Short Mini Future, der von fallenden Kursen der Aktie profitiert – und so den zeitweisen Verlust der Aktien ausgleicht. Erwarten Sie dann wieder steigende Aktienkurse, verkaufen Sie den Short Mini Future mit Gewinn.

Umtausch von Aktien in Hebelprodukte zur Erhöhung der Liquidität (Cash Extraction)

Sie können Ihre Aktien verkaufen und stattdessen mit geringerem Kapitaleinsatz Hebelprodukte auf diese Aktie kaufen. Damit erreichen Sie eine bessere Diversifizierung Ihres Depots, da Sie Ihr Anlagerisiko über mehr unterschiedliche Basiswerte in Ihrem Depot verteilen können.

Thema 2: Hebelprodukte im Detail – zum Kennenlernen

Hebelprodukte lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen: Entscheidend ist dabei die Konstruktion des Wertpapiers. Sie sollten sich mit der Funktionsweise der unterschiedlichen Hebelprodukte vertraut machen, um diese effizient für Ihre individuelle Anlagestrategie einsetzen zu können.

Folgende Eigenschaften sind allen Hebelprodukten gemein:

  1. Mit Hebelprodukten können Sie von steigenden und fallenden Märkten profitieren.
  2. Sie können mit Hebelprodukten Ihren Gewinn vervielfachen (der Hebeleffekt wirkt aber auch bei Verlusten).
  3. Wenn Ihre Markterwartung nicht eintritt, können Sie unter bestimmten Bedingungen auch einen Totalverlust erleiden.
  4. Hebelprodukte werden auf Aktien, Zinsen, Indizes, Rohstoffe und Währungen angeboten, und in jeder dieser Anlageklassen steht eine Vielzahl an Basiswerten zur Verfügung.

In Abbildung 3.1 sehen Sie eine Übersicht über die verschiedenen Produktgruppen. Keine Angst, es sieht nur auf den ersten Blick kompliziert aus. Ich erkläre Ihnen alles Schritt für Schritt, und Sie werden sehen, am Ende des Kapitels sind Ihnen die Grundbegriffe vertraut. Details können Sie immer wieder nachlesen.

Zunächst werden Hebelprodukte in zwei Hauptkategorien unterteilt: Knock-out-Produkte und Optionsscheine. Die Knock-out-Produkte werden weiter unterschieden in die Unterkategorien Turbo-Optionsscheine mit und ohne Laufzeitbegrenzung und Mini Futures, die immer ohne Laufzeitbegrenzung (open end) angeboten werden.

Bevor ich auf die wesentlichen Konstruktionsmerkmale der Produkte eingehe, hier zunächst die allgemeinen Vor- und Nachteile von Knock-out-Produkten und Optionsscheinen.

Knock-out-Produkte (Mini Futures und Turbo-Optionsscheine)

Vorteile Nachteile
Einsetzbarkeit in steigenden und fallenden Märkten Totalverlust bei Erreichen der Knock-out-Barriere
Geringer Kapitaleinsatz bei überdurchschnittlicher Beteiligung an der Kursentwicklung des Basiswerts Regelmäßige Anpassung der Knock-out-Barriere bei Open-end-Produkten
Einfache Berechnung des Produktpreises, daher hohe Transparenz Überdurchschnittlich hohes Verlustrisiko
Volatilitätsneutral

Klassische Optionsscheine

Vorteile Nachteile
Einsetzbarkeit in steigenden und fallenden Märkten Sinkende Volatilität kann zu fallendem Preis des Optionsscheins führen
Geringer Kapitaleinsatz bei überdurchschnittlicher Beteiligung an der Kursentwicklung des Basiswerts Komplexe Berechnung des Optionsscheinpreises
Aussitzen von Buchverlusten möglich, da kein Knock-out-Risiko besteht Überproportionales Verlustrisiko

Worauf kommt es nicht an?

Sie müssen nicht alle Hebelprodukt-Arten umfassend verstanden und stets parat haben. Es reicht aus, sich eine Produktart auszusuchen und sich damit eingehend zu beschäftigen. Ich empfehle Ihnen zum aktiven Handeln Mini Futures und Turbo-Optionsscheine Open-End. Meine Gründe hierfür finden Sie im Kapitel 2, Thema 1.

