Pharma- und Chemiebranche im Wandel

Pharma- und Chemiebranche im Wandel

Freitag, 26. Februar 2021Lesezeit: 5 Minuten

Während die Bayer AG im vergangenen Geschäftsjahr große Verluste hinnehmen musste, konnte sich der Werkstoffhersteller Covestro, welcher im Jahr 2015 aus der Kunststoffsparte des Bayer-Konzerns hervorgegangen war, trotz der weltweiten Pandemie rasch erholen. Auch der Schweizer Pharmariese Roche nutzte das Krisenjahr 2020 für sich und etabliert sich als einer der führenden Hersteller von COVID-19-Tests.

Bayer mit Rekordverlust

Der deutsche Pharma- und Agrarchemieriese Bayer musste im Geschäftsjahr 2020 einen Nettoverlust in Rekordhöhe hinnehmen. Dieser betrug rund EUR 10,5 Mrd. und kann auf mehrere Ursachen zurückgeführt werden. Zum einen sind infolge der umstrittenen Akquisition des US-amerikanischen Saatgutherstellers Monsanto im Jahr 2018 und den damit verbundenen, diversen Gerichts- und Ausgleichszahlungen an die rund 125.000 Monsanto-Kläger hohe außerplanmäßige Kosten entstanden. Zum anderen ist der Rekordverlust von milliardenschweren Abschreibungen im Agrargeschäft geprägt. Die Verluste im Agrargeschäft, welches in der Crop-Science-Sparte des Konzerns angesiedelt ist, können vor allem auf einen Nachfragerückgang auf dem Schlüsselmarkt Nordamerika zurückgeführt werden. Dort reduzierten sich die Anbauflächen, was die lokale Nachfrage nach Agrargütern aus dem Hause Bayer um 30 Prozent wegbrechen lies. Nach eigenen Angaben möchte der Konzern diesen Umsatzverlusten mit der Teilveräußerung seiner Agrarspalte entgegenwirken. Demnach soll die Sparte Environmental Science, welche Produkte für die Schädlingsbekämpfung anbietet, für rund EUR 600 Mio. verkauft werden. Währenddessen konnte die Bayer AG in der Pharmasparte eine Einigung mit dem Tübinger Unternehmen Curevac treffen. Demnach soll der Konzern Ende des Jahres einen Teil der Herstellung des Vakzins von Curevac übernehmen.

Covestro gelingt rasche Erholung

Dem Kunststoffkonzern Covestro gelingt es, die bereits gegen Ende des vergangenen Jahres einsetzende, deutliche Erholung auch im aktuellen Jahr weiter fortzusetzen. Auch wenn die Krise den Konzern aus Leverkusen hart getroffen hat und die Umsätze im Geschäftsjahr 2020 um 13,7 Prozent zurückgingen, sorgt die derzeit ansteigende Nachfrage nach weichen Kunststoffen und Zusätzen für Lacke für deutliche Erholung bei der einstigen Bayer-Sparte. Ausschlaggebend hierfür sind die weiterhin postive Baukonjunktur, die schnelle Erholung der Automobilbranche sowie die wachsende Nachfrage nach Heim- und Unterhaltungselektronik. Auch die Produktionsengpässe der Konkurrenz halfen Covestro. Wie der Konzern diese Woche mitteilte, strebt Covestro für 2021 das Erreichen des Vor-Pandemie-Niveaus und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITA) zwischen EUR 1,7 und 2,2 Mrd. an. Dazu beitragen soll ab dem zweiten Quartal das Geschäft mit nachhaltigen Beschichtungsharzen des niederländischen Wettbewerbers DSM, dessen Übernahme Covestro im vergangenen September bestätigen konnte. Das DSM-Geschäft soll die Covestro-Sparte CAS, welche sich auf Lacke und Klebstoffrohstoffe spezialisiert hat, stärken. Nach dem Willen der Unternehmensleitung soll diese Sparte schon im aktuellen Jahr rund die Hälfte zum angepeilten Wachstum im Kerngeschäft des Kunststoffkonzerns, welches mit 10 bis 15 Prozent veranschlagt wurde, beitragen.

Roche führend bei den Covid-19-Tests

Der Pharmakonzern Roche musste ein eher durchwachsendes Geschäftsjahr hinnehmen, denn weltweit sanken die Umsätze pandemiebedingt um rund fünf Prozent auf CHF 58,3 Mrd. (EUR 53,9 Mrd.), was zunächst widersprüchlich klingt, da man vermuten könnte, dass ein Medizinunternehmen an der aktuellen Situation profitieren sollte. Jedoch schlug die deutlich reduzierte Anzahl an „gewöhnlichen“ Arztbesuchen und die damit verbundenen Verschreibungen von Roche-Produkten beim Schweizer Pharmariesen deutlich zu Buche. Die gesamte Pharmasparte von Roche musste deswegen starke Einbußen hinnehmen. Im Gegensatz hierzu konnte das Baseler Unternehmen die entstandenen Verluste durch die florierende Diagnostiksparte kompensieren, denn das margenstarke Geschäft mit den Covid-19-Tests wuchs rasant. Währungsbereinigt kam somit für den Pharmakonzern im abgelaufenen Jahr sogar noch ein Plus von einem Prozent heraus. Auch für das aktuelle Jahr rechnet Konzernchef Severin Schwan währungsbereinigt mit einem Wachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Wachstumstreibend ist hier allen voran die leistungsfähige Diagnostiksparte. Der Pharmakonzern Roche ist einer der führenden Hersteller von Covid-19-Tests, bei welchen die Nachfrage aktuell nicht größer sein könnte. Alleine im vergangenen Jahr entwickelten die Schweizer 15 verschiedene Covid-19-Tests und, wie Anfang Februar bekannt wurde, beantragte Roche die Notfallzulassung für einen weiteren Corona-Schnelltest. Dieser solle laut Angaben des Unternehmens noch effektiver sein und bereits innerhalb von 15 Minuten verlässliche Ergebnisse liefern. Da die Testungen ein essentieller Bestandteil im Kampf gegen die Verbreitung des Virus sind, werden die Tests von Roche weiter stark nachgefragt. Eine weitere positive Meldung gab es bezüglich dem von Roche entwickelten Medikament Actemra, denn, wie die jüngste Studien zeigen, verringert sich hiermit das Sterberisiko bei Covid-Patienten enorm. Des Weiteren plant der Pharmakonzern die Entwicklung weiterer Medikamente, die die Folgen einer Erkrankung mildern sollen. Allen voran die sehr starke Diagnostiksparte von Roche verhilft somit dem Unternehmen, nicht nur unbeschadet die Krise zu überstehen, sondern darüber hinaus eine weitere Wachstumssparte langfristig zu etablieren.

