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Zeit zum Handeln.
Strategien für den Einstieg in den kurzfristigen Börsenhandel

Liebe Leserin, lieber Leser,

Vontobel stellt Ihnen dieses E-Book kostenlos zur Verfügung, um Ihnen einen leicht verständlichen Überblick über die Möglichkeiten des kurzfristigen, aktiven Handels mit Zertifikaten und anderen Hebelprodukten zu geben. Sie sind herzlich eingeladen, sich darüber hinaus auf der Vontobel-Zertifikate-Website über das weitreichende Service- und Produktangebot zu informieren. Interessierten bietet Vontobel bei Fragen rund um ihre Produkte und das Internetangebot auch einen kostenlosen Rückrufservice an. Das E-Book wird aktualisiert, sobald es Änderungen gibt – ein großes Plus dieses neuen Mediums.

Kapitel 2: Ich als aktiver Anleger

Thema 1: Deshalb möchte ich aktiv handeln

Das kurzfristige, aktive Handeln mit Hebelprodukten bietet Ihnen die Möglichkeit, innerhalb kurzer Zeit eine hohe Rendite zu erwirtschaften – mit einem, im Vergleich zum mittel- und langfristigen Aktieninvestment, geringen Kapitaleinsatz. Schon vor Beginn Ihres Handelsgeschäftes legen Sie dabei Ihr maximales Verlustrisiko fest. Aktives Handeln ist daher kein wildes Spekulieren, wie oft fälschlich angenommen, sondern die kontrollierte Nutzung von Chancen. Sie geben das Risiko vor, das sie eingehen wollen, ganz genauso wie ein mittel- oder langfristiger Aktieninvestor.

Der wesentliche Unterschied zwischen einem aktiven Händler und einem Investor liegt in der Wertpapierart, mit der bevorzugt gehandelt wird, und dem unterschiedlichen Handelszeitraum. So halten Investoren ihre Positionen in der Regel Monate, Jahre oder gar Jahrzehnte, glaubt man Warren Buffett. Sie halten Aktien bis zur Rente oder kaufen gleich Fonds und lassen den Fondsmanager die Entscheidungen treffen. Aktive Händler hingegen nutzen vor allem Hebelprodukte, um schon von kleinen Kursbewegungen überdurchschnittlich profitieren zu können. Mit Hebelprodukten können Sie außerdem sowohl bei fallenden als auch bei steigenden Kursen Gewinne erzielen. Mit Anlageprodukten, wie Aktienanleihen, Discount- und Bonuszertifikaten, können Anleger sogar in seitwärts tendierenden und richtungslosen Märkten Rendite erwirtschaften. Hingegen gewinnen Anleger mit einem Aktieninvestment nur bei steigenden Kursen.

Kurzfristig orientierte Händler setzen bei den meisten Handelsstrategien aus gutem Grund auf Hebelprodukte, insbesondere auf Mini Futures und Optionsscheine. Für einige spezielle aktive Handelsstrategien eignen sich allerdings Optionsscheine besser als Mini Futures. Hier ein kurzer Überblick über die Stärken der beiden Produkte beim aktiven Handel:

Mini Futures

  • Renditevorteile in langen Seitwärtsphasen, weil sie im Gegensatz zu Optionsscheinen meist eine unbegrenzte Laufzeit und keinerlei Zeitwertverlust haben.
  • Sinnvolle Stop-Kurse lassen sich einfach setzen, weil die Kursbildung wesentlich transparenter ist als bei Optionsscheinen: Es besteht ein linearer Zusammenhang zur Entwicklung des Basiswertes.
  • Volatilitätseinfluss kann im Gegensatz zu Optionsscheinen nahezu ausgeblendet werden.

Optionsscheine

  • Optionsscheine verfallen bei stärkeren Marktkorrekturen nicht sofort wertlos, da sie keine Knock-out-Schwelle wie Hebelzertifikate haben.
  • Umsetzung von Handelsstrategien, die die implizite Volatilität von Optionsscheinen ausnutzen.

