Rohöl: Anzeichen von Stress

Rohöl: Anzeichen von Stress

Dienstag, 11. September 2018Lesezeit: 4 Minuten

Der Brent-Ölpreis legte zu Wochenbeginn trotz Dollarstärke wieder zu und stieg auf 78 US-Dollar je Barrel. Aus Sicht der Commerzbank arbeiten die Marktteilnehmer mit aller Kraft daran, einen kurzfristigen Anstieg über 80 US-Dollar je Barrel zu erzwingen.

Rohöl: Anzeichen von Stress

Alle Aspekte würden positiv für den Ölpreis interpretiert und genutzt: seien es die guten US-Arbeitsmarktdaten am Freitag, die wieder aufflackernde „Risk-On“ Stimmung an den Finanzmärkten oder die anhaltenden Sorgen um den Wegfall iranischer Ölexporte ab November.

Diese Sorgen seien nicht unberechtigt, so die Analysten weiter, „denn die Importeure iranischen Öls werden wohl aus Angst vor möglichen US-Sanktionen freiwillig ihre Importe reduzieren“. So habe im August erst Südkorea, einer der wichtigsten Käufer von iranischem Öl, seine Importe komplett heruntergefahren. Auch die Finanzanleger erwarten weiter steigende Ölpreise und erhöhten in der Woche zum 4. September ihre entsprechenden Wetten laut CoT-Report.

Ob das mal nicht zu leichtfertig ist, denkt sich wohl der Fondsanbieter Aberdeen. Denn Robert Minter, Investmentstratege bei Aberdeen, glaubt trotz der erneuten Sanktionen der USA gegen den Iran nicht an starke Preiszuwächse bei Rohöl. „Dies ist nicht der Beginn einer weiteren Phase von Preiserhöhungen“, so Minter in einer aktuellen Markteinschätzung. Er geht nicht einmal davon aus, dass die Sanktionen im November überhaupt in Kraft treten werden. „Die beiden Akteure, die am meisten zu verlieren haben, wenn 2,5 Millionen Barrel Rohöl pro Tag vom Markt genommen werden, sind die Präsidenten der USA und des Iran selbst“, sagt Minter.

Darüber hinaus sei es unwahrscheinlich, dass die Nachfrage nach Öl zu jedem Preis anhalten wird. Schließlich habe der Anstieg der vergangenen zwölf Monate bereits Anzeichen von Stress hervorgerufen. Auch mit Blick auf die Angebotsseite erscheint eine Preiserhöhung aus Sicht des Aberdeen-Experten wenig wahrscheinlich. Die OPEC- und Nicht-OPEC-Produzenten hätten sich darauf geeinigt, die Produktion zu erhöhen, um etwaige Produktionsausfälle auszugleichen, so Minter. Der Ölpreis dürfte sich in absehbarer Zukunft bei einer Spanne zwischen 60 und 70 US-Dollar je Barrel einpendeln.

Gold: Leichte Zuversicht

Mit derzeit unter 1.200 Dollar pro Feinunze ist der Goldpreis noch immer auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Und von seinem Jahreshöchststand im April hat sich die Notierung fast 170 Dollar/Unze nach unten entfernt.

Wie soll Gold wieder aus der Malaise finden? Das Zünglein an der Waage stellen derzeit die Finanzanleger dar. Laut Experten spielten sie mit ihren Leerverkäufen die wichtigste Rolle beim Goldpreisverfall der letzten Wochen. Die Gold-Spekulanten wurden durch den Preisrückgang zu Short-Verkäufen ermuntert, was die Abwärtsbewegung beschleunigte. „Auf dem Terminmarkt herrscht bei Gold derzeit ein extremer Pessimismus, der so in der Historie bisher noch nicht vorzufinden war“, kommentierten Rohstoffexperten der DZ Bank.

Mitte August waren die Short-Positionen von Großinvestoren an der US-Rohstoffterminbörse CFTC auf ein Rekordhoch gesprungen. Doch der Höhenflug der Pessimisten kann für das Edelmetall auch ein Vorteil sein, wie es kürzlich zu beobachten war: Aufgrund einer kurzfristigen Schwächephase beim US-Dollar stieg die Gold-Notierung deutlich. Einige Spekulanten mussten im Zuge dessen Gold ankaufen, um ihre Short-Wetten glattzustellen. Die Folge: Das Edelmetall verteuerte sich umso schneller.

Die DZ Bank bleibt bezüglich des Goldpreises vorsichtig optimistisch. Sollte der internationale Handelskonflikt eskalieren oder die im Ansatz bereits wieder positiven Nachfragetendenzen ein wenig in den Mittelpunkt rücken, könne Gold recht zügig wieder steigen, schreiben die Experten, die für die kurze Frist daher mit einem weiteren Anstieg des Goldpreises rechnen. Mit Blick auf die nächsten zwölf Monate blieben aber Dollar und die US-Zinsen die wichtigsten Belastungsfaktoren, sodass nach einer kurzen Preiserholung ein erneuter Rücksetzer auf 1.200 US-Dollar folgen sollte.

Aluminium: Handelsstreit trübt die Stimmung

Die Metallpreise standen zum Wochenauftakt zwischenzeitlich unter Druck. Aluminium notierte knapp unter der 2.070 Dollar/Tonne-Marke, Kupfer setzte unter 5.900 Dollar/Tonne zurück. Im Wesentlichen ist die Preisschwäche laut Analysten der Commerzbank auf den Handelsstreit zwischen den USA und China zurückzuführen.

Eine Ankündigung von US-Präsident Trump vergangenen Freitag löste an den Märkten Schockwellen aus. Trump sagte am vergangenen Freitag nach übereinstimmenden Berichten von US-Journalisten an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One, die bereits geplante Verhängung der Sonderzölle auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar werde sehr bald erfolgen, „abhängig davon, was passiert“. „Ich sage das nicht gerne, aber dahinter sind weitere 267 Milliarden Dollar kurzfristig startbereit, wenn ich das möchte.“

Auf die Rohstoffimporte und -exporte Chinas hat der Handelsstreit bislang noch keine Auswirkungen gehabt. So hat China im August zwar etwas weniger Kupfer als im Vormonat importiert, die Einfuhren lagen aber fast acht Prozent über Vorjahr, wie die Commerzbank unter Berufung auf Daten der Zollbehörde berichtete. Die Importe von Kupferkonzentrat sind im Vorjahresvergleich demnach um gut 15 Prozent auf 1,66 Mio. Tonnen gestiegen. Zugleich habe die Volksrepublik auch weiter große Mengen Rohstoffe exportiert, wie zum Beispiel Aluminium.

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28.05.2020 02:11:45

 
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