Versicherer – alles andere als langweilig

Versicherer – alles andere als langweilig

Donnerstag, 28. März 2019Lesezeit: 3 Minuten

Versicherer galten lange Zeit als die langweiligen Stiefgeschwister der Banken. Ein überholtes Image – mittlerweile laufen sie den Geldinstituten in vielen Bereichen den Rang ab und einige von ihnen glänzen auch in Krisenzeiten mit wachsenden Erträgen und stabilen Aktienkursen. Ein Überblick über die Schweizer Versicherungsbranche.

Die Bankenkrise im Jahr 2008 hat die bis dahin bestehende Struktur des Zürcher Finanzplatzes stark verändert. Während die Geldinstitute in den vergangenen zehn Jahren rund 2.300 Stellen abbauen mussten, konnten die Versicherungen 4.300 neue Arbeitsplätze schaffen. Auch in Sachen Wertschöpfung haben die Versicherer die Banken überholt: Erwirtschafteten diese 2008 noch 57% der Wertschöpfung des Finanzsektors, trugen die Banken 2016 nur noch 44% dazu bei, während die Versicherer auf 47% kamen.

Doch nicht nur in Sachen Wertschöpfung, auch beim Aktienkurs konnten die Versicherer zuletzt überzeugen. Denn egal was die Börsen beunruhigt – ob Handelskrieg, Brexit oder schwächelnde Konjunktur-, die Banktitel gehören meist zu den größten Verlierern des SMI®, der wichtigste Aktienindex in der Schweiz. Besonders deutlich wird das durch einen Blick auf das krisenreiche Jahr 2018. Während der SMI® das vergangene Jahr mit einer negativen Performance von 8% beendete, verloren die Kurse der großen Schweizer Finanzinstitute verglichen zum Vorjahr zwischen 30% und knapp 40% ihres Wertes. Ganz anders dagegen die Versicherer. Zwar konnte sich die Swiss Re dem Marktgeschehen nicht gänzlich entziehen, dafür konnten sich sowohl die Zürich Versicherung, als auch Swiss Life mehr als behaupten und das Jahr mit einem satten Plus beschließen. Ob Versicherungen auch im laufenden Kalenderjahr eine ähnliche Krisenresistenz demonstrieren können, wird sich zeigen.

Zumindest das Rating-Unternehmen Fitch ist positiv gestimmt und findet lobende Worte: Der Sektor sei insgesamt stark kapitalisiert. Den Schweizer Lebensversicherern sei es gelungen den Prämienabrieb in dem mit Zinsgarantien belasteten Kollektivlebensgeschäft dank Wachstum im Bereich der teilautonomen Sammellösungen zu kompensieren. Die kürzlich veröffentlichten Zahlen der Versicherer belegen diese Einschätzung.

Swiss Life

So markiere Swiss Life, führender europäischer Anbieter von Risiko-, Lebensversicherungs- und Vorsorgelösungen, mit einer starken Dividendenerhöhung viel Zuversicht. Dank des Ausstiegs der AXA aus dem Geschäft mit Vollversicherungen konnte das Unternehmen seinen Marktanteil von bisher einem Drittel auf rund 50% steigern. Der abtretende Finanzchef Thomas Buess, der im April in den Verwaltungsrat wechselt, rechne mit Einmalprämien in Höhe von CHF 3 Mrd. aufgrund des «AXA-Effekts» und daraus wiederkehrenden periodischen Prämien von CHF 350 Mio. pro Jahr. Um diese Zahlen in Relation zu setzen und ihre Bedeutung zu unterstreichen: Die in der Schweiz in 2018 verbuchten Prämienerträge betrugen CHF 9,5 Mrd. Das Prämienvolumen der gesamten Gruppe beläuft sich auf CHF 19.2 Mrd. Der verstärkte Fokus auf das Kommissionsgeschäft, um weniger stark von den Entwicklungen der Finanzmärkte abhängig zu sein, zahle sich aus. Dank Rückenwind durch den AXA-Ausstieg, stetig wachsender Kommissionserträge und einer abgesicherten Zinsmarge zieht Konzernchef Patrick Frost das Fazit: «Wir stehen kerngesund da».

