Gold: Seitwärtskonsolidierung nach Sechs-Jahres-Hoch

Gold: Seitwärtskonsolidierung nach Sechs-Jahres-Hoch

Mittwoch, 17. Juli 2019Lesezeit: 4 Minuten

Die Hoffnung auf baldige Leitzinssenkungen hat den Goldpreis Ende Juni auf den höchsten Stand seit sechs Jahren klettern lassen. Seither kommt es zu einer Seitwärtskonsolidierung. Der ungelöste Iran-Konflikt, ein Tropensturm in den USA und ein deutlicher Rückgang der russischen Ölproduktion haben zuletzt den Ölpreis nach oben getrieben. Trockenheit im Mittleren Westen der USA hat den Maispreis in die Nähe eines Fünf-Jahres-Hochs steigen lassen.

Gold: Seitwärtskonsolidierung nach Sechs-Jahres-Hoch

Die Aussicht auf baldige Zinssenkungen insbesondere in den USA hat den Goldpreis Ende Juni bis auf rund 1.440 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit rund sechs Jahren klettern lassen. Am Markt wird erwartet, dass die Federal Reserve Bank (Fed) bei ihrer nächsten Sitzung am 30./31. Juli zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt die Leitzinsen senkt, was Investitionen in das zinslose Edelmetall attraktiver macht. Hintergrund ist die Sorge vor zunehmenden wirtschaftlichen Risiken. Fed-Präsident Jerome Powell hatte die Hoffnungen auf Zinssenkungen bei Auftritten vor dem US-Kongress in der vergangenen Woche weiter angeheizt. Powell hatte erneut die Bereitschaft der Fed signalisiert, "angemessen zu handeln", um nachhaltiges Wachstum zu sichern. Die US-Terminmärkte preisen inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 73 Prozent ein, dass die Fed den Leitzins am 31. Juli um 0,25 Prozentpunkte senken wird. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 27 Prozent wird sogar eine Zinssenkung um 0,50 Prozentpunkte eingepreist.

Auch in Europa stehen die Zeichen wieder auf eine Lockerung der Geldpolitik. In dem in der vergangenen Woche veröffentlichten Protokoll der letzten EZB-Ratssitzung heißt es, dass der EZB-Rat "bereit und vorbereitet sein muss, die geldpolitische Haltung durch Anpassung aller seiner Instrumente weiter zu lockern."

Die zu Wochenbeginn gemeldeten Daten aus der US-Industrie waren allerdings ebenso wie die Arbeitsmarktdaten für Juni positiv ausgefallen und sprechen eher nicht für eine baldige Zinssenkung in den USA. Wie die New Yorker Federal Reserve Bank am Montag mitteilte, ist der Empire State Manufacturing Index im Juli auf plus 4,3 Punkte gestiegen, von minus 8,6 Zählern im Juni. Analysten hatten im Konsens lediglich mit einem Zuwachs auf plus 1,6 Punkte gerechnet. Die zuletzt wieder relativ soliden Wirtschaftsdaten dürften aktuell aber eher weniger schwer wiegen als die Aussagen der Notenbanker, die eine Zinssenkung im Juni als äußerst wahrscheinlich erscheinen lassen.

5-Jahres-Chart Gold, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 

Kurzfristige Angebotssorgen lassen Ölpreis steigen

Seit Mitte Juli haben die Ölpreise deutlich zulegen können. Dabei hat auch der Iran-Konflikt die Sorgen vor einer Angebotsverschärfung angeheizt. Nachdem in Gibraltar ein iranischer Öltanker in der vergangenen Woche festgesetzt worden war, hatte der Iran angekündigt, sich bei der Urananreicherung nicht mehr an die im Atomabkommen genannten Grenzen halten zu wollen. Zudem ist ein Tanker aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, der unter der Flagge Panamas fährt, in der Straße von Hormus in der Nähe iranischer Hoheitsgewässer "verschwunden".  

