Gold: Notenbanken treiben Nachfrage an

Gold: Notenbanken treiben Nachfrage an

Dienstag, 5. Februar 2019Lesezeit: 4 Minuten

Die Nachfrage nach Gold und damit auch die Entwicklung des Goldpreises hängt von vielen Faktoren ab. 2018 haben auch die Notenbanken groß eingekauft und den Preis damit beeinflusst.

Rohöl: Fundamentaldaten hellen sich auf

Die Ölpreise setzten zum Start der neuen Handelswoche ihren am vergangenen Freitag begonnenen Anstieg zunächst fort. Brent kletterte auf ein frisches Zweimonatshoch bei 63,63 US-Dollar/Barrel. Doch im Handelsverlauf zu Wochenbeginn drehte der Wind. Gewinnmitnahmen führten zu Preisnachlässen, die Brent zurück in Richtung der 62 US-Dollar-Marke zogen.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern stützten zunächst die aktuellen Daten zur Entwicklung der Rigs in den USA. Am Freitagabend hatte Baker Hughes gemeldet, dass die Zahl der aktiven Bohrlöcher in den USA deutlich gesunken ist. Demnach waren in der Woche bis zum 25. Januar 847 Bohrlöcher in Betrieb und damit 15 weniger als in der Woche zuvor. Das ist das niedrigste Niveau seit Mai 2018. Die US-Produktion könnte demnach weniger stark zulegen als zuletzt noch befürchtet.

Die OPEC+-Allianz ist aktuellen Umfragen von Reuters und Bloomberg zufolge auf gutem Wege, die beschlossenen Förderbeschränkungen in die Tat umzusetzen. „Der Ölmarkt ist mehr oder weniger ausgeglichen“, urteilten Analysten der Commerzbank. Hinzu komme die Krise in Venezuela, die das Öl-Angebot schmälert. Die USA haben letzte Woche Sanktionen gegen den dortigen Ölsektor verhängt.

Nach Angaben der Commerzbank hinkt nur Russland mit seinen zugesagten Produktionskürzungen hinterher. Im Januar habe die Produktion laut Daten des Energieministeriums nur um 35.000 Barrel pro Tag unter dem Referenzniveau im Oktober gelegen. Ursprünglich wollte Moskau eine Drosselung um 50.000 Barrel pro Tag erreichen. Bei dem gegenwärtigen Tempo hätte Russland die zugesagte Kürzung um 230.000. Barrel pro Tag erst Ende des zweiten Quartals erreicht, was Saudi-Arabien kaum akzeptieren dürfte, so die Experten.

5-Jahres-Chart Rohöl, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 

Gold: Notenbanken treiben Nachfrage an

Die Nachfrage nach Gold und damit auch die Entwicklung des Goldpreises hängt von vielen Faktoren ab, deren Anteil und Einfluss in gewissen Phasen ganz unterschiedlich ausfallen kann. So haben sich in den letzten Jahren die Goldnachfrage der Exchange Traded Funds (ETFs), der US-Kurzfristzins und auch der Außenwert des US-Dollars ganz entscheidend auf die Goldpreisentwicklung ausgewirkt.

Letztes Jahr kam ein weiterer „Player“ mit ins Spiel, der die Goldnotiz prägte: Die internationalen Notenbanken setzten wieder auf das Edelmetall. Diese haben 2018 ihre Goldbestände netto um mehr als 651 Tonnen erhöht. Das ist der höchste Wert seit dem Ende der Goldpreisbindung des Dollars im Jahr 1971, wie der World Gold Council (WGC) in seinem Jahresbericht 2018 feststellte.

Den größten Goldeinkauf hat im vergangenen Jahr demnach die russische Zentralbank mit 274,3 Tonnen vollzogen. Damit macht sich das Finanzsystem des Landes weniger abhängig vom Dollar. Mit einigem Abstand landete die türkische Zentralbank mit 51,5 Tonnen auf dem zweiten Platz. Die chinesische Zentralbank vermeldete nach zweijähriger Pause als Golderwerber wieder einen Ankauf von 10 Tonnen.

Der Kaufrausch der Zentralbanken ist dem WGC zufolge im vergangenen Jahr der wichtigste Treiber der Goldnachfrage gewesen. „Es geht um große Anlagesummen“, bestätigte Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg im Interview mit dem „Handelsblatt“. „Aber aus den Handlungen der letzten Jahre kann man schließen, dass die meisten Notenbanken tendenziell dem Preistrend folgen. Sie kaufen, wenn die Preise steigen und sie höhere Preise erwarten. Das ist für viele in ihrer Anlagestrategie ein Investment wie Staats- oder Unternehmensanleihen. Aber damit können die Notenbanken natürlich den Preistrend verstärken“.

5-Jahres-Chart Gold, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

Silber: Keine Preisrally zu erwarten

Der Goldpreis ist wieder über die Marke von 1.310 US-Dollar je Feinunze gestiegen. Silber kratzt aktuell an der 16 Dollar-Marke je Feinunze, nachdem die Notiz das neue Jahr bei 15,50 Dollar begonnen hat. Beide Edelmetalle legten in den letzten Wochen zwar zu, allerdings schlug sich Gold im Vergleich erfolgreicher.

Normalerweise heißt es, Silber steige (und falle) prozentual stärker als Gold, weil der Ausgangswert des Preises geringer sei. Silber-Investments gelten insofern auch als ‚Hebel auf Gold‘. Müsste da der Silberpreis aktuell nicht viel stärker anziehen als der von Gold? Von kurzen Phasen abgesehen ist dem aber nicht so.

Dabei ist der Jahresbeginn statistisch gesehen eine erfreuliche Zeit für Silber. In den vergangenen 15 Jahren konnte das Metall insgesamt elf Mal in der ersten drei Monaten Gewinne einstreichen. Zudem lag der durchschnittliche Gewinn für diesen Zeitraum deutlich höher als die jeweiligen Verluste in den vier Jahren mit Abschlägen.

Experten erklären die in diesem Jahr insgesamt noch recht verhaltene Performance des weißgrauen Metalls mit dem Marktumfeld und der Eigenschaft von Silber als Industriemetall. „Die Fundamentaldaten bei Silber lassen momentan keine bessere Preisentwicklung gegenüber Gold zu,“ hieß es von der Commerzbank. Der Markt sei wegen einer nur verhaltenen Industrienachfrage und einer schwachen Nachfrage nach Münzen und Barren deutlich überversorgt, auch die Indexfonds auf Silber verzeichneten Abflüsse. Auch für den Fall einer Konjunkturerholung rechnen die Fachleute deshalb nicht mit einer Silber-Rally.

5-Jahres-Chart Silber, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

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20.02.2019 06:06:17

 
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