US-Dollar und US-Staatsanleihen setzen Gold unter Druck

US-Dollar und US-Staatsanleihen setzen Gold unter Druck

Mittwoch, 25. April 2018Lesezeit: 4 Minuten

Gold hatte zu Wochenbeginn einen schweren Stand. Der anziehende US-Dollar und die weiter steigende Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen setzten das Edelmetall unter Druck.

Rohöl: OPEC hat ihr Langfristziel erreicht

US-Präsident Donald Trump hatte mit Verweis auf Produktionsdrosselungen der OPEC und Russland vergangene Woche die Höhe der Ölpreise auf dem Weltmarkt kritisiert. Die OPEC sei scheinbar wieder am Werk, twitterte Trump letzten Freitag. „Angesichts der Öl-Rekordbestände überall, einschließlich der voll beladenen Schiffe auf dem Meer, sind die Ölpreise künstlich sehr hoch!“ Dies sei nicht gut und werde nicht akzeptiert.

Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich vergangene Woche auf ein Dreieinhalb-Jahres-Hoch von 74,75 US-Dollar je Fass. Die präsidiale Verbalintervention stoppte zwar den Aufwärtstrend bei den Ölpreisen, aber letztlich doch nur vorübergehend. Zu Beginn der neuen Handelswoche hielten sich die Notierungen auf den erreichten hohen Levels.

Auslöser der starken Preisanstiege am Ölmarkt waren neben den zahlreichen geopolitischen Risiken auch die Wirkung der Produktionskürzungen wichtiger Förderländer. Das ursprüngliche Ziel der OPEC war, die Lagerbestände in den OECD-Ländern auf den Fünf-Jahresdurchschnitt zu drücken. Dieses Ziel ist inzwischen erreicht. Das Ölkartell zeigt dennoch keinerlei Motivation, die Anfang 2017 vereinbarte Fördergrenze aufzugeben.

Die US-Fördermenge steigt derweil weiter an. Am Freitag hatte Baker Hughes die Zahl der aktiven Erdöl-Rigs in den USA veröffentlicht, welche zur Vorwoche um fünf auf 820 gestiegen ist. Die Anzahl der Anlagen liegt mittlerweile wieder auf einem Niveau wie zuletzt im März 2015 und signalisiert damit eine anziehende Ölproduktion. Als Deckel für den rasant expandieren Output fungiert allerdings das überlastete Pipeline-System der USA.

Gold: Fester Dollar und Anleiherenditen belasten

Gold hatte zu Wochenbeginn einen schweren Stand. Der anziehende US-Dollar und die weiter steigende Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen setzten das Edelmetall unter Druck. Der Preis für die Unze ermäßigte sich am Montag bis auf 1.323 US-Dollar. Die Mitte der vergangenen Woche begonnene Korrekturbewegung setzte sich damit weiter fort.

Zu Wochenbeginn erreichte die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen mit 2,996 Prozent den höchsten Stand seit Anfang 2014 und war damit nur noch hauchdünn von der bedeutenden Marke von drei Prozent entfernt. Ausgelöst wurden die Zinserhöhungsfantasien durch den jüngsten Anstieg der Ölpreise. Bei steigenden Zinsen erhöhen sich die Opportunitätskosten der Goldhaltung, das Edelmetall wird also in Relation zu anderen Anlageklassen unattraktiver.

Zum fallenden Goldpreis trugen laut den Analysten der Commerzbank zudem die weiteren Entspannungszeichen im Nordkorea-Konflikt bei, nachdem der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-Un am Wochenende ankündigen ließ, vorerst keine Atomwaffentests mehr durchzuführen. Gold gilt weltweit als Krisenwährung. Entsprechend steigt der Goldpreis in Krisenzeiten in der Regel stark an. Üblicherweise sinkt er wieder, wenn eine Krise abflaut.

Die spekulativen Finanzinvestoren haben sich Gold gegenüber zuletzt optimistischer gezeigt: Laut dem aktuellen Commitment of Traders-Report haben diese in der Woche zum 17. April ihre Netto-Long-Positionen leicht auf 133.000 Kontrakte ausgeweitet. „Der Preisrückgang seitdem lässt allerdings vermuten, dass bereits wieder einige Long-Positionen geschlossen wurden“, hieß es dazu von der Commerzbank.

Aluminium: Die Verhältnisse kehren sich um

Gut zwei Wochen ist es her, dass die USA Sanktionen gegen Russland verkündet haben. Die Metalle und hier allen voran Aluminium erlebten seitdem noch nie dagewesene Preissprünge. Das graue Industriemetall hatte sich zeitweise um 36 Prozent bzw. gut 700 US-Dollar verteuert. Mit über 2.700 US-Dollar je Tonne handelte es temporär auf einem Sieben-Jahreshoch. Die USA hatten zahlreiche Unternehmen russischer Oligarchen mit Sanktionen belegt, darunter auch das Aluminiumunternehmen Rusal des Milliardärs Oleg Deripaska.

Nun aber kehren sich die Verhältnisse um: Die Aussicht auf eine Lockerung der Sanktionen gegen den Alu-Riesen Rusal sorgte zu Wochenbeginn nun für einen ebenso jähen Absturz. Am Montagnachmittag fiel die Aluminium-Notierung an der LME innerhalb kurzer Zeit um mehr als acht Prozent. Das war der größte Einbruch an einem Handelstag seit 13 Jahren.

Aus dem US-Finanzministerium hieß es am Montag, Rusal habe an die US-Regierung appelliert, von der Sanktionsliste gestrichen zu werden. Rusal sei wegen seiner Verbindung zu Deripaska mit Sanktionen belegt worden; die „hart arbeitenden Menschen“, die ihrerseits von Rusal abhängig seien, habe man nicht treffen wollen, hieß es in einer Mitteilung von US-Finanzminister Mnuchin. Die US-Administration teilte mit, sollte Rusal-Eigentümer Deripaska die Kontrolle über das Unternehmen aufgeben, sei eine Lockerung der Sanktionen grundsätzlich denkbar. Das US-Finanzministerium verlängerte auch den Zeitraum, innerhalb dessen Unternehmen noch Geschäfte mit Rusal machen dürfen, um etwa fünf Monate bis Ende Oktober.

Laut dem International Aluminium Institute ist die weltweite Aluminiumproduktion im vergangenen Monat März im Jahresvergleich um über zwei Prozent auf knapp 5,5 Mio. Tonnen gestiegen. Im ersten Quartal wurden demnach global 16 Mio. Tonnen Aluminium hergestellt. Nach Einschätzung der Commerzbank war der Aluminiummarkt damit in den ersten drei Monaten des Jahres gut versorgt.

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23.10.2019 05:16:06

 
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