Zurich Insurance

Mit 5.100 Mitarbeitern und 1,4 Mio. Kunden ist die Zurich Insurance Group nicht nur der größte Versicherer in der Schweiz. Dank generöser Dividendenzahlungen und einer der höchsten Dividendenrenditen des SMIs erfreut sich auch die Aktie des Versicherers großer Beliebtheit. Im laufenden Jahr werden den Aktionären CHF 19,00 je Aktie vorgeschlagen. Das ist ein Franken mehr als noch im Vorjahr und entspricht gut drei Vierteln des Gewinns. Drüber hinaus stellte Finanzchef Georg Quinn bei der Präsentation der Jahreszahlen in Aussicht, dass CHF 19,00 die neue Untergrenze für künftige Dividenden sein sollen. Die für das abgelaufene Geschäftsjahr vorgelegten Zahlen und der höher als erwartete Gewinnausweis belegen, dass die Zurich Insurance Group die angekündigten Restrukturierungsmaßnahmen erfolgreich umsetzt. Mit der dadurch verbesserten Kostenbasis dürfte das Unternehmen auf die Erreichung seiner Finanzziele für 2019 zusteuern.

Swiss Re

Der Schweizer Rückversicherer Swiss Re schüttet trotz hoher Schadenzahlungen für Naturkatastrophen und von Menschen verursachten Desaster mehr Geld an seine Aktionäre aus. Der Konzern plant, die Dividende für 2018 auf CHF 5,60 anzuheben, im Vorjahr waren es CHF 5,00. Swiss Re will auch erneut eigene Aktien zurückkaufen und so bis zu CHF 2 Mrd. an seine Aktionäre auszahlen. Auf den zweitgrößten Rückversicherer der Welt hinter Munich Re könnten jedoch nach dem Absturz eines Boeing-Flugzeugs der Ethiopian Airlines Schadenersatzforderungen zukommen. Der Konzern gehöre zu Versicherungskonsortien, die sowohl den Flugzeughersteller als auch die Airline versichert hätten, doch er sei nicht der führende Versicherer, erklärte eine Sprecherin von Swiss Re.

Die Versicherer Aktien im Überblick

Die Swiss Life Aktie wird aktuell bei CHF 434,80 (28.03.2019) gehandelt. Das Jahreshoch lag bei CHF 44,50 (18.03.2019), das Jahrestief bei CHF 332,24 (04.04.2018). Bei Bloomberg setzen 4 Analysten die Aktie auf BUY, 9 Analysten auf HOLD und kein Analyst auf SELL.

Die Zurich Insurance Aktie wird aktuell bei CHF 329,70 (28.03.2019) gehandelt. Das Jahreshoch lag bei CHF 339,00 (18.03.2019), das Jahrestief bei CHF 284,10 (27.12.2018). Bei Bloomberg setzen 10 Analysten die Aktie auf BUY, 17 Analysten auf HOLD und kein Analyst auf SELL.

Die Swiss Re Aktie wird aktuell bei CHF 97,26 (28.03.2019) gehandelt. Das Jahreshoch lag bei CHF 100,10 (05.03.2019), das Jahrestief bei CHF 84,66 (28.06.2018). Bei Bloomberg setzen 11 Analysten die Aktie auf BUY, 10 Analysten auf HOLD und 5 Analysten auf SELL.

Da der weitere Kursverlauf der Aktie von einer Vielzahl konzernpolitischen, branchenspezifischen und ökonomischen Faktoren abhängig ist, sollten Anleger das Risiko bei ihren Investmententscheidungen berücksichtigen. Entwicklungen können jederzeit anders verlaufen, als Anleger es erwarten, wodurch Verluste entstehen können.

 

01.04.2020 09:47:21

 
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