Gold: Nachfrage schwächelt, Finanzspekulanten ziehen sich zurück

Gold: Nachfrage schwächelt, Finanzspekulanten ziehen sich zurück

Dienstag, 30. April 2019Lesezeit: 4 Minuten

Das charttechnische Setup für Gold stützt die Notiz, während die fundamentale Lage und das Gebaren der Finanzspekulanten eher für sinkende Notierungen spricht. Die Ölpreise haben sich zu Wochenbeginn nach einem kurzen, aber heftigen Preisrutsch wieder stabilisieren können. Die fallenden Notierungen wurden vor allem mit Aussagen von US-Präsident Trump begründet. Der Preis für die Feinunze Palladium hat diese Woche einen herben Rücksetzer erlitten, der erfolgsverwöhnten Tradern des Rohstoffs nicht gefallen dürfte.

Gold: Nachfrage schwächelt, Finanzspekulanten ziehen sich zurück

Der Preis für die Feinunze Gold hatte vergangene Woche eine wichtige Unterstützungsschwelle erreicht und entsprechend darauf reagiert. Bei der Marke von 1.275 US-Dollar/Unze fiel der 200-Tage-Durchschnitt mit einer steigenden Trendlinie zusammen, die die Unterseite des letzten Aufwärtstrendkanals bildet. Der Bereich war bereits Mitte April angefahren worden und hielt weiterem Abwärtsdruck stand. Zuletzt kam es zu einem kleinen Schwenk und der Goldpreis stieg wieder in Richtung 1.285 US-Dollar/Unze.

Das charttechnische Setup stützt, während die fundamentale Lage eher für sinkende Notierungen spricht. So hat der weltgrößte Einkäufer China aus Hongkong im März unterm Strich nur gut 36 Tonnen Gold importiert, wie Analysten der Commerzbank unter Verweis auf Daten der Hongkonger Statistikbehörde berichteten. Dies war deutlich weniger als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Im ersten Quartal lagen die chinesischen Goldimporte aus Hongkong demnach mit 108 Tonnen um 25 Prozent unter dem vergleichbaren Vorjahresniveau. Die Handelsdaten sind ein Indiz für eine schwächere chinesische Goldnachfrage.

Finanzanleger trauen Gold ohnehin noch nicht viel zu. Die ETF-Investoren haben in der letzten Woche 14 Tonnen Gold verkauft, womit die Bestände der von Bloomberg erfassten Gold-ETFs mittlerweile unter ihrem Niveau vom Jahresbeginn liegen. Die spekulativen Finanzinvestoren haben ihre Wetten auf fallende Preise zudem stark ausgeweitet. Gemäß CFTC-Statistik wurden die Netto-Short-Positionen in der Woche zum 23. April mehr als verdoppelt.

5-Jahres-Chart Gold, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

Rohöl: US-Schiefölsektor wird zum preisbestimmenden Faktor

Die Ölpreise haben sich zu Wochenbeginn nach einem kurzen, aber heftigen Preisrutsch wieder stabilisieren können. Mit gut 72 US-Dollar je Barrel ist die Referenzsorte Brent noch fast 35 Prozent teurer als zu Jahresbeginn. Maßgeblich für den Preisanstieg der letzten Monate war die Aussicht auf eine Verknappung des OPEC-Angebots. Längerfristig ist aus Sicht von Analysten der Commerzbank jedoch nicht die OPEC, sondern der US-Schieferölsektor aufgrund seiner Produktionskapazitäten und der Fähigkeit die Fördermenge schnell zu erhöhen, wichtigster preisbestimmender Faktor auf der Angebotsseite.

Die Anzahl aktiver Ölbohrungen in den USA ist in der letzten Woche zwar stark gefallen - rund 805 Rigs sind in Betrieb, was der niedrigste Stand seit März 2018 darstellt. Dennoch geht die US-Energiebehörde EIA in ihrem aktuellen Monatsbericht weiterhin von einem starken Anstieg der US-Ölproduktion in diesem Jahr aus.

Die fallenden Preise zu Wochenbeginn wurden am Markt vor allem mit Aussagen von US-Präsident Donald Trump begründet. Er habe mit Saudi-Arabien und anderen Förderstaaten über die steigenden Fördermengen gesprochen, sagte Trump vor dem Wochenende. „Ich habe die OPEC angerufen, ich sagte, ihr müsst das erledigen. Ihr musst die Preise runterbringen“. Alle seien sich einig gewesen. Trump hatte die OPEC bereits mehrere Mal aufgefordert, die Produktion zu erhöhen, um die Auswirkungen der US-Sanktionen gegen den Iran abzumildern. Nach Einschätzung von Rohstoffexperten der Commerzbank ist es allerdings unwahrscheinlich, dass sich die OPEC auf bindende Aussagen einlässt, solange die Details über die US-Sanktionen gegen den Iran nicht bekannt seien.

Von russischer Seite hieß es, dass man jederzeit in der Lage sei, Chinas Ölbedarf zu decken, da Peking die Rohöl-Importe aus dem Iran ersetzen wolle. „Russland scheint allen Grund zu haben, das Hochfahren der Produktion wiederaufzunehmen, zierte die Nachrichtenagentur Reuters Edward Moya, Senior Analyst bei der Futures-Brokerage OANDA. Deshalb werde sich die OPEC+ auch nicht auf eine Verlängerung der Produktionskürzungen über das erste Halbjahr hinaus einigen können.

5-Jahres-Chart Brent, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 

Palladium: Ist das Beginn der großen Korrektur?

Der Preis für die Feinunze Palladium hat diese Woche einen herben Rücksetzer erlitten, der erfolgsverwöhnten Tradern des Rohstoffs gar nicht gefallen dürfte. Die Notiz verlor allein zu Wochenbeginn auf Schlusskursbasis gut sechs Prozent bzw. über 90 US-Dollar/Unze und fiel auf 1.370 US-Dollar je Feinunze zurück. Der Preisrutsch über den Futures-Markt ging mit einem hohen Handelsvolumen einher und erfolgte in auffallend kurzer Zeit. Laut den Analysten der Commerzbank lässt sich ein Auslöser für die Preisschwäche auf den ersten Blick aber nicht erkennen.

Bereits im März war es kurz vor Monatsende zu heftigen Rückschlägen gekommen. Das zeigt, wie anfällig der Kurs nach seinem langen Aufwärtstrend geworden ist. Mit Blick auf die langfristige Kursentwicklung sehen Experten allerdings weiterhin Potenzial. Denn Palladium wird bei Autos mit Benzinmotoren zur Abgasreinigung verwendet, während bei Dieselfahrzeugen Platin zum Einsatz kommt. Ambitionierte Umweltvorschriften erfordern eine immer bessere Abgasqualität.

Nicht zuletzt in China dürfte dies zu einer steigenden Nachfrage bei Palladium führen, denn dort wächst die Nachfrage nach Autos allgemein überdurchschnittlich. Dies ist auch in weiten Teilen Asien der Fall. Und selbst in gesättigten Märkten wie Europa und den USA wird in Zukunft mehr Palladium pro Fahrzeug benötigt. Experten gehen davon aus, dass deswegen allein in China in den kommenden drei Jahren mehr als eine Million Unzen Platin zusätzlich nachgefragt werden. Da Palladium jedoch als Nebenprodukt bei der Platinproduktion anfällt, wird das Angebot in nächster Zeit kaum steigen.

5-Jahres-Chart Palladium, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 

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21.02.2020 02:40:01

 
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