Thema 3: So funktionieren Knock-out-Produkte: Mini Futures und Turbo-Optionsscheine

1. So berechnen Sie den Preis eines Mini Futures

Mit Long Mini Futures und Turbo-Call-Optionsscheinen können Sie auf steigende Kurse setzen, mit Short Mini Futures und Turbo-Put-Optionsscheinen auf fallende Kurse. Und am Ende der Laufzeit erhalten Sie den inneren Wert ausgezahlt. Im Gegensatz zu klassischen Optionsscheinen ist jedoch bei Knock-out-Produkten die Auszahlung des Gewinns an eine weitere Bedingung geknüpft: Während der Laufzeit darf die eingebaute Knock-out-Barriere nicht berührt oder unterschritten werden, sonst verfällt das Produkt sofort wertlos. Daher auch der Name „Knock-out“ der Produktkategorie. Die Knock-out-Barriere entspricht bei Vontobel Turbo-Optionsscheinen immer dem Basispreis und bleibt während der gesamten Laufzeit konstant.

Für den Long Mini Future gilt:

Kurs des Basiswerts – Basispreis

Für den Short Mini Future gilt:

Basispreis – Kurs des Basiswerts

Mit einem Long Mini Future setzen Sie auf steigende und mit einem Short Mini Future auf fallende Kurse. Die Hebelwirkung kommt dadurch zustande, dass Sie nur einen Teil des Preises des Basiswerts bezahlen müssen, aber an den gesamten Bewegungen des Basiswertkurses partizipieren. Da auch Mini Futures keine Laufzeitbegrenzung haben, werden die Finanzierungskosten ebenfalls durch Anpassung der Stop-Loss Barriere abgegolten.

Im Gegensatz zum Open-end-Turbo-Optionsschein entspricht bei einem Mini Future die Stop-Loss-Barriere nicht dem Basispreis. Beim Long Mini Future wird die Stop-Loss-Barriere stets über und beim Short Mini Future stets unterhalb des Basispreises liegen. Dadurch wird Ihnen bei Eintritt eines Stop-Loss-Ereignisses in aller Regel ein Restwert des Mini Futures ausgezahlt. Dieser errechnet sich in der Regel wie folgt:

Basispreis – Stop-Loss-Barriere

2. Verhalten von Mini Futures (Long und Short) während der Laufzeit

Die Kursentwicklung Ihres Mini Futures hängt von der Bewegung des Basiswerts und den Finanzierungskosten ab. Darüber hinaus hat auch die Entwicklung des allgemeinen Zinsniveaus Einfluss auf die Preisbildung, nicht aber eine Dividendenausschüttung.

3. So berechnen Sie den Preis eines Turbo-Calls mit begrenzter Laufzeit

Der Preis errechnet sich ohne Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses wie folgt:

(Kurs des Basiswerts – Basispreis) + Aufgeld

Ähnlich einem klassischen Optionsschein besteht auch der Preis eines Turbo-Optionsscheins aus dem inneren Wert und einem Zeitwert (hier Aufgeld genannt). Das Aufgeld stellt dabei den Zinsbetrag dar, den Sie dem Emittenten, wie zum Beispiel Vontobel zahlen müssen. Denn wenn Sie einen Turbo-Optionsschein kaufen, zahlen Sie nur den Differenzbetrag zwischen Basispreis und dem Kurs des Basiswerts. Dieser Differenzbetrag ist quasi Ihr Eigenkapital, Vontobel stellt das Fremdkapital zur Finanzierung des Hebels bereit. Sie erhalten daher vom Emittenten genau genommen einen Kredit. Dafür fallen Finanzierungskosten an. Diese werden in Form des Aufgelds auf den inneren Wert erhoben.

Im Unterschied zu klassischen Optionsscheinen ist das Aufgeld aber hier unabhängig von der impliziten Volatilität. Das Aufgeld richtet sich ausschließlich nach dem Zinsniveau, das Ihnen der Emittent berechnet. Dabei gilt: Je länger der Anleger das Produkt hält, umso höher ist der Zinsaufwand.

