Rohöl: Nachfragesorgen rücken in den Hintergrund

Rohöl: Nachfragesorgen rücken in den Hintergrund

Dienstag, 30. Juli 2019Lesezeit: 3 Minuten

Die Ölpreise legen seit Wochenbeginn zu. Am Markt wurden die Aufschläge u. a. mit der Hoffnung auf Fortschritte zur Beilegung des Handelsstreits zwischen den USA und China erklärt. Gold handelt diese weiterhin in der Nähe seines am 18. Juli erreichten Sechsjahreshochs. Ob der Goldpreis seinen Aufwärtstrend fortsetzen kann, bleibt abzuwarten. Die Chancen stehen gut. Der Aluminium Preis ist nach einem kurzen Ausflug über die Marke von 1.800 Dollar/Tonne wieder auf dem Rückzug.

Rohöl: Nachfragesorgen rücken in den Hintergrund

Die Ölpreise legen seit Wochenbeginn zu. Am Markt wurden die Aufschläge u. a. mit der Hoffnung auf Fortschritte zur Beilegung des Handelsstreits zwischen den USA und China erklärt. Chinesische und amerikanische Unterhändler haben sich am Dienstag zu zweitägigen Gesprächen in Shanghai verabredet. Mit von der Partie: US-Finanzminister Steven Mnuchin und der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer. Auf chinesischer Seite wird Vizepremier Liu He die Verhandlungen leiten.

Die Wiederaufnahme der Gespräche lässt die zuletzt aufgekommenen Nachfragesorgen am Ölmarkt etwas in den Hintergrund rücken. Dagegen werden das knappe Angebot sowie die Angebotsrisiken nun wieder stärker beachtet. „Die Aussichten für den Ölpreis sind nicht so schlecht, die Angespanntheit dürfte auch für den Rest des dritten Quartals anhalten“, sagte Eugen Weinberg, Leiter des Rohstoff-Research der Commerzbank. „Die Ängste vor einem Nachfrageeinbruch waren übertrieben, auch stärkere Angebotssorgen sind fehl am Platz“. Der Markt gehe nun realistischer vor. Gleichwohl unterschätze er die Risiken im Nahen Osten, betont Weinberg. So könnte eine einseitige Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran rund 20 Prozent der weltweiten Öllieferungen unterbrechen.

An anderer Stelle zeigt sich eine Entspannung. So will die Regierung der kanadischen Ölprovinz Alberta die zu Jahresbeginn in Kraft gesetzte Begrenzung der Ölproduktion im September weiter aufweichen, wie die Commerzbank berichtete. Die Produktionsobergrenze wird demnach um 25.000 Barrel pro Tag angehoben. Damit könnten die kanadischen Ölproduzenten dann 200.000 Barrel pro Tag mehr produzieren als noch zu Jahresbeginn.

5-Jahres-Chart Brent, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

  

 

Gold profitiert vom Zins

Gold handelt diese Woche trotz des ebenfalls im Aufwind befindlichen US-Dollars weiterhin auf hohem Niveau deutlich über der psychologisch wichtigen Marke von 1.400 US-Dollar je Feinunze. Am 18. Juli 2019 wurde bei 1.448,15 US-Dollar pro Unze ein Sechsjahreshoch markiert.  

Ob der Goldpreis seinen Aufwärtstrend fortsetzen und sogar deutlich über die Marke von 1.500 US-Dollar je Feinunze steigen kann, bleibt abzuwarten. Eugen Weinberg, Leiter der Rohstoffanalyse der Commerzbank, hält höhere Notierungen in den kommenden Monaten durchaus für möglich. Preistreiber seien Zinssenkungsspekulationen, die zu einem ausgeprägten Rückgang der Anleiherenditen geführt hätten. In Deutschland lagen im Juli die nominalen Anleiherenditen bis einschließlich einer Laufzeit von 15 Jahren temporär im negativen Bereich. Auch die Nominalrenditen von Anleihen anderer Länder der Eurozone ereilte dieses Schicksal. Der damit einhergehende Anlagenotstand treibt die Investoren in alternative Assets: Gold gewinnt als „zinslose“ (und gleichzeitig langfristig wertstabile) Anlage durch Negativzinsen an Attraktivität.

Zur jüngsten Kursrally haben auch die Notenbanken beigetragen, wie Zahlen vom World Gold Council (WGC) verdeutlichen. Vor allem asiatische Notenbanken haben ihre Reserven kräftig aufgestockt. Beispielsweise erhöhte die People Bank of China (PBoC) im Mai ihre Bestände um 16 Tonnen und setzte im Juni weitere 10 Tonnen Gold oben drauf. Damit hat die Notenbank seit Dezember vergangenen Jahres ihre Goldreserven um insgesamt rund 85 Tonnen (per Ende Juni) ausgeweitet.

5-Jahres-Chart Gold, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

Aluminium: Starke Produktion, schwächelnde Nachfrage

Aluminium handelt diese Woche wieder deutlich unter der Marke von 1.800 US-Dollar je Tonne. In der vergangenen Woche war der Preis noch bis 1.833 US-Dollar/Tonnen gestiegen. Aus Sicht von Commerzbank-Analyst Daniel Briesemann wackelt nun das 2½-Jahrestief von Mitte Juni bei 1.750 US-Dollar.

Aus fundamentaler Sicht spricht nach Erachten von Briesemann derzeit kaum etwas für nachhaltig höhere Preise. So laufe die globale Aluminiumproduktion weiterhin auf Hochtouren, während die Nachfrage Schwächen zeige. Gemäß Daten des International Aluminium Institute (IAI) lag die globale Aluminiumproduktion im Juni mit fast 175.000 Tonnen pro Tag leicht über dem Vormonat. Weltweit wurden im ersten Halbjahr 31,6 Mio. Tonnen Aluminium produziert. Damit lag die Produktion auf Vorjahresniveau.

Zuletzt hat ein großer US-Aluminiumproduzent zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten seine weltweite Nachfrageprognose reduziert. Er erwartet für dieses Jahr jetzt noch ein Nachfrageplus von 1,25 bis 2,25 Prozent. Bis dato legte die globale Aluminiumnachfrage noch um 4 Prozent oder mehr pro Jahr zu. Gründe für die schwächere Dynamik sind der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie die sich abschwächende weltweite Konjunktur.

 

5-Jahres-Chart Aluminium, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

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22.11.2019 21:29:22

 
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