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Zeit zum Handeln.
Strategien für den Einstieg in den kurzfristigen Börsenhandel

Liebe Leserin, lieber Leser,

Vontobel stellt Ihnen dieses E-Book kostenlos zur Verfügung, um Ihnen einen leicht verständlichen Überblick über die Möglichkeiten des kurzfristigen, aktiven Handels mit Zertifikaten und anderen Hebelprodukten zu geben. Sie sind herzlich eingeladen, sich darüber hinaus auf der Vontobel-Zertifikate-Website über das weitreichende Service- und Produktangebot zu informieren. Interessierten bietet Vontobel bei Fragen rund um ihre Produkte und das Internetangebot auch einen kostenlosen Rückrufservice an. Das E-Book wird aktualisiert, sobald es Änderungen gibt – ein großes Plus dieses neuen Mediums.

Vorwort

Das Marktumfeld der letzten Jahre zeigt, wie schwer es geworden ist, mit herkömmlichen Anlagestrategien am Aktienmarkt nachhaltig Rendite zu erwirtschaften. Strategien wie „kaufen und abwarten“ funktionieren deshalb nicht mehr. Auch die Anleihemärkte bieten im Umfeld extrem niedriger Zinsen für konservative Anleger selten die Chance auf Zinserträge, die die Inflationsrate übersteigen. Im Klartext heißt das: Sie erzielen mit Ihrem Ersparten nicht einmal so viele Zinsen, um die jährliche Preissteigerung auszugleichen. Sie verlieren daher durch den Kaufkraftverlust zunehmend Geld, denn die Niedrigzinspolitik wird sich voraussichtlich nicht so schnell ändern. Es ist höchste Zeit, sich nach anderen Anlageoptionen umzusehen, um Renditen zu erzielen, die oberhalb der Inflationsrate liegen.

Das kurzfristige, aktive Handeln mit Hebelprodukten ist eine Möglichkeit, hohe Renditen zu generieren. Das aktive Handeln ist keine Hexerei, es ist vielmehr ein Handwerk, das Sie erlernen können. Dieses E-Book gibt Ihnen die Werkzeuge an die Hand, um Gewinne mit kurzfristigen Handelsgeschäften erwirtschaften zu können. Grundvoraussetzung für Ihren Erfolg werden Ihr Durchhaltevermögen und die strikte Einhaltung Ihrer eigenen Handelsregeln sein. Sie finden hier unter anderem

  • verständlich aufbereitetes Wissen zum Thema aktives Handeln,
  • konkrete Handelsstrategien,
  • hilfreiche Checklisten,
  • einen Handelsplan zu Ihrer Unterstützung und späteren Erfolgskontrolle,
  • interaktive Grafiken und erklärende Videos,
  • Fragen zur Überprüfung und Vertiefung Ihres Wissens sowie
  • zahlreiche praktische Handelsbeispiele.

Nutzen Sie mit dem kurzfristigen, aktiven Handel alle Chancen der Börse: Sie können sowohl von steigenden als auch von fallenden Kursen profitieren. Zudem bieten Ihnen Hebelprodukte Zugang zu allen Anlageklassen und eine einzigartige Vielfalt an Basiswerten. Sie ermöglichen dabei ein (im Vergleich zum Direktinvestment in eine Aktie) hohes Gewinnpotenzial bei kleinem Kapitaleinsatz. Dennoch muss Folgendes beachtet werden: Ein vollständiger Verlust Ihres eingesetzten Geldes ist möglich! Deshalb lernen Sie hier, wie Sie auf eine optimale Streuung Ihres Risikos achten. Dieser Faktor entscheidet über Ihren langfristigen Erfolg oder Misserfolg an der Börse!

Betrachten Sie dieses E-Book bitte als Ihren persönlichen Coach für aktives Handeln. Ich möchte Sie dabei unterstützen, bewusste und professionelle Entscheidungen zu treffen. Ihr Ziel sollte das strategische Wachstum Ihres Depots sein, nicht eine Rendite durch Zufallstreffer.

