Gold: Noch weit entfernt vom Jahreshoch

Gold: Noch weit entfernt vom Jahreshoch

Dienstag, 30. Oktober 2018Lesezeit: 3 Minuten

Die jüngsten Marktturbulenzen haben den Preis aus der Reserve gelockt, allerdings ist die Notiz noch immer weit von ihren Hochständen zu Jahresbeginn entfernt. Woran liegt das?

Rohöl: Keine preistreibende Marktenge in Sicht

Der Fokus am Ölmarkt scheint sich wieder auf die Fundamentaldaten zu richten. Aus Sicht der Rohstoffanalysten der Commerzbank ist die vorherige spekulative Übertreibung so gut wie bereinigt und der Markt sucht nach einem neuen Gleichgewichtspreis. Sowohl bei Brent als auch bei WTI hätten die Großanleger in der Woche zum 23. Oktober ihre Netto-Long-Positionen massiv abgebaut.

Ab kommenden Montag werden strikte US-Sanktionen gegen iranische Ölexporte eingeführt, die das Land de facto vom Weltmarkt ausschließen und das Ölangebot entsprechend einengen könnten. In diesem Kontext sorgen Signale eines anderweitig erhöhten Angebots regelmäßig für Entspannung am Terminmarkt. So wurden zu Wochenbeginn auch jüngste Aussagen zur russischen Ölproduktion mit sinkenden Notierungen quittiert. Russlands Energieminister Nowak hatte zuvor geäußert, dass er für eine Reduzierung der Fördermenge seines Landes keine Grundlage sehe. Vielmehr machte er deutlich, dass die Fördermenge weiter auf dem aktuell hohen Niveau gehalten werde, oder sogar weiter steigen könnte.

Auch die Nachfrageseite entspannt sich. Im Juli hatte der globale Rohölverbrauch mit geschätzten 100,6 Mio. Barrel pro Tag seinen vorläufigen Peak erreicht. Im September betrug der Durchschnittsverbrauch nur noch 100,1 Mio. Barrel/ Tag. Dagegen ist die weltweite Rohölproduktion nach 99,5 Mio. Barrel im Juni auf 101,4 Mio. Barrel im September angestiegen. „Selbst wenn durch den Rückgang der Iran-Exporte noch einmal mehr als eine Million Barrel für den ‚offiziellen‘ Weltmarkt entfielen, müsste dies keine preistreibende Marktenge bedeuten“, kommentierte Heinrich Peters, Rohstoffanalyst bei der Helaba. Die Spekulation mit Blick auf den Iran-Komplex werde im November womöglich kurz noch einmal dominieren, sich aber nicht als nachhaltig erweisen, so der Experte.

Gold: Nur verhaltene Preisreaktion

Die jüngsten Marktturbulenzen haben den Goldpreis weiter angetrieben. Anders als noch beim Kursrutsch an den Börsen im Februar dieses Jahres hat die Notiz nun auf die Verluste am Aktienmarkt reagiert. Das gelbe Edelmetall kletterte am vergangenen Freitag auf 1.237 Dollar je Feinunze. Im Oktober stieg der Goldpreis bereits um gut 3,5 Prozent.

Das ist ein schönes Etappenziel. Fakt ist aber auch: Der Goldpreis ist noch immer weit von seinen Hochständen zu Jahresbeginn entfernt. Seinerzeit kostete das Edelmetall bis zu 1.365 US-Dollar je Feinunze. Warum erholt sich die Notiz trotz der wiederholt auftretenden Krisenstimmung nur vergleichsweise langsam? „Viele sehen den aktuellen Rutsch an den Börsen als vorübergehendes Phänomen an“, sagt Rohstoffanalyst Eugen Weinberg von der Commerzbank. Jan Edelmann, Analyst bei der HSH Nordbank, ergänzt, erst bei mehr als zehn Prozent Verlusten an der Börse würde der Goldpreis anspringen und dann auch häufig erst mit einer gewissen Zeitverzögerung.

Das sonstige Umfeld - Stichwort steigende Anleiherenditen - ist darüber hinaus hinderlich, dass der Goldpreis entschiedener zulegt. Offenbar hängt der Preis für das unverzinste Gold auch davon ab, wie stark Anleger Zins- und Inflationsängste aufweisen. Solange Zinserhöhungserwartungen im Markt sind, dürfte das gelbe Metall keine großen Sprünge machen.

Sojabohnen: Handelskonflikt hinterlässt seine Spuren

Die chinesischen Getreide- und Ölsaatenimporte sind in den letzten Monaten gegenüber dem Vorjahr massiv eingebrochen. „Dies hat nicht nur, aber in ganz erheblichem Maße, mit dem Handelsstreit mit den USA zu tun, heißt es in einem Kommentar der Commerzbank.

Chinas Sojabohnenimporte hätten im September nur knapp ein Viertel der Vorjahresmenge betragen, als die USA die Hauptquelle der Lieferungen gewesen sei. Nun solle die Ware vor allem aus Australien bezogen worden sein. Auch die Maisimporte seien um 83 Prozent abgesackt. Aus Sicht der USA besonders dramatisch sei die Lage aber bei Sojabohnen, dem wichtigsten US-Agrarexportprodukt.

Der nahezu totale Ausfall der chinesischen Käufer werde durch die etwas höhere Nachfrage aus anderen Ländern nicht aufgefangen, schreibt die Commerzbank. Seit Saisonbeginn im September liegen die kumulierten US-Sojabohnenexporte laut den Experten mit knapp sechs Millionen Tonnen um 40 Prozent unter dem Vorjahresniveau. „Die für die Gesamtsaison getätigten Käufe Chinas in den USA beliefen sich bis Mitte Oktober nur auf gut eine Million Tonnen Sojabohnen, im Vorjahr waren es zu diesem Zeitpunkt fast 13 Millionen Tonnen“, so die Commerzbank-Analysten.

 

Rechtlicher Hinweis

Diese Informationen stammen alleine vom Gastautor und müssen nicht der Einschätzung der Bank Vontobel AG oder einer anderen Gesellschaft der Vontobel-Gruppe entsprechen. Die weitere Unternehmensentwicklung ebenso wie der Kursverlauf der Aktien ist von einer Vielzahl unternehmensinterner, branchenspezifischer & ökonomischer Faktoren abhängig. Jeder Anleger muss das Risiko entsprechender Kursverluste bei seinen Anlageentscheidungen mitberücksichtigen.

24.10.2019 01:53:35

 
So wollen wir miteinander diskutieren! Beachten Sie bitte unsere Blog-Netiquette.

 

Kommentar schreiben

 

  

 

  

 

* Pflichtfelder müssen ausgefüllt werden