 

Die Aktien im Überblick


Die Aktie der Bayer AG wird aktuell bei EUR 53,04 (25.02.2021) gehandelt. Das Jahreshoch wurde bei EUR 72,60 (23.06.2020) und das Jahrestief bei EUR 40,36 (30.10.2020) erreicht. Bei Bloomberg setzen 18 Analysten die Aktie auf BUY, 11 auf HOLD und ein Analyst setzen sie auf SELL.


Die Aktie der Covestro AG wird aktuell bei EUR 62,14 (25.02.2021) gehandelt, was gleichzeitig dem Jahreshoch entspricht. Das Jahrestief wurde bei EUR 24,90 (16.03.2020) erreicht. Bei Bloomberg setzen 18 Analysten die Aktie auf BUY, 6 auf HOLD und 3 Analysten setzen sie auf SELL.


Die Aktie der F. Hoffmann-La Roche AG wird aktuell bei CHF 300,00 (25.02.2021) gehandelt. Das Jahreshoch wurde bei CHF 354,05 (15.05.2020) und das Jahrestief bei CHF 274,45 (12.03.2020) erreicht. Bei Bloomberg setzen 20 Analysten die Aktie auf BUY, 10 auf HOLD und ein Analyst setzen sie auf SELL.

Ausgewählte Risiken

Korrelationsrisiko: Multi Aktienanleihen mit Barriere (Worst of): Dieser Typ der Aktienanleihen bezieht sich auf mehrere Basiswerte. Damit ist der Grad der Abhängigkeit der Wertentwicklung der Basiswerte voneinander (sog. Korrelation) wesentlich für die Beurteilung des Risikos, dass mindestens ein Basiswert seine Barriere erreicht. Anleger sollten beachten, dass bei mehreren Basiswerten für die Bestimmung des Auszahlungsbetrags der Basiswert maßgeblich ist, der sich während der Laufzeit der Wertpapiere am schlechtesten entwickelt hat (sog. Worst-of-Struktur). Das Risiko eines Verlusts des investierten Kapitals ist daher bei Worst-of-Strukturen wesentlich höher als bei Wertpapieren mit nur einem Basiswert.

Marktrisiko: Die Entwicklung der Aktienkurse der jeweiligen Unternehmen ist von vielen unternehmerischen, konjunkturellen und ökonomischen Einflussfaktoren abhängig, die der Anleger bei der Bildung seiner Marktmeinung zu berücksichtigen hat. Der Aktienkurs kann sich auch anders entwickeln als erwartet, wodurch Verluste entstehen können.

Emittenten- / Bonitätsrisiko: Anleger sind dem Risiko ausgesetzt, dass Emittent und Garant ihre Verpflichtungen aus dem Produkt und der Garantie - beispielsweise im Falle einer Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit / Überschuldung) oder einer behördlichen Anordnung von Abwicklungsmaßnahmen - nicht erfüllen können. Eine solche Anordnung durch eine Abwicklungsbehörde kann im Falle einer Krise des Garanten auch im Vorfeld eines Insolvenzverfahrens ergehen. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Das Produkt unterliegt als Schuldverschreibung keiner Einlagensicherung.

Wichtige Hinweise: Diese Information ist weder eine Anlageberatung noch eine Anlagestrategie- oder Anlageempfehlung, sondern Werbung. Die vollständigen Angaben zu den Wertpapieren, insbesondere zur Struktur und zu den mit einer Investition verbundenen Risiken, sind in dem Basisprospekt, nebst etwaiger Nachträge, sowie den jeweiligen Endgültigen Bedingungen beschrieben. Der Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen stellen das allein verbindliche Verkaufsdokument der Wertpapiere dar. Es wird empfohlen, dass potenzielle Anleger diese Dokumente lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollständig zu verstehen. Die Dokumente sowie das Basisinformationsblatt sind auf der Internetseite des Emittenten, Vontobel Financial Products GmbH, Bockenheimer Landstraße 24, 60323 Frankfurt am Main, Deutschland, unter prospectus.vontobel.com veröffentlicht und werden beim Emittenten zur kostenlosen Ausgabe bereitgehalten. Die Billigung des Prospekts ist nicht als Befürwortung der angebotenen oder zum Handel an einem geregelten Markt zugelassenen Wertpapiere zu verstehen. Bei den Wertpapieren handelt es sich um Produkte, die nicht einfach sind und schwer zu verstehen sein können. In dieser Information sind Angaben enthalten, die sich auf die Vergangenheit beziehen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

17.04.2021 01:28:40

 
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