Rückenwind für Europäische Luftfahrtunternehmen

Rückenwind für Europäische Luftfahrtunternehmen

Donnerstag, 17. Juni 2021Lesezeit: 5 Minuten

Nach dem Krisenjahr 2020 wächst der Optimismus in der Flugbranche. Denn mit dem Rückgang der Inzidenzen und den Lockerungen der Einschränkungen steigt auch wieder die Nachfrage nach Flügen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr zeigt sich daher wieder vorsichtig optimistisch. Nichtsdestotrotz befindet sich der Konzern aktuell im Umbau und plant milliardenschwere Einsparungen. Der größte Flugzeughersteller Airbus hingegen setzt sich hohe Ziele und möchte die Flugzeugproduktion weiter ausbauen.

Positive Aussichten für die Reisebranche

Aufgrund des steigenden Impffortschritts und der Lockerungen der Beschränkungen blicken die deutschen Fluggesellschaften wieder optimistischer auf das Sommergeschäft. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft meldete, dass ab Juli wieder 217 Orte in 38 Ländern von Deutschland aus angeflogen werden. Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG, sagte am Dienstag bei der Vorstellung der mittelfristigen Ziele der Kranich-Airline: „Jetzt ist es Zeit, mit Zuversicht nach vorne zu schauen“. Bis 2024 prognostiziert er ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von mindestens acht Prozent, sowie ein Ergebnis auf das eingesetzte Kapital von mindestens zehn Prozent für die größte deutsche Fluggesellschaft.

Lufthansa plant zusätzliche Milliarden Einsparungen

Entgegen der besseren Buchungszahlen und der positiven Prognose gab der Kurs der Deutschen Lufthansa AG am Dienstag erst einmal wieder nach. Während die Aktie am Dienstag bei Eröffnung auf Xetra noch bei EUR 10,76 lag, notierte das Papier zum Schluss schon über drei Prozent tiefer bei EUR 10,33. Die Zurückhaltung unter den Anlegern resultiert vor allem aus der näher rückenden Kapitalerhöhung, welche auf der Hauptversammlung des Unternehmens Anfang Mai bereits von den Aktionären genehmigt wurde. Aktionäre befürchten offenbar eine Verwässerung ihrer Anteile. Zur Vorbereitung wurden bereits vier Banken mandatiert. Mit den bis zu EUR 5,5 Mrd. an frischem Kapital will man vor allem die unbeliebten Gelder aus dem staatlichen Rettungspaket zurückzahlen und somit die Einflussmöglichkeiten der Deutschen Bundesregierung verringern. Von den auf Deutschland entfallenden EUR 6,8 Mrd. an Hilfsgeldern hat die Airline-Gruppe bisher nur knapp EUR 2 Mrd. genutzt. Die Hälfte hiervon wurde mit Geld aus neuen Anleihen bereits wieder getilgt, womit der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit der Lufthansa bald umgesetzt werden könnte.

Der Konzern befindet sich aktuell im Umbau und plant, gestärkt aus der Krise zurückzukommen. Profitabilität will man vor allem durch massive Kosteneinsparungen erreichen. Etwa die Hälfte der geplanten Einsparungen in Höhe von EUR 3,5 Mrd. soll durch niedrigere Personalkosten erfolgen. Auch der Abbau von knapp 26.000 Mitarbeitern fällt hierunter. Die Lufthansa Group verspricht sich durch die Kombination aus neuem Kapital und neuen Kostenstrukturen, in Zukunft wieder wettbewerbsfähiger zu werden.

Airbus begrüßt Beendigung der Strafzölle

Noch in der Hochphase der Pandemie musste der weltgrößte Flugzeughersteller Airbus massive Einschnitte hinnehmen. Denn aufgrund ausbleibender Flüge wurde die Produktion neuer Maschinen zeitweise um bis zu 40 Prozent gekürzt. Viele Airlines konnten entweder aus finanziellen Gründen bereits bestellte Maschinen nicht mehr übernehmen oder aufgrund des Lockdowns war es ihnen nicht möglich, die Jets an den Airbus Produktionsstandorten in Toulouse oder Hamburg abzuholen. Mit Rückkehr des Flugverkehrs macht sich bei Airbus wieder vermehrt Optimismus breit und so setzt man sich sehr optimistische Ziele für die Zukunft. Denn schon in zwei Jahren will der Konzern 64 Kurz- und Mittelstreckenmaschinen pro Monat produzieren und bis 2025 soll die Produktion sogar auf bis zu 75 Maschinen ausgeweitet werden. Ebenso soll die Auslieferungen des kleineren A220 nahezu verdreifacht werden. Der Chefökonom der International Air Transport Association (Iata) Brian Pearce erwartet eine rasche Erholung, denn bereits im zweiten Halbjahr 2021 soll die Nachfrage nach Flügen wieder deutlich anziehen. Ab 2023 sollen wieder mehr Menschen fliegen als vor dem Ausbruch der Pandemie.