Das Aufgeld wird bis zum Laufzeitende weitgehend linear abgebaut. Am Laufzeitende ist das Aufgeld null. Der Schein wird zu seinem inneren Wert ausgezahlt oder verfällt wertlos.

In Abbildung 3.4 sind verschiedene Szenarien am Ende der Laufzeit dargestellt. Schauen Sie sich diese nun einmal im Detail an.

Das bedeutet das Erreichen der Knock-out-Barriere konkret:

Die Knock-out-Barriere stellt die Höhe Ihres Eigenkapitals dar. Ist Ihr Eigenkapital aufgebraucht, fordert der Emittent das geliehene Geld zurück. Stellen Sie sich vor, Ihr Basiswert würde noch weiter fallen, dann würden Sie mit dem Geld des Emittenten weiter handeln. Der Emittent müsste dann Ihr Kursrisiko tragen. Verständlich, dass er dazu nicht bereit ist. Also löst der Emittent den Schein auf, d. h., er verkauft den Basiswert, den er zuvor zu seiner Absicherung gekauft hat, und das Geschäft ist für beide Seiten erledigt.

4. So berechnen Sie den Preis eines Turbo-Puts mit begrenzter Laufzeit

Der Preis errechnet sich ohne Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses wie folgt:

(Basispreis – Kurs des Basiswerts) + Aufgeld

Abbildung 3.3 gibt Ihnen einen Überblick über die drei unterschiedlichen Szenarien eines Turbo-Put-Optionsscheins am Ende seiner Laufzeit:

5. Verhalten von Turbo-Optionsscheinen (Call und Put) während der Laufzeit

Verschiedene Parameter beeinflussen den Kurs des Turbo-Optionsscheins. Dazu gehört insbesondere die Entwicklung des Basiswerts, denn Sie haben einen Turbo-Call gekauft. Sinkt der Basispreis, verliert natürlich auch Ihr Schein an Wert. Zusätzlich beeinflusst aber auch die Schwankungsbreite (Volatilität) des Basiswerts den Preis des Optionsscheins. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn sich der Kurs des Basiswerts der Knock-out-Barriere nähert. Daneben wirken sich noch weitere Faktoren auf die Preisbildung aus: die Restlaufzeit, die Höhe des Hebels und die Dividende bei Turbo-Optionsscheinen auf Aktien sowie Aktienindizes.

6. So berechnen Sie den Preis eines Turbo-Calls und eines Turbo-Puts ohne Laufzeitbegrenzung (open end)

Turbo-Call gilt (ohne Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses):

Kurs des Basiswerts – Basispreis

Für den Turbo-Put gilt (ohne Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses):

Basispreis – Kurs des Basiswerts

Diese Hebelinstrumente haben keine Laufzeitbegrenzung, daher kann der Emittent Ihnen auch kein Aufgeld (ergäbe sich aus Zinsniveau und Laufzeit) berechnen. Da drängt sich die Frage auf, wie der Emittent Ihnen jetzt die Finanzierungskosten in Rechnung stellen kann. Bei einem Open-end-Turbo-Optionsschein wird einfach täglich der Basispreis (und entsprechend auch die Knock-out-Barriere) um den geschuldeten Zinsbetrag angepasst. Beim Emittenten Vontobel können Sie dies transparent nachverfolgen: Anpassungen der Open-end-Turbo-Optionsschein werden unter www.vontobel-zertifikate.de auf der jeweiligen Produktdetailseite unter dem Reiter „Produktgeschichte“ veröffentlicht und unverzüglich an Börsen und Finanzportale weitergeleitet.

Thema 4: So funktionieren klassische Optionsscheine

1. Ihr Einstieg ins Optionsschein-Wissen

Zunächst einmal sind Optionsscheine Inhaberschuldverschreibungen eines Emittenten und unterliegen damit einem Emittentenrisiko. Diese Inhaberschuldverschreibungen sind Wertpapiere und werden an spezialisierten Derivatebörsen (zum Beispiel EUWAX und ZertifikateBörse Frankfurt) gehandelt.