Folgen Sie mir daher auf eine spannende Reise in die Welt des kurzfristigen Handelns!

Ihr Dr. Gregor Bauer

Kapitel 1: Einstieg in den aktiven Handel mit Hebelprodukten

Thema 1: Chance und Risiko – so finde ich den bestmöglichen Anlagemix für mich

Bevor Sie tiefer in die Materie des kurzfristigen Börsenhandels einsteigen, will ich Ihnen die Grundidee des Aufbaus eines optimalen Portfolios veranschaulichen:

Hohe Rendite bei geringem Risiko und hoher Liquidität.

Der Zielkonflikt dabei ist offensichtlich, denn die drei Begriffe stehen in einem gewissen Widerspruch zueinander. In Abbildung 1.1 ist das „magische Dreieck der Kapitalanlage“ zu sehen: Rendite, Risiko, Liquidität.

Abbildung 1.1

Abbildung 1.1: Das magische Dreieck der Kapitalanlage

Was bedeuten diese Begriffe konkret?

Rendite

Unter Rendite versteht man den Ertrag eines Investments (z. B. Zinsen bei einer Geldanlage, Kursgewinne und Dividenden bei einem Aktieninvestment).

Risiko

Gemeint ist insbesondere das Risiko, bei einer Anlage das eingesetzte Kapital nicht vollständig zurückzuerhalten. Je nach Anlageart gibt es unterschiedliche Anlagerisiken wie z. B. Kurs- und Währungsschwankungen, Zinsänderungs-, Liquiditäts-, Bonitäts- und Emittentenrisiken.

Liquidität

Liquidität ist unter anderem die Möglichkeit, eine Kapitalanlage jederzeit und zu einem fairen Preis kaufen und verkaufen zu können. Liquidität kann aber auch die Menge Ihres Bargeldes bezeichnen, die Ihnen zum sofortigen Investieren frei zur Verfügung steht. Hier steht der Begriff für Ihre finanzielle Handlungsfreiheit, weitere Handelsgeschäfte eingehen zu können.

Exkurs: Emittentenrisiko

Als Emittentenrisiko bezeichnet man das Risiko, dass ein Emittent (Herausgeber von Wertpapieren, wie beispielsweise Banken) nicht mehr in der Lage ist, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Tritt dieser Fall ein, bedeutet das für Anleger den teilweisen oder vollständigen Verlust ihres für den Kauf von Wertpapieren eingesetzten Kapitals.

Ausgenommen hiervon sind Beteiligungen in Form von Fondsanteilen. Sie gelten als Sondervermögen (zählt nicht zur Konkursmasse) und unterliegen daher keinem Emittentenrisiko.

Harry Markowitz: Die moderne Portfolio-Theorie

Was sich heute kaum ein Anleger mehr vorstellen kann: Bis in die 1950er-Jahre beachteten Investoren ausschließlich den Ertrag eines Investments. Je höher, desto besser. Die Risikobetrachtung blieb außen vor.

Ab dem Jahr 1952 entwickelte Harry Markowitz an der Universität Chicago die Grundlagen der modernen Portfolio-Theorie, für die er 1990 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt (zusammen mit Merton H. Miller und William F. Sharpe). Und das sind die Eckpunkte seiner Theorie, die auch heutzutage nichts von ihrer Relevanz verloren haben:

  • Schauen Sie nicht nur auf die Rendite, sondern auch auf das Risiko einer Investition.
  • Streuen Sie Ihr Kapital über unterschiedliche Anlageklassen, die sich möglichst nicht in die gleiche Richtung entwickeln. Anders ausgedrückt: Die verschiedenen Anlageklassen sollen eine geringe „Korrelation“ zeigen. So können beispielsweise negative Kursentwicklungen einer Anlageklasse durch die Gewinne einer anderen Anlageklasse ganz oder teilweise aufgefangen werden.

