Rückversicherung – das Geschäft mit kalkulierbaren Extremrisiken

Rückversicherung – das Geschäft mit kalkulierbaren Extremrisiken

Dienstag, 23. August 2022Lesezeit: 6 Minuten

Das Rückversicherungsgeschäft ist ein komplexes Geschäft. Erschwerend hinzu kommt das momentan schwierige wirtschaftliche Umfeld. Die Folgen der Zinsanhebungen und Schwankungen an den Kapitalmärkten schlagen sich in den Ergebnissen der Rückversicherer nieder. Ein Blick hinter die Kulissen des Rückversicherungsgeschäfts könnte Investitionsmöglichkeiten für Anlegerinnen und Anleger offenbaren.

Rückversicherung – wie funktioniert das eigentlich genau?

Ein jeder kennt sie – Versicherungen gegen das ein oder andere Risiko sind aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Ob Kraftfahrzeug, Haftpflicht oder Rechtsschutz – nahezu jeder musste sich mit Versicherungen das ein oder andere Mal auseinandersetzen. Was vielen jedoch kein Begriff ist, ist die sogenannte Rückversicherung. Zugegeben, Rückversicherungen spielen für Privatpersonen eine eher untergeordnete Rolle, da sie diese nicht direkt abschließen können. Allerdings spielen sie für den Versicherer eine bedeutende Rolle, denn Rückversicherungen sind vereinfacht gesagt Versicherungen für Versicherungsfirmen. Was das im Detail bedeutet, wird nachfolgend näher unter die Lupe genommen.

Das Geschäftsmodell von Versicherungsunternehmen basiert auf dem sogenannten „Solidarprinzip“. Die zugrundliegende Idee dahinter ist, dass eine große Anzahl versicherter Personen in einem definierten Rhythmus eine betraglich festgelegte Prämie bezahlen. Aus den eingenommenen Prämien bezahlt das Versicherungsunternehmen bei Eintritt eines Versicherungsfalls der versicherten Person einen Geldbetrag. Dieses Prinzip funktioniert genau so lange, wie ein Versicherungsfall seltener eintritt, als die Prämienbeträge fällig werden. Um die Risiken zahlentechnisch ausdrücken und bemessen zu können, arbeiten Ingenieure, Mathematiker und Statistiker bei Versicherungen. So viel zum herkömmlichen Versicherungsgeschäft. Doch wozu braucht es jetzt die Rückversicherer?

Der Ursprung der Rückversicherung liegt in den großen Katastrophen dieser Welt. So war beispielsweise der Großbrand von Hamburg aus dem Jahre 1842 einer der Auslöser zur Gründung der ältesten Rückversicherung der Welt: der Kölnischen Rück. Ähnlich erging es der heute bekannten Schweizer Rück, auch Swiss Re genannt. Diese wurde zwei Jahre nach dem schweren Großbrand im Glarus von 1863 gegründet. Doch versichern Rückversicherer nicht nur Feuerkatastrophen, sondern diverse Risiken von großem Ausmaß, für die auch Erstversicherer keinen großen Risikoappetit haben. Begrenzten Risikoappetit kennen Rückversicherer allerdings auch bei den sogenannten Toprisiken. Dazu zählen zum Beispiel das Hurrikan-Risiko an der Ostküste der USA, welches enormes Schadenpotenzial birgt und erhebliche Klumpenrisiken mitbringt. Zu modernen Beispielen für Toprisiken gehören die Cyberrisiken, die aufgrund schlechter Datenlage schwer zu kalkulieren sind. Auch das Pandemierisiko ist ein solches Toprisiko. Dabei verursachte die seit 2020 andauernde Covid-19-Pandemie Schäden für Rückversicherer in den Bereichen Betriebsunterbruch-, Event-Cancellation- und Lebensversicherung. Das dadurch geschätzte Schadenvolumen für die globale Rückversicherungsindustrie belief sich auf über 40 Milliarden US-Dollar (Ende September 2021) und stellt damit das drittteuerste Ereignis in der Geschichte der Rückversicherer dar.