Ich bin als Portfolio-Manager in der Anlageberatung tätig, aber als aktiver Wertpapierhändler mit meinem eigenen Kapital eben auch Privatanleger. Daher möchte ich Ihnen aus dieser Warte meine persönliche Motivation erläutern und meine Erfahrungen kurz schildern.

1. „Ich will Geld verdienen!“

Wer aktiv handelt, der möchte natürlich auch Gewinne verbuchen. Geld verdienen Sie aber nur, wenn Sie Zeit für das Erlernen des aktiven Handelns aufwenden. Dazu gehört auch die Weiterbildung durch Roadshows und Seminare oder Webinare und natürlich die Lektüre dieses E-Books, das genau zu diesem Zweck für Sie zusammengestellt wurde.

2. „Ich möchte meine eigenen Entscheidungen treffen“

Auch die Befriedigung, selbstbestimmt ein Wertpapiergeschäft erfolgreich abgeschlossen zu haben, führt zu einer hohen psychologischen Motivation. Dahinter steckt mehr als nur der Wunsch, Geld zu verdienen. Denn meist erleben Sie und ich das Gefühl der „Belohnung“. Ein realisierter Gewinn macht sich sofort als positive „Gewinner-Emotion“ bemerkbar, anders als etwa in unserem Berufsalltag. Hier folgt auf harte Arbeit nicht unbedingt immer eine adäquate Anerkennung. Auf der anderen Seite werden Sie bei Verlustgeschäften natürlich auch negative Gefühle spüren. Doch ein Handelsgerüst, das Sie diszipliniert umsetzen, hilft über temporären Frust hinweg und bereitet Sie auf das nächste Gewinner-Gefühl vor.

3. „Die Faszination des aktiven Wertpapierhandels“

Die Faszination, die diese Tätigkeit auf mich ausübt, führt bei mir zu einem Gefühl der Begeisterung, das mich immer weiter handeln lässt. Anderen geht es übrigens genauso, denn sie haben den Handel mit Wertpapieren zu ihrem Beruf gemacht.

Letzteres mag zwar nicht unbedingt Ihr Ziel sein, aber auch bei Ihnen wird sich, wenn Sie bald die Grundlagen erlernt haben und erfolgreich handeln werden, diese Begeisterung einstellen. Dann wird Ihnen die aktive Beschäftigung mit den Märkten nicht wie eine mühsame Tätigkeit vorkommen (was sie aber durchaus auch sein kann), sondern wie eine spannende Reise in die Welt der Börsen und Handelsstrategien.

Thema 2: Darauf kommt es beim aktiven Handeln

Wenn Sie erfolgreich aktiv handeln wollen, benötigen Sie Disziplin, Durchhaltevermögen und Selbstvertrauen. Das folgende Video zeigt im Detail, wie das Zusammenspiel dieser drei Disziplinen genau funktioniert.

Worauf kommt es nicht an?

Sie müssen nicht den ganzen Tag am Computer sitzen, um erfolgreich Wertpapiergeschäfte zu tätigen. Ich zeige Ihnen Strategien, die Sie neben Ihrem Beruf bequem handeln können. Sie brauchen auch keinen Wald an Monitoren um sich herum aufzubauen. Jeder Broker bietet heute kostenfreie Apps an, mit denen Sie von Ihrem Smartphone oder Tablet-PC Ihr Depot überwachen und Orders absenden können.

Fachwissen ist wichtig, aber übertreiben Sie es nicht. Sie müssen nicht alles gelesen haben, was an Literatur auf den Markt kommt, und nicht jede veröffentlichte Strategie handeln. Aktives Handeln hat nichts mit „Rendite erzielen um jeden Preis“ zu tun. Es ist vielmehr das Nutzen von Chancen unter genau festgelegten Bedingungen. So spielt der Sicherheitsaspekt dabei eine große Rolle: Beim aktiven Handeln legen Sie das maximale Risiko, das Sie eingehen wollen, noch vor Durchführung Ihres Handelsgeschäftes fest. Sie bestimmen somit selbst die Höhe Ihres Risikos und Ihren maximalen Verlust.

