Schwacher Dollar gibt Ölpreisen Auftrieb

Schwacher Dollar gibt Ölpreisen Auftrieb

Dienstag, 10. April 2018Lesezeit: 4 Minuten

Die Ölpreise haben sich zu Wochenbeginn von den Verlusten vom Freitag vergangener Woche spürbar erholt und die vorherigen Rückschläge mehr als wettgemacht. Die Gegenbewegung wurde durch einen abwertenden US-Dollar verstärkt.

Rohöl: Schwacher Dollar gibt Preisen Auftrieb

Die Ölpreise haben sich zu Wochenbeginn von den Verlusten vom Freitag vergangener Woche spürbar erholt und die vorherigen Rückschläge mehr als wettgemacht. Der Preisanstieg wurde durch einen abwertenden US-Dollar verstärkt. Brent-Öl legte am Montag um gut zwei Prozent auf über 68 US-Dollar je Barrel zu. US-Leichtöl der Sorte WTI eroberte die 63 Dollar-Marke zurück.

Den Ölmarkt hatte zuvor noch die Befürchtung belastet, dass der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China die Weltwirtschaft bremsen und zu einem Rückgang der Ölnachfrage führen könnte. Am Montag hingegen sorgten polarisierende Äußerungen von US-Präsident Trump zum Handelskonflikt für Druck auf den Außenwert der US-Währung, was sich wiederum günstig auf die Ölnachfrage außerhalb des Dollarraums auswirkt. Trump hatte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter die Einfuhrzölle Chinas auf US-amerikanische Autos scharf kritisiert.

Von den jüngsten Kooperationsplänen zwischen der OPEC und Russland zeigte sich der Brent-Preis hingegen unbeeindruckt. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hatte vorige Woche von einer Laufzeit einer neuen Zusammenarbeit zwischen dem Ölkartell und Russland von zehn bis 20 Jahre gesprochen. Der russische Energieminister Alexander Nowak ging nun einen Schritt weiter und sagte gegenüber Journalisten, dass auch eine „unbefristete Vereinbarung“ möglich sei. „Im Wesentlichen könnte dies eine internationale Organisation sein, die sich einmal im Halbjahr versammelt und die Situation auf dem Ölmarkt diskutiert“, so Nowak. Den Beitritt anderer großer Ölproduzenten zu dem Bündnis ließ er offen.

Auffallend bleibt die wieder beträchtliche Preisdifferenz zwischen den Referenzsorten Brent und WTI von aktuell rund fünf Dollar je Barrel. Während sich die Versorgungssituation in den USA weiter entspannt, sieht der Markt bei Brent wohl Probleme, heißt es zur Erklärung in einer Analyse der Commerzbank. Am vergangenen Freitag wurde bekannt, dass die Anzahl aktiver US-Ölbohrungen in der Vorwoche erneut gestiegen ist, um elf auf mittlerweile 808. Damit erreichte die Zahl der aktiven Bohrlöcher den höchsten Stand seit etwa drei Jahren.

Gold schlägt sich in diesem Jahr bislang wacker

Die Börsen in aller Welt haben zuletzt Rückschläge einstecken müssen. Viele Aktienindizes stehen für 2018 im Minus. Zu den wenigen Anlagen, die bislang noch ein Plus aufweisen, gehört das Gold. Zumindest in Dollar notiert, steht die Notierung mit über 1.330 US-Dollar je Feinunze klar über dem Stand vom Jahreswechsel. Es ist vor allem der Handelskonflikt zwischen den USA und China, der die Aktienmärkte in Mitleidenschaft zieht.

Ist Gold nun eine solide Absicherung gegen die Folgen der Handelskrise? Immerhin gleicht die Situation derzeit einer echten Krisenlage: Niemand kann absehen, wie weit der Handelskonflikt noch eskalieren wird. US-Präsident Trump zeigt sich resolut und im Unterschied zu seinem näheren Umfeld auch wenig kompromissbereit. Auch China reagiert wenig zimperlich und kontert jede Volte der US-Administration mit nicht minderer Schärfe.

