Rohöl unter Druck – zwischen Angebotsausweitung und Handelskonflikt

Rohöl unter Druck – zwischen Angebotsausweitung und Handelskonflikt

Dienstag, 7. August 2018Lesezeit: 4 Minuten

Goldpreis fällt auf tiefsten Stand seit März 2017

Angesichts eines weiterhin starken Dollars bleibt der Goldpreis unter Druck. Am vergangenen Freitag sank der Preis des gelben Edelmetalls auf den tiefsten Stand seit März 2017. Inzwischen kostet Gold nur noch geringfügig mehr als 1.200 Dollar je Feinunze. Auch der Fed-Zinsentscheid und etwas schwächer als erwartet ausgefallene US-Arbeitsmarktdaten für Juli konnten den Goldpreis in der vergangenen Woche nicht stabilisieren.

Für den jüngsten Preisverfall machen die Analysten der Commerzbank auch einen "extremen Pessimismus der spekulativen Finanzanleger" verantwortlich. So hätten im Juli vergleichsweise viele Anleger auf fallende Notierungen am Goldmarkt spekuliert.

Auch die geringe Nachfrage nach physischem Gold drückte zuletzt auf die Preise. Weltweit sank die Nachfrage im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent auf das niedrigste Niveau in diesem Zeitraum seit 2009, wie der Branchenverband World Gold Council ermittelt hat.

Da Gold in US-Dollar gehandelt wird, reagiert das Edelmetall sensibel auch Bewegungen des Greenbacks, wobei ein festerer Dollar in der Regel negativ für Gold ist. Da Gold zudem kein zinstragender Vermögenswert ist, sind steigende Zinsen ebenfalls negativ für den Goldpreis. Nach Einschätzung von Beobachtern dürfte die US-Notenbank vorerst an ihrem Zinserhöhungskurs festhalten, wobei die nächste Leitzinsanhebung für September erwartet wird. Damit könnten die Perspektiven für Gold schlecht bleiben. Selbst die Finanzinvestoren dürften sich auch unter technischen Aspekten wieder stärker für das gelbe Metall interessieren, zumal die geo- und handelspolitischen Risiken trotz der jüngsten Annäherung zwischen den USA und Europa mit Blick auf China wahrscheinlich weiter ernst zu nehmen seien, heißt es weiter. „Spätestens nach einem noch möglichen Test von 1.180 US-Dollar dürfte sich erheblich Luft nach oben eröffnen“, schrieb Peters.

Angebotsausweitung sorgt für fallende Ölpreise

Im Juli ist der Ölpreis von verschiedener Seite unter Druck gesetzt worden: Beide Ölpreise - Brent und WTI verzeichneten im Juli den stärksten Monatsrückgang seit zwei Jahren. Der Preisrückgang hatte seine Gründe zunächst auf der Angebotsseite: So ist die Erzeugung in Libyen wieder gestiegen, auch haben die USA vor allem Saudi-Arabien dazu gedrängt, mehr zu produzieren, um Engpässen zuvorzukommen. Russland selbst hat die Produktion hochgefahren. Außerdem fürchten die Marktteilnehmer, dass eine Verschärfung des Handelskonflikts die Ölnachfrage beeinträchtigen könnte, was die Notierungen zusätzlich unter Druck geraten ließ. Für neuen Abgabedruck sorgte die laut einer Reuters-Umfrage im Juli gestiegene OPEC-Ölproduktion. Die Fördermenge erhöhte sich, obwohl der Iran bereits im Juli weniger Öl produzierte, um 70.000 Barrel auf 32,64 Mio. Barrel pro Tag.

Perspektivisch könnten die neuen Iran-Sanktionen der USA, die am Dienstag in Kraft treten, das Ölangebot weiter belasten. Die Europäische Union will allerdings nicht nur europäische Unternehmen vor den neuen Sanktionen schützen, sondern sich auch dafür einsetzen, dass der Iran weiter Erdöl exportieren kann. Die neuen US-Sanktionen sollen in zwei Schritten am 7. August und am 5. November in Kraft treten.

Der Iran selbst hat bereits im Falle einer Eskalation mit der Schließung der Meerenge von Hormus gedroht. „Aufgrund des (drohenden) Wegfalls der iranischen Öllieferungen dürfte es auch zu einem Rückgang der freien Förderkapazitäten kommen, der einen höheren Ölpreis zur Folge hat“, heißt es in einer Analyse der Commerzbank. Wegen der kräftig steigenden US-Schieferölproduktion müsse aber wohl nur ein Teil der wegfallenden iranischen Ölexporte durch andere OPEC-Anbieter ausgeglichen werden. Umfragen von Reuters und Bloomberg zufolge produzier die OPEC aktuell bereits gut eine Million Barrel pro Tag mehr als laut Internationaler Energieagentur im Durchschnitt des nächsten Jahres benötigt wird.

Hitzewelle lässt Weizenpreise steigen

Das heiße Sommerwetter in Europa und die ungewöhnlich große Trockenheit hat die Weizenpreise in den vergangenen Wochen deutlich steigen lassen. In Paris erreichte der Weizenpreis den höchsten Stand seit rund fünf Jahren, nachdem Ernteschätzungen zuletzt deutlich nach unten korrigiert wurden. In Chicagoe wurde das höchste Niveau seit Juni 2015 erreicht.

Besonders angespannt ist die Lage in Deutschland sowie in Ländern Ost- und Nordeuropas, wo mit einem deutlichen Produktionsrückgang gerechnet wird. In Schweden etwa könnte die Weizenernte um 40 Prozent einbrechen, womit das Land von einem Nettoexporteur zu einem Importeur werden dürfte.

Bereits im Frühjahr war erwartet worden, dass der Weizenmarkt 2018/2019 tiefer ins Defizit rutschen dürfte. Da allerdings in den Vorjahren deutliche Lagerbestände aufgebaut wurden, rechneten zahlreiche Marktbeobachter trotzdem nicht mit Engpässen. Die große Trockenheit könnte nun aber zu einem deutlichen Abbau der Lagerbestände führen, zumal auch beim Winterweizen weitere Produktionsrückgänge möglich sein könnten, wenn die Niederschläge in den kommenden Wochen nicht zunehmen.

Auch bei anderen Agrarrohstoffen könnte die Hitzewelle zu weiteren Preisanstiegen führen. Wenn neben der Hitzewelle auf der Nordhalbkugel im weiteren Verlauf des Jahres auch noch das Wetterphänomen El Niño auf der Südhalbkugel den Lagerabbau befördern würde, könnten die Preise für Mais, Soja und Weizen um rund 25 Prozent zulegen, schätzt Helaba-Analyst Heinrich Peters. Der tatsächliche Verlauf bleibt dennoch abzuwarten.

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21.10.2018 03:31:41

 
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