Rohöl: Abwärtsgerichtete Tendenz

Rohöl: Abwärtsgerichtete Tendenz

Dienstag, 18. Juni 2019Lesezeit: 3 Minuten

Der Handelskonflikt zwischen China und den USA könnte laut einem Experten den Ölpreis weiter massiv in die Tiefe drücken. Vor diesem Hintergrund finden Angebotsrisiken am Markt derzeit wenig Beachtung. Der Goldpreis stieg zuletzt kurzzeitig auf ein 14-Monatshoch von knapp 1.360 US-Dollar/Unze, geriet dann aber im Zuge eines festeren US-Dollar wieder unter Druck. Der Preis für Kakao hat in der vergangenen Woche eine Wende durchlaufen, nachdem er zuvor ein neues Hoch markiert hatte. Am Freitag kam es zu einem regelrechten Preisrutsch.

Rohöl: Abwärtsgerichtete Tendenz

Der nun schon rund ein Jahr andauernde Handelskonflikt zwischen China und den USA könnte den Ölpreis laut einem Experten weiter in die Tiefe drücken. Rainer Michael Preiss von Taurus Wealth Advisors befürchtet, dass eine erneute Eskalation des Handelskonflikts die Notierungen einbrechen lassen könnte. Er rechne mit einem Tief von 45 US-Dollar pro Barrel Brent, sagte Preiss dem US-Sender CNBC. Das wäre zum aktuellen Preisniveau nochmals ein Abschlag um rund ein Viertel. Bereits in den vergangenen Wochen tendierten die Öl-Notierungen im Zuge gestiegener Sorgen um die stagnierende Nachfrage abwärts.

Wenn China und die USA ihre Differenzen weiterhin nicht bereinigen können und es zu erneuten Zollerhöhungen käme, würde die globale Wirtschaft dadurch vermutlich deutlich geschwächt, was sich auch auf die Öl-Nachfrage auswirken würde, so Preiss. Vor diesem Hintergrund finden Angebotsrisiken, insbesondere in Folge der Krise wegen eines Angriffs auf zwei Tanker im Golf von Oman vergangene Woche, derzeit wenig Beachtung am Markt. So tendieren die Ölpreise weiter gen Süden: Brent marschierte am Dienstag in Richtung 60 Dollar/Barrel.

Über die Hintergründe des Angriffs auf die zwei Öltanker nahe der Straße von Hormus herrscht noch immer Unklarheit. Die USA und der Iran beschuldigen sich gegenseitig, hinter den Angriffen zu stecken. Die USA wollen ihren Kurs des „maximalen Drucks“ auf Teheran fortsetzen, wie es im State Department hieß. Adam Schiff, der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, sagte am Dienstag in Washington, er teile die Einschätzung des US-Außenministers, wonach Teheran die Anschläge auf die beiden Tanker zu verantworten habe.

Die USA haben unterdessen weitere 1.000 Soldaten in die Krisenregion entsandt. „Auch wenn keine Seite eine militärische Konfrontation will, kann eine solche durch Unachtsamkeit oder Verkettung ungünstiger Umstände nicht vollkommen ausgeschlossen werden“, kommentierte die Commerzbank.

5-Jahres-Chart Rohöl, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

  

Gold: US-Notenbank unter Zugzwang

Der Goldpreis stieg am vergangenen Freitag auf ein 14-Monatshoch von knapp 1.360 US-Dollar je Feinunze, geriet dann aber im Zuge eines festeren US-Dollar im späten Handel unter Druck. Zu Wochenbeginn hat Gold fast schon 25 Dollar abgeben müssen, bevor es im Wochenverlauf wieder in der Tendenz anstieg. Das Risiko von Gewinnmitnahmen und einer Preiskorrektur hat aus Sicht der Commerzbank zuletzt stark zugenommen. Denn auch der vorherige Preisauftrieb sei stark spekulativ übertrieben gewesen, hieß es in einem Kommentar von Montag.

Der Vermögensverwalter Wisdom Tree bleibt mit Blick auf die weitere Goldpreisentwicklung optimistisch. „Der Goldpreis wird durch einige Faktoren beeinflusst. Einer davon sind die Renditen amerikanischer Staatsanleihen. Da weitere Zinserhöhungen der Fed nicht zu erwarten sind, ist das schon einmal positiv für Gold,“ sagte Analyst Nitesh Shah in einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Die Zinslandschaft sorgt dafür, dass Shah zuletzt sogar noch zuversichtlicher wurde. „Wir haben unsere Zinsprognose nicht geändert, aber ein Eskalieren der Handelskonflikte könnte die US-Notenbank in Zugzwang bringen. Zusammen mit verstärkten Unruhen im Nahen Osten könnte das die Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen steigen lassen. Wenn dann wieder spekulative Positionen aufgebaut werden, könnte der Preis auch über 1.450 Dollar je Unze steigen.“

5-Jahres-Chart Gold, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 

Kakao: Aufwärtstrend noch nicht gefährdet

Der Preis für Kakao hat in der vergangenen Woche eine Wende durchlaufen, nachdem er zuvor ein neues Hoch markiert hatte. Am Freitag kam es zu einem regelrechten Preisrutsch. Der Aufwärtstrend ist aber noch nicht gefährdet, da die zugrundeliegende Trendlinie weiter intakt ist. Bei 2.450 Dollar pro Tonne befindet sich zudem eine markante technische Unterstützung.

Schokoladenproduzenten mussten zuletzt um Nachschub bangen, denn in den größten Anbauländern war es zu Widerständen bei den Plantagenbetreibern gekommen. Lieferungen wurden ausgesetzt. Die politisch Verantwortlichen in der Elfenbeinküste und Ghana hatten darauf mit dem Versprechen stabiler Mindestpreise reagiert. Dieser soll nun bei 2.600 Dollar pro Tonne liegen.

Beobachter bezeichneten den Schritt als historisch. Über die Jahre hatten internationale Konzerne und Zwischenhändler die Preise gedrückt, während sie selbst gute Gewinne einfuhren. Die Produzenten hatten davon allerdings zu gut wie nichts.

5-Jahres-Chart Kakao, Quelle: Bloomberg Finance L.P.


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09.12.2019 09:44:05

 
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