Rohöl: Backwardation engt sich ein

Rohöl: Backwardation engt sich ein

Dienstag, 9. Juli 2019Lesezeit: 4 Minuten

Die Ölpreise schwächelten zu Wochenbeginn. Die anhaltenden Spannungen rund um das Thema Iran dürften einem weiteren Preisdruck am Terminmarkt aber entgegenstehen. Für Goldanleger stellt sich nach dem zuletzt starken Verlauf die Frage, wie es mit der Preisentwicklung weitergeht. Seitwärtsbewegung oder weiterer Anstieg? Viele Experten erwarten eine Fortsetzung der Rally. Silber handelte zu Wochenbeginn mit gut 15 US-Dollar je Feinunze noch deutlich unter dem im Februar verzeichneten 2019er-Hoch. Das Gold/Silber-Verhältnis war zeitweise auf über 93 gestiegen. Rückenwind von Investorenseite gab es zuletzt nicht.

Rohöl: Backwardation engt sich ein

Die Backwardation bei Brent-Öl hat sich Anfang Juli auf den tiefsten Stand seit März eingeengt. Während die Differenz zwischen dem Front-Monat und dem Kontrakt, der sechs Monate in der Zukunft liegt, Ende Mai noch bei 3,80 US-Dollar lag, betrug der Spread Anfang Juli nur noch 1,10 US-Dollar. Als Backwardation bezeichnet man den Zustand, wenn weiter in der Zukunft fällig werdende Futures billiger zu haben sind, als aktuellere Kontrakte.

Sollte Brent in einen Contango (Futures sind teurer als der Spot-Preis) gleiten, könnte dies bedeuten, dass der systematische Verkaufsdruck weiter zunehmen wird. Rohstoff-Fonds sind dann gezwungen, Positionen abzubauen, da sie in diesem Fall monatliche Rollverluste einfahren, sprich sie müssen billig verkaufen und teuer nachkaufen.

Die anhaltenden Spannungen rund um das Thema Iran dürften einem weiteren Preisdruck am Rohölmarkt grundsätzlich entgegenstehen. Der Sprecher der iranischen Atomenergiebehörde hatte zu Wochenbeginn verkündet, dass Teheran damit begonnen habe, Uran über das im internationalen Atomabkommen erlaubte Niveau hinaus anzureichern. Am Montag dieser Woche lag der Anreicherungsgrad bei 4,5 Prozent.

5-Jahres-Chart Rohöl, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 

Gold: Setzt sich die Rally fort?

Der Goldpreis hat starke Wochen hinter sich. Auch wenn er seit Mitte vergangener Woche eine Atempause macht, hat er doch am Tag zuvor noch den höchsten Stand seit mehr als sechs Jahren erreicht. Der Preisanstieg im Juni hat mit acht Prozent auf der Liste der besten Monate für Gold Platz 43 eingenommen. Mit Blick auf mehr als 50 Jahre ist dies ein beachtlicher Erfolg. 

Für Goldanleger und solche, die es werden wollen, stellt sich nun die Frage, wie es mit der Preisentwicklung weitergeht. Viele Experten erwarten eine Fortsetzung der Rally. „Bei Gold haben sich die Perspektiven aufgrund der neuen Ausrichtung der Notenbankpolitik deutlich aufgehellt“, schrieb Dora Borbély, Rohstoffexpertin bei der DekaBank im aktuellen Rohstoffreport. „Zinserhöhungen sind in weite Ferne gerückt, davon profitiert Gold“. Die zinslose Goldhaltung dürfte auf absehbare Zeit im Vergleich zu Geldanlageformen mit laufenden Erträgen relativ an Attraktivität gewonnen haben. „Auf Sicht der kommenden Monate könnten zudem die Unsicherheit bezüglich des Handelskonflikts und die Abschwächung der Weltwirtschaft jederzeit zu stärkeren Goldpreisanstiegen führen“, erwartet Borbély. 

Die Investmentbank Goldman Sachs hat schon Anfang des Jahres einen Anstieg des Preises zumindest bis auf 1.425 Dollar vorhergesagt und sich damit von den Prognosen anderer Banken abgehoben. Laut einer aktuellen Studie erwartet Goldman jetzt einen noch höheren Goldpreis innerhalb der nächsten zwölf Monate von 1.475 US-Dollar/Unze. Investoren würden von Rezessionsängsten und den fallenden Realzinsen in Amerika getrieben, so die Goldman-Analysten.

Das X-Markets-Team der Deutschen Bank argumentiert etwas zurückhaltender. Es sei schon bemerkenswert, dass sowohl Aktien als auch Gold derzeit gefragt seien. Wenn der Ausblick nach einer möglichen Entspannung im transpazifischen Handelskonflikt wieder etwas aufgehellter sei, könne das den Goldpreis drücken. 

5-Jahres-Chart Gold, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 

Silber: Ohne Fortune

Der Edelmetallsektor erlebt aktuell eine spannende Phase. Während Silber im vergangenen Monat mit einem Plus von 2,7 Prozent (ggü. Mai) und einem Monatsschlusskurs von 15,32 US-Dollar pro Feinunze weiterhin vor sich hindümpelt, legte Gold im Juni auf Monatssicht um fast acht Prozent zu. Das ist zunächst kein ungewöhnlicher Verlauf. Silber hinkt meist hinterher. Gold hat den deutlich größeren Markt und das institutionelle Geld fließt immer zuerst in das gelbe Edelmetall.

Silber handelte zu Wochenbeginn mit gut 15 US-Dollar je Feinunze noch deutlich unter dem im Februar verzeichneten 2019er-Hoch. Das Gold/Silber-Verhältnis war zeitweise auf über 93 gestiegen. Rückenwind von Investorenseite gab es zuletzt nicht. Im Gegensatz zu Gold haben die spekulativen Finanzanleger ihre Longinvestments bei Silber nicht erhöht, sondern vielmehr leicht reduziert. 

Warum die starken Zuflüsse in die Silber-ETFs - seit Anfang Juni über 800 Tonnen – dem Silberpreis keinen Auftrieb geben, ist für Experten allerdings dann doch nicht ganz nachvollziehbar. Eine Erklärung seien die schwachen Industriemetallpreise, da Silber nach wie vor mehrheitlich in der Industrie verwendet werde, begründet Commerzbank-Analyst Daniel Briesemann die fortgesetzte Preisschwäche. Die Frankfurter Experten behalten ihre Preisprognose für Silber bei und erwarten am Jahresende weiterhin eine Notiz von 16,50 US-Dollar/Unze. 

 

5-Jahres-Chart Silber, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 

 


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19.08.2019 01:46:32

 
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