Exkurs: Inhaberschuldverschreibungen1

Definition

Inhaberobligation, Bearer Bond; Anleihe, die den Emittenten verpflichtet, an den jeweiligen Inhaber der Anleiheurkunde die Zinsen und den Rücknahmekurs bei Fälligkeit der Papiere zu leisten. Die Rechte aus der Urkunde werden wie bei jedem Inhaberpapier durch Einigung und Übergabe übertragen.

Eine Verbriefung erfolgt heute oftmals in Sammelurkunden, die in Sammeldepots verwahrt werden, und ein Anspruch auf Einzelverbriefung der Wertpapiere wird regelmäßig ausgeschlossen. Daher ist eine physische Übergabe nicht möglich. Sammeldepotanteile werden i. d. R. im Rahmen eines Effektenkommissionsgeschäfts übertragen. Dabei tritt die Depotbank als Verkaufskommissionärin auf, die das Geschäft über die Börse abschließt. Nach § 24 II 1 Depotgesetz (DepotG) vollzieht sich der Eigentumsübergang kraft Gesetzes durch die Depotgutschrift.

Die wesentliche Unterscheidung bei Optionsscheinen:

Kaufoptionsschein (engl. Call): Nutzt Chancen auf Gewinne bei steigenden Kursen des zugrunde liegenden Basiswerts.

Verkaufsoptionsschein (engl. Put): Nutzt Chancen auf Gewinne bei fallenden Kursen des zugrunde liegenden Basiswerts.

Der Preis eines jeden Optionsscheins (auch Optionsprämie genannt) setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen: dem inneren Wert und dem Zeitwert. Auf beide Komponenten werde ich gleich noch zu sprechen kommen.

2. Kaufoptionsscheine unter der Lupe

So gewinnen Sie mit einem Call-Optionsschein:
Erwarten Sie einen steigenden Aktienkurs, dann kaufen Sie einen Call auf diese Aktie. Die Aktie wird als Basiswert (engl. Underlying) bezeichnet. Mit dem Kauf eines Calls erwerben Sie das Recht, diese Aktie an einem zuvor festgelegten Termin (Laufzeitende) zu einem ebenfalls zuvor festgelegten Preis (Basispreis, engl. Strike) zu erwerben.

3. Verkaufsoptionsscheine unter der Lupe

So gewinnen Sie mit einem Put-Optionsschein:
Erwarten Sie einen fallenden Aktienkurs, dann kaufen Sie einen Put auf diese Aktie. Mit dem Kauf eines Puts erwerben Sie das Recht, diese Aktie an einem zuvor festgelegten Termin (Laufzeitende) zu einem ebenfalls zuvor festgelegten Preis an den Emittenten zu verkaufen. Abbildung 3.3 verdeutlicht Ihre Gewinnchancen schematisch.

Das kann während der Laufzeit eines Put-Optionsscheins passieren:

Während am Ende der Laufzeit nur der innere Wert eines Optionsscheins in die Preisberechnung eingeht, müssen Sie während der Laufzeit zusätzlich auch den sogenannten Zeitwert bezahlen. Das ist der Preis dafür, dass der Optionsschein noch eine bestimmte Restlaufzeit hat und Sie die Chance auf weitere Gewinne haben. Der Preis eines Optionsscheins setzt sich also immer aus dem inneren Wert und dem Zeitwert zusammen. Wenn ein Optionsschein während der Laufzeit noch keinen inneren Wert hat, bezahlen Sie trotzdem einen Preis für dieses Produkt, eben den Zeitwert.

Die komplexe Berechnung des Zeitwerts stellt übrigens für den Emittenten ein nicht unerhebliches Problem dar. In die Kalkulation gehen nämlich insbesondere die erwartete (implizite) Volatilität des Basiswerts sowie die Länge der Laufzeit des Optionsscheins ein. Darüber hinaus spielen auch die aktuellen Zinsen sowie eventuelle Dividendenausschüttungen eine Rolle, wenn auch in weit geringerem Maße.

4. Was bedeutet eigentlich Hebel?

Den Begriff Hebel könnte man mit „kleiner Einsatz, große Wirkung“ umschreiben. Sie brauchen nur einen kleinen Betrag Ihres Kapitals einzusetzen, um überdurchschnittlich von der Kursentwicklung eines Wertpapiers profitieren zu können.