Aber auch abseits der immer neuen Provokationen im Nahen Osten haben zahlreiche Meldungen zuletzt zumindest kurzfristig ein engeres Öl-Angebot erwarten lassen. Die US-Erdölproduzenten haben zuletzt im Golf von Mexiko aufgrund eines aufziehenden tropischen Sturms mehr als die Hälfte ihrer Produktion gestoppt (fast 1 Mio. Barrel Öl pro Tag). Zudem wurde bei der russischen Ölproduktion zuletzt ein deutlicher Rückgang verzeichnet.

Preisavancen vorerst eingedämmt. Laut IEA-Projektion von Freitag dürfte die steigende US-Ölproduktion die ohnehin schleppende globale Nachfrage überrollen und zu einem Anstieg der Öl-Lagerbestände in den nächsten neun Monaten weltweit führen. Auch die OPEC prognostizierte am Donnerstag trotz der bis März 2020 verlängerten Förderbeschränkungen einen Angebotsüberschuss im kommenden Jahr.

Nach der OPEC-Sitzung von 1. Juli und der OPEC-Plus-Sitzung vom 2. Juli zeigten sich in dem Bündnis Unstimmigkeiten. So beschwerte sich das OPEC-Mitglied Iran über den Einfluss des Nicht-OPEC-Ölstaates Russland. Kritisiert wurde, dass Saudi-Arabien und Russland schon im Rahmen des G20-Gipfels am Wochenende vor dem OPEC-Gipfel bilateral entschieden hatten, dass die Förderkürzungen verlängert werden sollten. Der Marktanteil der OPEC-Staaten geht seit Jahren zurück. Im Jahr 2012 lag der Anteil der OPEC-Staaten noch bei knapp unter 30 Prozent, 2018 aber nur noch bei 26 Prozent. Die USA haben durch den Ausbau der Fracking-Produktion ihren Anteil an der weltweiten Ölproduktion deutlich ausgebaut. Perspektivisch dürfte die hohe US-Ölförderung weiter Druck auf den Preis für Rohöl ausüben.

5-Jahres-Chart Rohöl, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 

Mais: Trockenheit im Mittleren Westen könnte die Ernte belasten

Der Maispreis nähert sich wieder einem Mitte Juni erreichten Fünf-Jahres-Hoch. Im Frühjahr hatten in den USA noch Überschwemmungen und übermäßige Regenfälle die Aussaat beeinträchtigt. Inzwischen sorgen Hitze und Trockenheit für sinkende Ernteerwartungen, obwohl das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) Ende Juni noch mit einer optimistischen Ernteprognose für Aufsehen gesorgt hatte.

Das USDA hatte seine Schätzung für die US-Maisernte um 1,4 Prozent auf 13,875 Milliarden Scheffel (352,4 Millionen Tonnen) angehoben. Allerdings hatte die Aufwärtsrevision der Prognose für die US-Maisernte nur kurzzeitig den Preis belastet. Denn in einer vorherigen Prognose hatte das Landwirtschaftsministerium eine deutlich geringere Anbaufläche unterstellt. Dass diese Prognose nach oben revidiert würde, war bereits erwartet worden. Jüngste Witterungsdaten lassen zudem die USDA-Schätzung eines Flächenertrages von 166 Scheffel je Morgen als zunehmend fraglich erscheinen.

Der Zustand der Maispflanzen hat sich nach dem wöchentlichen Crop Progress Report des USDA zuletzt verbessert, liegt aber weiter hinter dem Fünfjahresdurchschnitt zurück. Der Gesamtzustand der Maisernte wird in den Top-18-Staaten mit 58 Prozent als "gut bis ausgezeichnet" bewertet, verglichen mit 57 Prozent eine Woche zuvor. Viele Maispflanzen liegen allerdings noch hinter dem für die Zeit typischen Wachstumsstadium zurück.

 

5-Jahres-Chart Mais, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 


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18.10.2019 05:42:34

 
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