Risiken für die Ölnachfrage recht groß

Risiken für die Ölnachfrage recht groß

Dienstag, 7. Mai 2019Lesezeit: 4 Minuten

Die Ölpreise haben zu Wochenbeginn zunächst Federn gelassen. Für Belastung sorgten Ängste vor einer weiteren Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China. Das Metall Gold erfreut sich einer guten Nachfrage, der Handelskonflikt ist neu entbrannt und die Zinsen dürften niedrig bleiben: Dass Gold vor diesem Hintergrund kaum von der Stelle rückt, verwundert. Der Preis für Silber ist seit Jahresanfang in Relation zu Gold stärker gefallen. Geht es nach dem Silver Institute weist das Metall gleichwohl gute Aussichten für die Preisentwicklung auf.

Rohöl: Risiken für die Ölnachfrage recht groß

Die Ölpreise haben zu Wochenbeginn zunächst Federn gelassen. Für Belastung sorgten Ängste vor einer weiteren Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China. Die Ausschläge hielten sich jedoch in Grenzen. Schnelle Rückkäufe hievten die Notiz der Sorte Brent zurück über die 70 Dollar-Marke je Barrel.

US-Präsident Donald Trump hatte am Sonntag überraschend angekündigt, die bereits geltenden Sonderzölle auf Importe aus China im Wert von 200 Mrd. Dollar schon von diesem Freitag an von bisher 10 auf 25 Prozent zu erhöhen. Er drohte auch damit, bald alle Einfuhren aus China im Wert von mehr als 500 Mrd. US-Dollar mit solchen 25-prozentigen Abgaben überziehen zu wollen. Die Verhandlungen kämen zu langsam voran, kritisierte er. China wolle nachverhandeln, dem erteile er eine Absage.

Die Ankündigung kam unerwartet, da Trump sowie Mitglieder seines Stabes zuletzt immer wieder die Fortschritte der Verhandlungen hervorgehoben hatten. „Trump hat mit den Drohungen den sprichwörtlichen Vorschlaghammer ausgepackt, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters Jeffrey Halley, Senior Market Analyst bei Futures Brokerage OANDA in Singapur. Analysten der Commerzbank halten die Risiken einer neuen Eskalationsstufe im Handelsstreit für die Konjunktur und damit die Ölnachfrage für recht groß. „Die momentane Knappheit könnte dann schnell an Bedeutung verlieren“, hieß es in einem Kommentar.

In der Ölindustrie gibt es Anzeichen für einen weiteren Anstieg der Produktion aus den USA. Dort ist die Fördermenge seit Anfang 2018 bereits um mehr als 2 Mio. Barrel pro Tag auf den Rekordwert von 12,3 Mio. Barrel pro Tag gestiegen. Damit sind die Vereinigten Staaten noch vor Russland und Saudi-Arabien zum weltweit größten Produzenten aufgestiegen. Die Zahl der aktiven Bohrplattformen in den USA ist in der Woche bis zum 3. Mai um weitere zwei Plattformen auf 807 stiegen, wie Daten des Öldienstleisters Baker Hughes von Freitag zeigten.

5-Jahres-Chart Brent, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 

Goldpreis tritt auf der Stelle 

Die Nachfrage nach Gold ist in den ersten drei Monaten 2019 um rund sieben Prozent im Jahresvergleich auf 1.053 Tonnen gestiegen, wie das World Gold Council (WGC) vergangene Woche mitteilte. Vor allem Goldkäufe der internationalen Notenbanken und Zuflüsse in börsengehandelte Indexfonds hätten für das Plus gesorgt, so das WGC. Die Zentralbanken hätten 145,5 Tonnen Gold gekauft, das sei der größte Anstieg der Notenbankvorräte in einem ersten Quartal seit 2013 gewesen. Größter Käufer war Russland mit 55,3 Tonnen, China kaufte 33 Tonnen, die Türkei 40,1 Tonnen. Die Nachfrage nach Gold für die Schmuckherstellung legte leicht zu, getrieben vor allem von der Produktion in Indien. Gold-ETFs und ähnliche Finanzprodukte konnten im ersten Quartal Zuflüsse von 40,3 Tonnen Gold erzielen. Die Verwendung von Gold in der technischen Industrie ging dagegen leicht zurück.