Dazu ein Beispiel mit einem Call-Optionsschein:

Sie kaufen einen Call-Optionsschein auf die Aktien AG. Basispreis 100 Euro. Der aktuelle Aktienkurs der Aktien AG notiert bei 100 Euro.
Der Kauf des Call-Optionsscheins kostet Sie 10 Euro. Dieser Schein hat also keinen inneren Wert, Sie zahlen die 10 Euro für den Zeitwert.

Am Ende der Laufzeit des Optionsscheins steigt die Aktie auf 120 Euro. Ihr Gewinn beträgt 20 Prozent. Der Optionsschein hat am Ende der Laufzeit zwar keinen Zeitwertanteil mehr, die 10 Euro Zeitwert sind weg. Stattdessen hat er aber einen inneren Wert von 20 Euro aufgebaut. Das können Sie nach folgender Formel berechnen:

Kurs des Basiswerts – Basispreis = innerer Wert (120 Euro – 100 Euro = 20 Euro)

Diese 20 Euro erhalten Sie am Laufzeitende ausgezahlt. Da Sie den Optionsschein für nur 10 Euro gekauft haben, streichen Sie 100 Prozent Gewinn ein. Die Aktie selbst hat jedoch nur 20 Prozent gewonnen, Ihr Gewinnhebel beträgt daher 5. Der Zeitwert ist am Ende der Laufzeit immer null, daher erhalten Sie den inneren Wert ausgezahlt oder eben gar nichts.

Dazu noch ein Beispiel. Nehmen Sie folgendes Gewinnprofil für einen Call-Optionsschein am Ende der Laufzeit an:

Eine Aktie notiert am Ende der Laufzeit bei 100 Euro.
Der Basispreis des Call-Optionsscheins liegt bei 90 Euro.

Der Optionsschein auf diese Aktie hat einen inneren Wert von 10 Euro, der an Sie ausgezahlt wird. Nehmen Sie der Einfachheit halber ein Bezugsverhältnis von 1:1 an. In der Realität finden Sie bei Aktien meist Bezugsverhältnisse von 10:1, für 10 Optionsscheine erhalten Sie also den Gegenwert von einer Aktie (der innere Wert pro Optionsschein läge also nur bei 1 Euro).

Gehen Sie von einer Restlaufzeit von drei Monaten aus und stellen Sie sich vor, die Aktie notiert heute bei 88 Euro. Da der Basispreis bei 90 Euro liegt, hat der Optionsschein keinen inneren Wert. Er kostet an der Stuttgarter Zertifikatebörse EUWAX trotzdem Geld, gehen Sie für dieses Beispiel von 0,20 Euro aus. Dies ist exakt der Zeitwert, den Sie für die drei Monate Restlaufzeit zahlen. Am Ende der Laufzeit liegt dieser Zeitwert bei null. Notiert die Aktie dann immer noch unter oder genau bei 90 Euro, haben Sie Ihren Einsatz verloren.

Zum Schluss noch ein Beispiel für den Einsatz eines Put-Optionsscheins. Gehen Sie von einem Put am Ende seiner Laufzeit aus:

Eine Aktie notiert am Ende der Laufzeit bei 80 Euro.
Der Basispreis des Put-Optionsscheins liegt bei 90 Euro.

Dieser Optionsschein hat einen inneren Wert von 10 Euro, den der Anleger ausgezahlt bekommt (ausgehend von einem Bezugsverhältnis 1:1). Nehmen Sie an, der Put-Optionsschein hat noch eine Restlaufzeit von drei Monaten und die Aktie notiert heute bei 95 Euro. Da der Basispreis bei 90 Euro liegt, hat der Optionsschein keinen inneren Wert, aber Sie zahlen an der Börse EUWAX einen Preis (eben den Zeitwert), wenn Sie diesen Schein kaufen. Der Preis liegt am Ende der Laufzeit bei null. Notiert die Aktie dann immer noch über oder genau bei 90 Euro, verlieren Sie Ihren Einsatz.

Weitere Beispiele und alles Wissenswerte zum Thema Hebelprodukte finden Sie hier.