Entscheidend für die Zusammenstellung des für Sie optimalen Depots sind zwei Faktoren: Ihre Renditeerwartung und Ihre Risikoneigung. Die Kombination dieser beiden Faktoren ergibt das für Sie effizienteste Depot (z. B. Punkt E2 auf der Effizienzkurve in Abbildung 1.2 für einen weniger risikofreudigen Anleger oder Punkt E1 für einen Anleger mit mittlerer Risikoneigung). Die berühmte „Effizienzkurve“ ist ein Ergebnis der modernen Portfolio-Theorie von Markowitz. Auf dieser Kurve befinden sich alle Kombinationen, die den höchstmöglichen Ertrag zu jeder Risikoneigung liefern. Eine ideale Ausgangsbasis für erfolgreiches Handeln.

Abbildung 1.2

Abbildung 1.2: Die „Effizienzkurve“ als Schlussfolgerung der Theorie von Markowitz

Thema 2: So verteile ich mein Anlagevermögen effizient

Warren Buffet sagte einst: „Risiko entsteht dann, wenn Anleger nicht wissen, was sie tun.“

Genau hier setzt dieses E-Book an: Ich möchte Ihnen Wissen vermitteln, das Sie als Anleger erfolgreich macht. In einem ersten Schritt zum erfolgreichen Handel an den Märkten ist es notwendig, Ihr Anlagekapital mithilfe der aktiven Portfolio-Management-Strategie effizient aufzuteilen. Dazu gehören:

  1. Die Festlegung der eigenen langfristigen Anlagestrategie anhand einer strategischen Vermögensaufteilung
  2. Konkrete Handlungsentscheidungen mittels taktischer Vermögensaufteilung
  3. Die Absicherung zur Reduzierung des Anlagerisikos

Diese drei Schritte möchte ich Ihnen im Folgenden detailliert vorstellen.

1. Strategische Vermögensaufteilung (Strategische Asset-Allokation = SAA)

Zunächst legen Sie Ihre langfristige Anlagestrategie fest.

a) Denken Sie zuerst über Ihre persönliche Risikobereitschaft nach:

  • Wie sind Ihre persönlichen Lebensumstände (Arbeitsverhältnis, finanzielle Verpflichtungen wie Kreditzahlungen, weitere Verbindlichkeiten oder monatliche Belastungen etc.)?
  • Steht ausreichend „freies“ Kapital für den Handel zur Verfügung?

Danach richtet sich, welchen Aktienanteil Sie halten sollten. Maximal 30 Prozent, wenn Sie einen höheren Betrag Ihres Kapitals in den nächsten 3 bis 5 Jahren für andere Zwecke benötigen.

b) Verteilen Sie Ihr Kapital entsprechend Ihrer Risikobereitschaft auf verschiedene Anlageklassen (Aktien, Anleihen, Tagesgeld, Rohstoffe etc.):

Für eine professionelle Aufteilung Ihres Kapitals können Sie sich an der sogenannten Core-Satellite-Strategie orientieren (siehe Abbildung 1.3):

Bestimmung des Basisinvestments (Kern)

Zum Kern (engl. Core) einer Anlage gehören Anleihen mit hoher Bonität, aber auch Substanzwerte wie beispielsweise europäische Bluechips. Die prozentuale Aufteilung zwischen Anleihen, Tagesgeld und Aktien richtet sich ausschließlich nach Ihrem individuellen Risikoprofil.

Festlegung weiterer Investments als Beimischung (Satelliten)

Diese Anlagen verteilen sich um das Kerninvestment herum und werden daher als Satelliten bezeichnet. Hier investieren Sie in risikoreichere Anlageformen, etwa europäische Nebenwerte, asiatische oder südamerikanische Aktien, Rohstoffe (Industriemetalle, Agrarrohstoffe, Energie etc.), Edelmetalle oder Hochzinsanleihen von Emerging-Market-Staaten.