Der Handelskonflikt ist dank Donald Trump neu entbrannt, die konjunkturellen Risiken könnten dadurch zunehmen und nicht zuletzt dürften die Zinsen für lange Zeit niedrig bleiben: Dass der Goldpreis derzeit dennoch kaum von der Stelle rückt, ist vor diesem Hintergrund zumindest bemerkenswert: Mit aktuell rund 1.280 Dollar je Feinunze liegt die Notiz sogar unter dem Stand vom Jahresbeginn. Von seinem Jahreshoch im Februar ist der Goldpreis rund fünf Prozent entfernt. „Dass Gold von der aktuellen Gemengelage nicht stärker profitiert, ist uns ein Rätsel, zumal die Zinssenkungserwartungen in den USA wieder gestiegen sind“, heißt es von Analysten der Commerzbank. „Denn die US-Notenbank Fed könnte sich gezwungen sehen, die Zinsen noch in diesem Jahr zu senken, da Trump mit den höheren Importzöllen der heimischen Wirtschaft großen Schaden zufügen würde“.

Auch wenn Trump neue Zolldrohungen in die Welt posaunte und die Börsen dadurch ins Taumeln gerieten, ist die Aktienmarkt-Volatilität unterm Strich überschaubar. Die Aktien liefen immer noch zu gut, als dass Gold durchstarten könne, formulierte es ein UBS-Analyst. Nicht zuletzt deckelt auch der starke Dollar jegliche Goldpreisavancen. Die Investmentbank Goldman Sachs hatte im Januar per Jahresende noch einen Preis von 1.450 Dollar prognostiziert. Doch Rohstoffanalyst Jeff Currie ruderte nun zurück und erwartet jetzt auf Sicht von zwölf Monaten nur noch einen Preis von 1.375 Dollar/Unze.

5-Jahres-Chart Gold, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 

Silberpreis fällt stärker als der von Gold

Der Preis für Silber ist seit Jahresanfang in Relation zu Gold stärker gefallen. Das Edelmetall hat sich von rund 15,45 US-Dollar je Feinunze im Januar auf aktuell 14,86 Dollar je Feinunze verbilligt - ein Rückgang um rund vier Prozent. Der Goldpreis in Dollar stagniert hingegen bei rund 1.281 Dollar je Feinunze. „Bei Silber bleiben die spekulativen Finanzanleger pessimistisch eingestellt“, weiß die Commerzbank. „Sie haben ihre Netto-Short-Positionen zuletzt leicht reduziert, was zumindest teilweise die schwächere Preisentwicklung von Silber gegenüber Gold erklärt“.

Geht es nach dem Silver Institute weist das graue Metall gleichwohl gute Aussichten für die Preisentwicklung in diesem Jahr auf. Im „World Silver Survey 2019“ heißt es, dass die Nachfrage nach physischem Silber in 2019 um rund fünf Prozent anziehen werde. Bereits im vorigen Jahr sei es hier zu einem Anstieg um vier Prozent gekommen - angetrieben von einem Nachfrageplus aus der Schmuck- und Silberwarenherstellung und einem starken Interesse an Silbermünzen und -barren. Wertpapiere, die mit Silber hinterlegt sind (ETP), hätten hingegen Nettoabflüsse von 20,3 Mio. Unzen verzeichnet. Leicht zurückgegangen sei 2018 zudem die Nachfrage nach Silber aus der Industrie.

Aber auch das Angebot an Silber sei im vergangenen Jahr um drei Prozent gesunken. Zum einen hätten die Silberminen weniger gefördert als im Vorjahr. Zum anderen habe der niedrige Silberpreis dem Angebot von Altsilber geschadet.

5-Jahres-Chart Silber, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 

 

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21.06.2019 03:12:41

 
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