1. Welche der folgenden Aussagen ist korrekt?

2. Die Einflussfaktoren zur Berechnung des Zeitwerts eines klassischen Optionsscheins sind:

3. Die beiden Haupteinflussfaktoren zur Berechnung des Zeitwerts eines klassischen Optionsscheines sind:

4. Welche Aussage trifft auf den inneren Wert eines Optionsscheins zu?

5. Der innere Wert eines klassischen Call-Optionsscheins berechnet sich wie folgt:

6. Der innere Wert eines klassischen Put-Optionsscheins berechnet sich wie folgt:

7. Welche Aussage gilt am Ende der Laufzeit eines klassischen Optionsscheins für den Zeitwert?

8. Welche Aussage gilt am Ende der Laufzeit eines klassischen Optionsscheins für den inneren Wert?

9. Der Preis eines Turbo-Call-Optionsscheins mit begrenzter Laufzeit berechnet sich nach folgender Formel:

10. Der Preis eines Turbo-Put-Optionsscheins mit begrenzter Laufzeit berechnet sich wie folgt:

11. Den Preis eines Long Mini Futures berechnen Sie folgendermaßen:

12. Der Preis eines Short Mini Futures errechnet sich mit folgender Formel:

13. Welche Aussage zur Preisberechnung eines Turbo-Call-Optionsscheins ohne Laufzeitbegrenzung und eines Long Mini Futures trifft zu?


Beantworten Sie alle Fragen, dann sehen Sie hier Ihr Ergebnis.

1. Der Preis eines klassischen Optionsscheins setzt sich zusammen aus:

2. Die Einflussfaktoren zur Berechnung des Zeitwerts eines klassischen Optionsscheins sind:

3. Die beiden Haupteinflussfaktoren zur Berechnung des Zeitwerts eines klassischen Optionsscheines sind:

4. Welche Aussage trifft auf den inneren Wert eines Optionsscheins zu?

5. Der innere Wert eines klassischen Call-Optionsscheins berechnet sich wie folgt:

6. Der innere Wert eines klassischen Put-Optionsscheins berechnet sich wie folgt:

7. Welche Aussage gilt am Ende der Laufzeit eines klassischen Optionsscheins für den Zeitwert?

8. Welche Aussage gilt am Ende der Laufzeit eines klassischen Optionsscheins für den inneren Wert?

9. Der Preis eines Turbo-Call-Optionsscheins mit begrenzter Laufzeit berechnet sich nach folgender Formel:

10. Der Preis eines Turbo-Put-Optionsscheins mit begrenzter Laufzeit berechnet sich wie folgt:

11. Den Preis eines Long Mini Futures berechnen Sie folgendermaßen:

12. Der Preis eines Short Mini Futures errechnet sich mit folgender Formel:

13. Welche Aussage zur Preisberechnung eines Turbo-Call-Optionsscheins ohne Laufzeitbegrenzung und eines Long Mini Futures trifft zu?


Beantworten Sie alle Fragen, dann sehen Sie hier Ihr Ergebnis.

1. Wie werden die Finanzierungskosten eines Open-end-Turbo-Optionsscheins in den Preis eingerechnet?

2. Wie werden die Finanzierungskosten eines Turbo-Optionsscheins in den Preis eingerechnet?

3. Die Kurs der Aktien AG notiert bei 5 Euro. Der Basispreis (= Knock-out-Barriere) eines Turbo-Call-Optionsscheins ohne Laufzeitbegrenzung liegt bei 4,50 Euro (Bezugsverhältnis 1). Wie viel kostet der Turbo-Call?

4. Die Kurs der Aktien AG notiert bei 5 Euro. Der Basispreis (= Knock-out-Barriere) eines Turbo-Put-Optionsscheins ohne Laufzeitbegrenzung liegt bei 4,50 Euro (Bezugsverhältnis 1). Wie viel kostet der Turbo-Put?

5. Ein Call-Optionsschein auf die Aktien AG kostet 10 Euro (Bezugsverhältnis 1), Basispreis des Optionsscheins: 7,50 Euro; Kurs der Aktien AG: 8,50 Euro. Wie hoch ist der im Preis (10 Euro) enthaltene Zeitwert (Bezugsverhältnis 1)?