Um die Großrisiken besser handhaben zu können, haben unter anderem die Schweizer Versicherungsfirmen den sogenannten Elementarschaden-Pool eingeführt. Die Bevölkerung und alle Versicherungsgesellschaften profitieren davon, indem neben dem Schadensausgleichs-Mechanismus unter den einzelnen Versicherungsgesellschaften, auch der Elementarschaden-Pool für alle seine Mitglieder Rückversicherungen einkauft. Das Problem bei einer Pandemie wiederum ist der fehlende Risikoausgleich. Naturkatastrophen treten meist in bestimmten Regionen auf, während eine Pandemie viele unterschiedliche Segmente zeitgleich und weltweit betrifft. Aus diesem Grund können solche Extremereignisse nicht global diversifiziert werden.

Emerging Risks

Vorausschauend beschäftigen sich Rückversicherer derzeit mit den sogenannten Emerging Risks. Damit gemeint sind neuartige und zukunftsgerichtete Risiken, die sich dynamisch entwickeln. Hierzu gehören beispielsweise Cyberrisiken, Big Data, Künstliche Intelligenz oder auch der Klimawandel. Das Ziel ist, diese neuen Trends möglichst frühzeitig zu erkennen und zu verstehen, um so die damit verbundenen Risiken einschätzen und bemessen zu können. Eine enorm anspruchsvolle Aufgabe, da Rückversicherer immer regelmäßiger mit Risiken immaterieller Natur in Berührung kommen.

Ausgewählte Firmen aus dem Rückversicherungsgeschäft

Das Rückversicherungsgeschäft ist verglichen mit dem Erstversicherungsgeschäft ein relativ kleiner Markt. 2020 betrugen die globalen Erstversicherungsprämien EUR 4,2 Billionen, während die Rückversicherungsprämien knappe EUR 281 Milliarden Euro betrugen. Dennoch spielen Rückversicherungen eine entscheidende Rolle im Handel und in der Weltwirtschaft, da sie das Risiko für handelsübliche Versicherungsfirmen verringern, welche andernfalls bei großen Schadensfällen in den wirtschaftlichen Ruin getrieben werden könnten. Zu den größten Rückversicherungskonzernen gehören die europäischen Unternehmen Munich Re, Swiss Re, Hannover Rück und Scor (französischer Rückversicherer) sowie das britische Geschäft von Lloyds und Warren Buffetts Berkshire Hathaway. Die Vielzahl an Herausforderungen des aktuellen Weltgeschehens stützt grundsätzlich die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Rückversicherungsschutz. Nichtsdestotrotz war die Bereitschaft institutioneller Anleger, Rückversicherungsrisiken zu übernehmen, zuletzt rückgängig.

 

Munich Re

Bei Munich Re handelt es sich um den größten Rückversicherer der Welt, der global und in allen Versicherungssparten agiert. Seit der Gründung im Jahre 1880 zeichnet sich das Unternehmen durch fundiertes Risiko-Knowhow und besondere finanzielle Solidität aus. Jüngst hatte das Unternehmen jedoch einige Rücksetzer erlitten, so auch aus dem letzten veröffentlichten Quartalsbericht zu entnehmen. Im zweiten Quartal (2022) rapportierte das Unternehmen einen Gewinn von EUR 768 Millionen, nach EUR 1,1 Milliarden im Vorjahrszeitraum. An dem Gesamtjahresziel mit einem Konzernergebnis von EUR 3,3 Milliarden hält der Konzernchef Joachim Wenning eigener Aussage zufolge jedoch fest. Die Gesamtbelastung durch Großschäden von je über EUR 10 Millionen betrug im zweiten Quartal EUR 575 Millionen, nach EUR 432 Millionen im Vorjahr. Am teuersten fiel dabei die Dürre in Südamerika mit einer Schadenhöhe von EUR 130 Millionen aus. Die operative Profitabilität sowie die solide Bilanz des Unternehmens bleiben positive Aspekte des Unternehmens. Historisch gesehen zählt der Konzern außerdem zu einem sehr zuverlässigen Dividendenzahler.

Swiss Re

Swiss Re ist nach Munich Re der weltweit zweitgrößte Rückversicherer und verfügt über ein Bruttoprämienvolumen von EUR 36 Milliarden. Die Volatilität an den Kapitalmärkten wirkte sich unmittelbar auf die Ergebnisse der Swiss Re aus. Aufgrund des Rechnungslegungsstandards „US-GAAP“ müssen Anpassungen in der Marktbewertung bei Finanzanlagen in der Gewinn- und Verlustrechnung berücksichtigt werden. Trotz Bewertungsverlusten bei Aktienanlagen sowie der entstandenen Schäden aufgrund der Pandemie konnte die Gruppe im zweiten Quartal (2022) zur Profitabilität zurückkehren und einen Gewinn von USD 405 Millionen vorweisen. Die verdienten Nettoprämien und Honorareinnahmen stiegen im zweiten Quartal auf USD 21,2 Milliarden an.