Ich habe jetzt viel von Disziplin, Selbstvertrauen und Durchhaltevermögen erzählt: alles Faktoren, die tief in unserer Psyche verwurzelt sind. Im Verlauf Ihrer Karriere als kurzfristig orientierter Anleger werden Sie sehr häufig mit Ihren Emotionen konfrontiert. Genau dies aber stellt eine der größten Herausforderungen dar: Sie als aktiver Anleger müssen zuerst Ihre Psyche im Griff haben, denn das Marktgeschehen wird von der Psychologie der Marktteilnehmer bestimmt. Vom großen Einfluss der Stimmungen auf die Märkte war auch Börsenaltmeister André Kostolany überzeugt: „Kurz- und mittelfristig macht die Psychologie 90 Prozent an der Börse aus! Langfristig spielen dann die fundamentalen Gründe eine größere Rolle.1


1(Quelle: Kostolanyse Börsenpsychologie, Econ Verlag, 1991)

Mehr zum Thema Börsenpsychologie finden Sie in Kapitel 5, „Behavioral Finance“.

Thema 3: Mein persönlicher Zeithorizont fürs kurzfristige Handeln

Machen Sie sich jetzt Gedanken über den Zeitraum, innerhalb dessen Sie handeln möchten: Handeln Sie lieber ein- bis zweimal pro Woche oder einmal pro Tag oder gern einmal pro Stunde? Mit Ihrer Antwort treffen Sie eine der wichtigsten Entscheidung über Ihren Handelsansatz. Wenn Sie zum Beispiel innerhalb eines Tages zwei Wertpapiergeschäfte mit Verlust wegstecken und trotzdem ein weiteres Mal handeln können, dann wären Sie ein Intraday-Trader. Brauchen Sie nach einer solchen Anzahl von Handelsverlusten erst mal einen Tag Abstand, dann wären Sie ein End-of-Day-Trader.

Zusammenfassung Kapitel 2: Das ist wirklich wichtig!

Als Erstes müssen Sie für sich feststellen, ob Sie über die Voraussetzungen für den kurzfristigen, aktiven Börsenhandel verfügen. Um aktives Handeln erlernen und später erfolgreich umsetzen zu können, sind drei Dinge unerlässlich: Disziplin, Durchhaltevermögen, Selbstvertrauen. Die gute Nachricht: Selbstvertrauen müssen Sie nicht von Haus aus mitbringen, Sie können es sich selbst mithilfe einer festen Handelsstruktur schrittweise erarbeiten. Die von Tradern am häufigsten genannten Gründe, warum sie aktiv am Börsengeschehen teilnehmen wollen, sind:

  1. der Wunsch, Geld zu verdienen
  2. selbstbestimmt eigene Entscheidungen zu treffen
  3. die Faszination des Wertpapierhandels

Bevor Sie ins Börsengeschehen eingreifen, sollten Sie entscheiden, in welchem Zeitraum Sie bevorzugt aktiv handeln wollen. Als Daytrader beispielsweise eröffnen und schließen Sie ihre Positionen innerhalb eines Tages. Sie können natürlich auch stundenweise oder wochenweise traden. Wählen Sie einen Zeitraum mit dem Sie am besten zurechtkommen, der ihrer persönlichen Mentalität entspricht.

Viele aktive Händler setzen auf Hebelprodukte, denn sie bieten Vorteile sowohl bei den Kosten als auch bei der Umsetzung einer kurzfristig orientierten Handelsstrategie. Auch bei kurzfristig angelegten Handelsaktivitäten gilt: Sie müssen keineswegs den ganzen Tag vor dem Rechner sitzen, um erfolgreich zu traden. Es ist möglich, Handelsgeschäfte auch bequem nach Feierabend von zu Hause aus umzusetzen.

Im folgenden Kapitel 3 werde ich Ihnen Hebelprodukte einfach und verständlich erklären. Zudem werde ich näher auf die Funktionsweise von Knock-out-Produkten und von klassischen Optionsscheinen eingehen.