Rohöl: OPEC senkt Nachfrageprognose

Rohöl: OPEC senkt Nachfrageprognose

Mittwoch, 13. Februar 2019Lesezeit: 4 Minuten

Der globale Ölmarkt könnte sich in Richtung eines nachhaltigen Gleichgewichts entwickeln, sofern die Nachfrage nicht einbricht. Die OPEC hat just aber ihre Bedarfsprognose reduziert.

Rohöl: OPEC senkt Nachfrageprognose

Die Produktionskürzungen der OPEC und Russlands zeigen Wirkung. Laut aktuellen Umfragen halten sich die beteiligten Länder überwiegend an die selbst auferlegten Förderbeschränkungen. Der Ölminister von Saudi-Arabien, Khalid Al-Falih, hatte in einem Interview mit der „Financial Times“ sogar einen stärkeren Rückgang der Fördermenge als bisher bekannt angekündigt. Hinzu kommen unfreiwillige Rückgänge: etwa als Folge der US-Sanktionen gegen Venezuela oder durch ungeplante Produktionsrückgänge in anderen OPEC-Ländern wie Libyen. Dort ist am größten Ölfeld des Landes, El Sharara, die Produktion seit Dezember unterbrochen, nachdem Rebellen die Kontrolle übernommen hatten.

So könnte sich der globale Ölmarkt in Richtung eines Gleichgewichts entwickeln, sofern nur die Nachfrage nicht einbricht. Die OPEC rechnet für das laufende Jahr mit weltweit rund 100 Mio. Barrel Ölverbrauch pro Tag. Damit dürfte der Zuwachs etwas niedriger ausfallen als noch zuletzt erwartet. Grund dafür sei die Konjunkturschwäche in mehreren Weltregionen, heißt es in dem am Montag vorgestellten OPEC-Monatsbericht Januar. Das Ölkartell hat gleichzeitig seine globale Wachstumsprognose von 3,5 auf 3,3 Prozent für 2019 gesenkt.

2018 ist der Bedarf an Rohöl im Tagesschnitt um 1,47 Mio. Barrel auf 98,78 Mio. Barrel gestiegen, wie die OPEC weiter ausführte. Für 2019 rechnet die Organisation mit einem Anstieg der globalen Nachfrage um 1,4 Mio. Barrel/Tag und damit um 100.000 Fass täglich weniger als vor einem Monat geschätzt.

Weitere Maßnahmen der Allianz OPEC+ in Richtung einer strengeren Förderbeschränkung sind derzeit nicht in Sicht. Nach Informationen der Commerzbank gibt es Zweifel, ob Russland noch über die Jahresmitte hinaus Teil des Kürzungsabkommens sein wird, sollte dieses verlängert werden. Der Chef des größten russischen Ölkonzerns Rosneft, Igor Sechin, habe in einem Brief an Präsident Putin das Abkommen als strategische Bedrohung für die russische Ölindustrie gebrandmarkt.

5-Jahres-Chart Brent, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 

Gold sollte als ‚sicherer Hafen‘ weiter gefragt sein

Bei Gold scheint die Luft raus zu sein. Das gelbe Edelmetall hält sich zwar noch über der psychologisch wichtigen Marke von 1.300 US-Dollar je Feinunze. Seit Tagen tut sich aber wenig bei der Notierung. Höheren Preisen steht der feste US-Dollar entgegen.

Auch gibt es mittlerweile seit einigen Tagen größere ETF-Abflüsse: Nachdem den Gold-ETFs im Januar 70 Tonnen zugeflossen waren, erfolgten im Februar bislang Abflüsse von fast 20 Tonnen, wie Rohstoffanalysten der Commerzbank zu Wochenbeginn berichteten. Angesichts der volatilen Aktienmärkte und nachgebenden Anleiherenditen seien die Abflüsse allerdings nicht nachvollziehbar, urteilten die Experten. „Wir denken, dass Gold als attraktive Anlagealternative und sicherer Hafen gut gefragt sein sollte, unter anderem wegen der doch zahlreichen politischen Risiken“.

In diesem Zusammenhang dürften die Marktteilnehmer mit Interesse die in dieser Woche laufenden Handelsgespräche in Peking verfolgen. China hatte am Montag seinen Ärger über die Äußerungen von US-Präsident Trump kundgetan. Dieser hatte erklärt, er wolle den chinesischen Präsidenten Xi Jinping nicht vor dem 1. März treffen. An dem Stichtag treten höhere US-Zölle auf chinesische Importe in Kraft, sofern nicht vorher eine neue Handelsvereinbarung getroffen wird. Das Weiße Haus ruderte später ein wenig zurück. Beraterin Kellyanne Conway sagte, dass Trump den chinesischen Präsidenten Xi „sehr bald“ treffen möchte. Nach Einschätzung von Ross Strachan, leitender Rohstoffökonom bei Capital Economics in London, wird es immer deutlicher, dass ein langfristiger Vertrag zwischen den USA und China extrem schwierig zu realisieren ist.

5-Jahres-Chart Gold, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

Palladium: Der Engpass wird 2019 anhalten

Einer der am stärksten nachgefragten Rohstoffe im Metallbereich war in den vergangenen Monaten Palladium. 833 US-Dollar/Unze lautete das Tief Mitte August vergangenen Jahres. Danach stellte sich ein fast geradliniger Aufwärtstrend ein, der zuletzt bis auf 1.406 US-Dollar führte. Das ist in wenigen Monaten ein Zuwachs von über 70 Prozent! „Palladium eilt von Rekord zu Rekord“, jubelten jüngst die Rohstoffanalysten der Commerzbank.

Dazu trägt auch weiterhin die starke Nachfrage aus der Automobilindustrie bei, die mit gut 80 Prozent der stärkste Palladium-Abnehmer ist. Dort kommt der Rohstoff in Katalysatoren bei Benzin-Motoren zum Einsatz. Selbst schwache Januar-Absatzzahlen aus der Autobranche würgen den Höhenflug nicht ab. Der Bedarf bleibt hoch: Experten des Edelmetalldienstleisters Heraeus rechnen für 2019 weiter mit einem Nachfrageüberhang bei dem Metall. Der Engpass werde 2019 anhalten. Insgesamt rechnen sie für das aktuelle Jahr mit einem Defizit von 17 Tonnen. Zudem sinken die Lagerbestände von Palladium seit mehr als vielen Jahren.

Beim Preisziel zeigt sich Heraeus zuversichtlich: Zwischen 1.130 und 1.650 Dollar soll die Palladium-Notiz in diesem Jahr liegen. Damit könnte der Rohstoff im günstigsten Szenario noch um knapp 18 Prozent im Wert steigen. Einziges Risiko bleibt aus fundamentaler Sicht ein Dämpfer bei der Nachfrage aus China.

5-Jahres-Chart Palladium, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 

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14.11.2019 13:08:26

 
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