Gold wird an Tagen, an denen eine Risikoaversion die Märkte dominiert, teurer und an Tagen mit der Stimmung „Risk-on“ wieder günstiger. „Gold konnte sehr wohl von der Verunsicherung an den Finanzmärkten profitieren“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank. Unter Druck geraten sei das Edelmetall immer dann, als die USA und China beide zwischenzeitlich Verhandlungsbereitschaft signalisierten.

Die ständige Verschärfung im internationalen Handelskonflikt hat noch eine weitere Auswirkung, die den Goldpreis mittelbar beeinflusst: Der Dollar steht am Devisenmarkt mit jeder neuen Eskalationsstufe wieder unter Beschuss und wirkt aktuell windelweich. Das ist Rückenwind für das Gold. Jan Edelmann, Rohstoffanalyst der HSH Nordbank, zufolge ist der Goldpreis zumindest in letzter Zeit sehr stark vom Wechselkurs des Dollars bestimmt: „Gold ist derzeit vor allem ein Hedge zum Dollar“, so Edelmann. Der Verfall des Wechselkurses des Dollars vor allem zum Euro gibt dem Goldpreis Zunder, weil die Goldanlage damit außerhalb des Dollarraumes attraktiver wird.

Die Aussichten für das Edelmetall bleiben laut Experten deshalb rosig. Handelskrise, wachsende Spannungen in der Nahostpolitik, auftürmende Verschuldung, volatile Kapitalströme und schließlich labile Aktienmärkte dürften Gold als Versicherungsmedium 2018/2019 weiter aufleben lassen, schreibt Helaba-Analyst Heinrich Peters im aktuellen „Rohstoffreport“. Die Investmentbank Goldman Sachs erwartet auf Sicht eines Jahres sogar einen Goldpreis von 1.450 US-Dollar je Feinunze.

Aluminium: Politik sorgt für Preisbewegungen

Alle Basismetalle sahen zuletzt leichte Abwärtsbewegungen. Doch Aluminium hat es besonders heftig erwischt, gerade im vergangenen Monat. Die Preisschwäche hatte laut Experten mit dem von den USA initiierten Handelsstreit zu tun. „Kurzfristig hat sich die Diskussion um US-Importzölle auf Aluminium negativ auf die Nachfrage ausgewirkt“ schreibt Martin Siegel, Edelmetallexperte und Geschäftsführer der Stabilitas GmbH, im aktuellen „Edelmetall- und Rohstoff-Report“. Angesichts des steigenden Ölpreises sei allerdings langfristig bei Aluminium eher eine Aufwärtsbewegung zu erwarten. „Als energieabhängiges Metall korreliert es mit den Energiepreisen, weshalb sich Aluminium und Öl auf lange Sicht wieder in dieselbe Richtung entwickeln dürften", ist Siegel überzeugt.

Zu Beginn des neuen Monats April wirkten sich erneut politische Sonderfaktoren auf den Aluminiumpreis aus - dieses Mal waren aber Preiszuwächse die Folge. Grund sind die Ende vergangener Woche verhängten Sanktionen der USA gegen russische Oligarchen und deren Firmen. Das US-Finanzministerium hat zwölf russische Unternehmen wie zum Beispiel Rusal, den größten Aluminiumproduzenten außerhalb Chinas, mit Strafmaßnahmen belegt. „Die Teilnehmer an den Metallmärkten sind darüber besorgt, dass es durch die Sanktionen auch zu Versorgungsengpässen kommen könnte, vor allem in den USA“, kommentierte die Commerzbank. „Neben den US-Zöllen, durch die ohnehin schon weniger Material in die USA gelangen soll, machen sich die USA nun eine zweite Flanke auf. Die Kosten für die US-Aluminiumverarbeiter dürften deutlich steigen“, so die Experten.

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19.12.2018 06:02:10

 
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