6. Wie hoch ist im obigen Beispiel (Frage 5) der innere Wert des Call-Optionsscheines?

7. Ein Put-Optionsschein auf die Aktien AG kostet 5 Euro (Bezugsverhältnis 1), Basispreis des Optionsscheins: 5,50 Euro; Kurs der Aktien AG: 6,00 Euro. Wie hoch ist der im Preis von 5 Euro enthaltene Zeitwert?

8. Wie hoch ist im obigen Beispiel (Frage 7) der innere Wert des Put-Optionsscheins?


Beantworten Sie alle Fragen, dann sehen Sie hier Ihr Ergebnis.

Zusammenfassung Kapitel 3: Das ist wirklich wichtig!

Die Produktpalette bei Vontobel umfasst unterschiedliche Hebelprodukte: klassische Optionsscheine, Turbo-Optionsscheine mit Laufzeitbegrenzung, Turbo-Optionsscheine ohne Laufzeitbegrenzung (open end), X-Turbo Optionsscheine mit Laufzeitbegrenzung, X-Turbo Optionsscheine ohne Laufzeitbegrenzung (open end), Mini Futures, X-Mini Futures sowie Faktor-Zertifikate. Allen gemein ist die Hebelfunktion. Anleger können überdurchschnittlich sowohl von fallenden als auch von steigenden Kursen profitieren. Die Hebelprodukte unterscheiden sich u. a. bezüglich der Einflussfaktoren auf ihre Preisbildung wie Laufzeit, Volatilität, Zinsen und Dividenden. Der Emittent eines Hebelprodukts finanziert den Hebeleffekt, diese Finanzierungskosten stellt Ihnen der Emittent in Rechnung. Die Berechnung erfolgt je nach Hebelprodukt auf unterschiedliche Weise. Hebelprodukte wie Turbo-Optionsscheine und Mini Futures eignen sich aufgrund ihrer Konstruktion und der transparenten Preisbildung besonders gut für die meisten Strategien beim aktiven Handeln. Verlieren Sie bei Hebelprodukten nie Ihr Anlagerisiko aus den Augen: Es besteht das Risiko des Totalverlusts Ihres eingesetzten Kapitals.

In Tabelle 3.1 sehen Sie noch einmal zusammenfassend einen allgemeinen Überblick über die vier Produktkategorien.

Klassischer Optionsschein Turbo-Optionsschein Open-End-Turbo-Optionsschein Mini Future
Laufzeit Begrenzt Begrenzt Unbegrenzt Unbegrenzt
Basiswerte Indizes, Aktien, (Rohstoff) Futures, Edelmetalle, Wechselkurs Indizes, Aktien, (Rohstoff) Futures, Edelmetalle, Wechselkurs Indizes, Aktien, (Rohstoff) Futures, Edelmetalle, Wechselkurs Indizes, Aktien, (Rohstoff) Futures, Edelmetalle, Wechselkurs
Knock-out-Barriere Nein Basispreis = Knock-out-Barriere Basispreis = Knock-out-Barriere Basispreis ≠ Stop-Loss-Barriere
Restwert bei Knock-out bzw. wertlosem Verfall EUR 0.001 EUR 0.001 EUR 0.001 Wird von der Berechnungsstelle bestimmt, mindestens EUR 0.001
Volatilitätseinflüsse Ja Nein Nein Nein
Finanzierungskosten Aufgeld Aufgeld Tägliche Anpassung Basispreis / Knock-out-Barriere Tägliche Anpassung Basispreis / i.d.R. monatliche Anpassung Stop-Loss-Barriere

Tabelle 3.1: Vergleich der Hebelprodukte


Lösungen zu “Allgemeine Fragen”

1.c / 2.c / 3.a / 4.b / 5.a / 6.a / 7.a / 8.a / 9.c / 10.b / 11.c / 12.c / 13.a

Lösungen zu “Fragen für Fortgeschrittene”

1.a / 2.a / 3.b / 4.b / 5.a / 6.b / 7.a / 8.b / 9.a / 10.b / 11.a / 12.c / 13.a

Lösungen zu “Fragen für Profis”

1.a / 2.a / 3.b / 4.c / 5.b / 6.c / 7.a / 8.b

* Quelle: Springer Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Inhaberschuldverschreibung online im Internet: Link