Auch die politischen Rahmenbedingungen scheinen sich zu bessern, denn, wie kürzlich bekannt wurde, haben die EU und die USA einen Kompromiss im Streit über Strafzölle gefunden. Der Streit über die staatlichen Hilfen für den US-Flugzeugbauer Boeing und seinen europäischen Rivalen Airbus konnte somit gelöst werden. Bislang hatten beide Seiten über viele Jahre die jeweils eigenen Flugzeugbauer subventioniert und sich dann gegenseitig wegen Wettbewerbsverzerrung vor der Welthandelsorganisation WTO verklagt. WTO-Schiedsgerichte hatten die Subventionen für illegal erklärt und milliardenschwere Strafzölle erlaubt. Unter dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump eskalierte dieser Streit mit der Einführung von Strafzöllen auf Importe aus der EU. Die EU wiederum reagierte mit Sonderabgaben für Einfuhren aus den USA. Am Rande des EU-USA-Gipfels in Brüssel gaben die Parteien bekannt, dass die gegenseitig verhängten Strafzölle für fünf Jahre ausgesetzt werden. "Dieses Treffen begann mit einem Durchbruch bei Flugzeug-Herstellern", erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die Flugzeughersteller Airbus und Boeing begrüßten die Einigung. Die beiden Konzerne dürfte die Einigung stark entlasten.

Die Aktien im Überblick


Die Aktie der Lufthansa AG wird aktuell bei EUR 10,61 (17.06.2021) gehandelt. Das Jahreshoch wurde bei EUR 12,78 (03.03.2021) und das Jahrestief bei EUR 7,05 (25.09.2020) erreicht. Bei Bloomberg setzen 2 Analysten die Aktie auf BUY, 5 auf HOLD und 22 Analysten setzen sie auf SELL.


Die Aktie von Airbus S.A.S. wird aktuell bei EUR 115,16 (17.06.2021) gehandelt, was gleichzeitig dem Jahreshoch entspricht. Das Jahrestief wurde bei EUR 59,65 (24.09.2020) erreicht. Bei Bloomberg setzen 20 Analysten die Aktie auf BUY, 9 auf HOLD und kein Analyst setzen sie auf SELL.

Ausgewählte Risiken:

Marktrisiko: Die Entwicklung der Aktienkurse der jeweiligen Unternehmen ist von vielen unternehmerischen, konjunkturellen und ökonomischen Einflussfaktoren abhängig, die der Anleger bei der Bildung seiner Marktmeinung zu berücksichtigen hat. Der Aktienkurs kann sich auch anders entwickeln als erwartet, wodurch Verluste entstehen können.

Emittenten- / Bonitätsrisiko: Anleger sind dem Risiko ausgesetzt, dass Emittent und Garant ihre Verpflichtungen aus dem Produkt und der Garantie - beispielsweise im Falle einer Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit / Überschuldung) oder einer behördlichen Anordnung von Abwicklungsmaßnahmen - nicht erfüllen können. Eine solche Anordnung durch eine Abwicklungsbehörde kann im Falle einer Krise des Garanten auch im Vorfeld eines Insolvenzverfahrens ergehen. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Das Produkt unterliegt als Schuldverschreibung keiner Einlagensicherung.

Wichtige Hinweise: Diese Information ist weder eine Anlageberatung noch eine Anlagestrategie- oder Anlageempfehlung, sondern Werbung. Die vollständigen Angaben zu den Wertpapieren, insbesondere zur Struktur und zu den mit einer Investition verbundenen Risiken, sind in dem Basisprospekt, nebst etwaiger Nachträge, sowie den jeweiligen Endgültigen Bedingungen beschrieben. Der Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen stellen das allein verbindliche Verkaufsdokument der Wertpapiere dar. Es wird empfohlen, dass potenzielle Anleger diese Dokumente lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollständig zu verstehen. Die Dokumente sowie das Basisinformationsblatt sind auf der Internetseite des Emittenten, Vontobel Financial Products GmbH, Bockenheimer Landstraße 24, 60323 Frankfurt am Main, Deutschland, unter prospectus.vontobel.com veröffentlicht und werden beim Emittenten zur kostenlosen Ausgabe bereitgehalten. Die Billigung des Prospekts ist nicht als Befürwortung der angebotenen oder zum Handel an einem geregelten Markt zugelassenen Wertpapiere zu verstehen. Bei den Wertpapieren handelt es sich um Produkte, die nicht einfach sind und schwer zu verstehen sein können. In dieser Information sind Angaben enthalten, die sich auf die Vergangenheit beziehen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

27.07.2021 18:16:39

 
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