Ölmarkt zeigt sich diametral im Vergleich zum Vorjahr

Ölmarkt zeigt sich diametral im Vergleich zum Vorjahr

Mittwoch, 16. Mai 2018Lesezeit: 4 Minuten

Der Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran hat die Ölpreise vergangene Woche auf den höchsten Stand seit Ende 2014 getrieben. Zu Beginn der neuen Handelswoche haben sich die Preise wieder etwas verbilligt, bleiben aber auf recht hohem Niveau.

Rohöl: Vom Angebots- zum Nachfrageüberschuss

Der Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran hat die Ölpreise vergangene Woche auf den höchsten Stand seit Ende 2014 getrieben. Grund war die Furcht am Markt vor Angebotsengpässen, da die USA ihr Sanktionsregime gegen Teheran wieder in Kraft setzen wollen. Weitere 2,5 Mio. Barrel Rohöl pro Tag stehen nun zur Disposition. Dies könnte das Marktgleichgewicht endgültig in Richtung eines schweren Angebotsdefizits kippen. Zu Beginn der neuen Handelswoche haben sich die Preise wieder etwas verbilligt, bleiben aber auf recht hohem Niveau. Brent-Öl kostete letzte Woche knapp 78 US-Dollar je Barrel, am Montag waren es zeitweise 60 Cent weniger je 159 Liter-Fass.

Auch aus Sicht der Commerzbank wird das Thema Iran-Sanktionen die Ölpreise hoch halten. Die USA hätten den Druck auf die westlichen Verbündeten, sich den Sanktionen anzuschließen, erhöht. Der Nationale Sicherheitsberater John Bolton etwa habe angedeutet, dass europäische Unternehmen sanktioniert würden, die mit dem Iran Geschäfte machen. „Die Unsicherheit darüber dürfte viele Unternehmen vorsichtig werden lassen, neue Lieferkontrakte mit dem Iran abzuschließen, was in den kommenden Monaten einige hunderttausend Barrel pro Tag weniger Ölangebot für den ohnehin schon unterversorgten Markt bedeuten würde“, glauben die Experten. Ein vollständiges Ölembargo der EU gegen den Iran wie zwischen 2012 und 2015 dürfte es vorerst aber nicht geben.

Der Ölmarkt stellt sich heute diametral zu dem von vor einem Jahr dar. Der Preis für Rohöl ist innerhalb der letzten zwölf Monate um mehr als die Hälfte gestiegen. Noch Anfang 2016 war der Preis kurzzeitig unter 30 Dollar je Barrel gefallen. „Die Akteure auf den Märkten haben wirksame Mittel gefunden, um die Ölschwemme dieser Zeit einzudämmen", sagt EID-Experte Rainer Wiek. Denn jahrelang förderten die Ölproduzenten mehr Rohöl, als weltweit gebraucht wurde, und füllten so die Lager. Das sei vorbei. In den USA lägen die Lagerbestände bei Rohöl um 17 Prozent unter dem Vorjahr, bei Benzin und Diesel sogar um 23 Prozent.

Gold: Geopolitische Risiken sollte die Notierung stützen

Gold ist im Umfeld erneuter Verluste des US-Dollars fester in die neue Handelswoche gestartet. Sein bisheriges 2018er-Jahreshoch hatte der Greenback am vergangenen Mittwoch erreicht, als er gemessen am US-Dollar-Index in der Spitze bei 93,22 Punkten notierte. Seitdem haben enttäuschende US-Inflationsdaten die US-Zinsaussichten eingetrübt und zu einer Korrektur des US-Dollars geführt. Hinzu kam ein Rückgang der Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen. Diese Entwicklung stützte den Goldpreis. Das Edelmetall reagiert generell sensibel auf die Bewegungen des US-Dollars. Ein schwächerer US-Dollar macht das Edelmetall attraktiver für Investoren außerhalb des US-Dollarraums und umgekehrt.

Auf die Aufkündigung des Atom-Abkommens mit dem Iran durch US-Präsident Donald Trump hat der Goldpreis zuletzt nicht reagiert. Analysten hatten indes erwartet, dass Gold als sicherer Hafen gefragt ist und merklich zulegt. Trump habe mit seiner Entscheidung für Instabilität in der Region und für Spannungen zwischen den USA und dem Rest der Welt gesorgt, schrieb die Commerzbank in einem Kommentar. Vieles hänge jetzt davon ab, wie der Iran und die europäischen Länder reagieren. Sollten nun die Wirtschaftsbeziehungen zum Iran gekappt werden, könnte die Islamische Republik dies zum Anlass nehmen, das Atomwaffenprogramm wiederaufzunehmen. „Dieses latente geopolitische Risiko sollte den Goldpreis stützen“, so die Experten.

Bald jedoch könnte Gold zudem aufgrund veränderter Inflationsperspektiven als Versicherung zunehmend gefragt sein. Das erwarten die Experten der Helaba. Vor allem die stark steigenden Rohölpreise dürften der Teuerung auf die Sprünge helfen. Dies könnte die Goldhaltung als eine Möglichkeit der realen Werterhaltung wieder in Mode kommen lassen, heißt es im aktuellen Rohstoffreport.

Platin: Globaler Angebotsüberschuss dämpft Preisavancen

Platin hat zuletzt gegenüber Gold etwas aufgeholt. Die Preisdifferenz zwischen den beiden Edelmetallen hat sich erstmals seit Anfang Mai wieder auf unter 400 US-Dollar je Feinunze verkürzt. Mitte April lag sie noch bei rekordhohen 421 US-Dollar. Der Preisabschlag von Platin zum Brudermetall Palladium hat sich dagegen wieder auf über 70 US-Dollar ausgeweitet. Palladium kostet mittlerweile wieder rund 1.000 US-Dollar je Feinunze.

Die aktuelle und zu erwartende Marktsituation dürfte größere Preissprünge bei Platin im Gegensatz zu Palladium verhindern. Das World Platinum Investment Council (WPIC) geht für 2018 von einem globalen Angebotsüberschuss von 180.000 Unzen aus, wie die Analysten der Commerzbank berichten. Gegenüber dem Vorjahr reduziere sich der Überschuss damit allerdings um 43 Prozent. Das auf Edelmetalle spezialisierte Researchhaus Metals Focus rechne für 2018 hingegen mit einem geringeren Angebotsüberschuss bei Platin von 40.000 Unzen, nach fast 70.000 Unzen im Vorjahr, hieß es weiter.

Der globale Palladiummarkt solle dagegen ein beträchtliches Defizit von 1,239 Mio. Unzen aufweisen. Das wären nochmals deutlich mehr als im letzten Jahr, als das Angebot der Nachfrage um 828.000 Unzen hinterherhinkte. Nach Einschätzung der Rohstoffexperten der Commerzbank dürften diese Zahlen aber bereits hinreichend in den Notierungen für Platin und Palladium eingepreist sein.

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24.05.2018 17:39:23

 
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