Swiss Re ist Marktführer im Bereich der Rückversicherung von Naturkatastrophen. Sie weisen fundiertes Knowhow in diesem Bereich auf, dass auf unternehmenseigenen Modellen und knapp 30 Jahren kontinuierlicher Entwicklung und Erfahrungen basiert. Das Prämienvolumen des Naturkatastrophengeschäfts der Swiss Re konnte einen starken Anstieg von knapp 23 Prozent vorweisen.

Hannover Rück

Die Hannover Rück ist, gemessen am Bruttoprämienvolumen von EUR 27 Milliarden, der drittgrößte Rückversicherer der Welt. Trotz des schwierigen Umfelds tischte Hannover Rück im ersten Halbjahr 2022 ein, nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Jean-Jacques Henchoz, zufriedenstellendes Ergebnis auf. Auf Konzernebene kletterte das Ergebnis im zweiten Quartal um 5,6 Prozent auf EUR 385 Millionen. Für das Gesamtjahr 2022 hält das Unternehmen unverändert an einem Nettokonzerngewinn von EUR 1,4 – 1,5 Milliarden fest.

Ausgewählte Risiken:

Korrelationsrisiko: Multi Aktienanleihen mit Barriere (Worst of): Dieser Typ der Aktienanleihen bezieht sich auf mehrere Basiswerte. Damit ist der Grad der Abhängigkeit der Wertentwicklung der Basiswerte voneinander (sog. Korrelation) wesentlich für die Beurteilung des Risikos, dass mindestens ein Basiswert seine Barriere erreicht. Anleger sollten beachten, dass bei mehreren Basiswerten für die Bestimmung des Auszahlungsbetrags der Basiswert maßgeblich ist, der sich während der Laufzeit der Wertpapiere am schlechtesten entwickelt hat (sog. Worst-of-Struktur). Das Risiko eines Verlusts des investierten Kapitals ist daher bei Worst-of-Strukturen wesentlich höher als bei Wertpapieren mit nur einem Basiswert.

Marktrisiko / Preisänderungsrisiko: Der Wert des Zertifikats kann während der Laufzeit durch die marktpreisbestimmenden Faktoren auch deutlich unter den Erwerbspreis fallen, wenn der Wert des Basiswerts fällt.

Emittenten- / Bonitätsrisiko: Anleger sind dem Risiko ausgesetzt, dass Emittent und Garant ihre Verpflichtungen aus dem Produkt und der Garantie - beispielsweise im Falle einer Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit / Überschuldung) oder einer behördlichen Anordnung von Abwicklungsmaßnahmen - nicht erfüllen können. Eine solche Anordnung durch eine Abwicklungsbehörde kann im Falle einer Krise des Garanten auch im Vorfeld eines Insolvenzverfahrens ergehen. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Das Produkt unterliegt als Schuldverschreibung keiner Einlagensicherung.

Wichtige Hinweise: Diese Information ist weder eine Anlageberatung noch eine Anlagestrategie- oder Anlageempfehlung, sondern Werbung. Die vollständigen Angaben zu den Wertpapieren, insbesondere zur Struktur und zu den mit einer Investition verbundenen Risiken, sind in dem Basisprospekt, nebst etwaiger Nachträge, sowie den jeweiligen Endgültigen Bedingungen beschrieben. Der Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen stellen das allein verbindliche Verkaufsdokument der Wertpapiere dar. Es wird empfohlen, dass potenzielle Anleger diese Dokumente lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollständig zu verstehen. Die Dokumente sowie das Basisinformationsblatt sind auf der Internetseite des Emittenten, Vontobel Financial Products GmbH, Bockenheimer Landstraße 24, 60323 Frankfurt am Main, Deutschland, unter prospectus.vontobel.com veröffentlicht und werden beim Emittenten zur kostenlosen Ausgabe bereitgehalten. Die Billigung des Prospekts ist nicht als Befürwortung der angebotenen oder zum Handel an einem geregelten Markt zugelassenen Wertpapiere zu verstehen. Bei den Wertpapieren handelt es sich um Produkte, die nicht einfach sind und schwer zu verstehen sein können. In dieser Information sind Angaben enthalten, die sich auf die Vergangenheit beziehen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

06.10.2022 07:24:24

 
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