Einen ganz besonderen Satelliten stellt das „Handelsportfolio mit kurzfristigen Strategien“ dar, womit wieder der Bogen zu unserem Thema „kurzfristiges Handeln“ geschlagen wäre.

Sie bestimmen zunächst im Rahmen der strategischen Vermögensverteilung den Anteil an Ihrem Investitionskapital, der für Ihre aktive Handelsstrategie eingesetzt werden soll.

Abbildung 1.3 1 2

Abbildung 1.3:Die „Effizienzkurve“ als Schlussfolgerung der Theorie von Markowitz

2. Taktische Vermögensaufteilung (Taktische Asset-Allokation = TAA)

Im Rahmen der taktischen Vermögensaufteilung müssen Sie zwei Handelsentscheidungen treffen.

a) Welche Aktien, Anleihen, Rohstoffe etc. kaufe ich konkret?
b) Wie viel Kapital investiere ich in der jeweiligen Anlageklasse?

Als Grundlage für Ihre Entscheidung verwenden Sie Analyseverfahren, wie etwa die Fundamentalanalyse und die Technische Analyse. Dabei erlaubt Ihnen die Fundamentalanalyse eine auf Finanzkennzahlen beruhende Bewertung einer Aktie. Die Technische Analyse hingegen ermöglicht die Entwicklung von Einstiegs- und Ausstiegsszenarien sowie das Erkennen von Überhitzungen. Beide Ansätze werden Ihnen später im Kapitel 4 noch genauer vorgestellt.

3. Absicherungsverfahren

Der Begriff Absicherung kündigt bereits das Ziel an: Reduzierung von Risiko. Kein professioneller Portfolio-Manager wird auf eine Absicherung verzichten. Für Ihre Anlagen gilt daher der Grundsatz:
Suche Absicherung nach unten, aber nutze die Chancen nach oben.

Zu diesem Zweck eignen sich Hebelprodukte wie Optionsscheine, Turbo-Optionsscheine oder Mini Futures ideal.

Worauf kommt es nicht an?

Sie müssen kein Geld im Gegenwert eines Mittelklassewagens aufbringen, um überhaupt aktiv handeln zu können. Machen Sie sich deshalb keine Gedanken, wenn Sie mit einem kleinen Betrag beginnen. Entscheidend sind eine gute Planung Ihres Handelsgeschäftes, die strikte Einhaltung Ihres Planes und eine konsequente Absicherung.

Zusammenfassung Kapitel 1: Das ist wirklich wichtig!

Wollen Sie attraktive Renditen erwirtschaften, dann müssen Sie selbst aktiv handeln. Der aktive Handel mit Hebelprodukten ist eine realistische Möglichkeit, hohe Renditen zu erzielen. Es ist ein Handwerk, das Sie erlernen und erfolgreich ausüben können.

Nobelpreisträger Harry Markowitz fand heraus, dass durch Diversifizierung eines Portfolios das Gesamtrisiko in einem Depot deutlich gesenkt wird. Machen Sie sich diese wichtige Erkenntnis zunutze und strukturieren Sie Ihr Depot entsprechend um. Ein interessanter Ansatz ist die Core-Satellite-Strategie. Zunächst bilden Sie den „Kern“ Ihrer Anlage, beispielsweise aus europäischen Qualitätsaktien und Anleihen mit hoher Bonität. Drumherum konstruieren Sie kleinere Positionen (sogenannte Satelliten), mit denen Sie mehr Risiko eingehen. Zu diesen Satelliten gehört auch Ihr Handelsdepot, mit dem Sie aktiv handeln. Ihre Handelsstrategien setzen Sie mit Hebelprodukten um, sie eignen sich zum aktiven Handeln u. a. deshalb besonders gut, weil mit kleinem Kapitaleinsatz kostengünstig ein hohes Gewinnpotenzial erzielt werden kann.