Gold ist wieder als sicherer Hafen gefragt

Gold ist wieder als sicherer Hafen gefragt

Dienstag, 16. Oktober 2018Lesezeit: 3 Minuten

Der Goldpreis hat in den vergangenen Tagen dann doch vom Kursrutsch am Aktienmarkt profitiert. Allein vergangenen Donnerstag verteuerte sich Gold um 2,5 Prozent - der höchste Tagesanstieg seit dem Brexit-Votum in Großbritannien Mitte des Jahres 2016.

Rohöl: IEA korrigiert Nachfrage-Prognosen

Die Ölpreise legten zum Auftakt in die neue Handelswoche leicht zu, nachdem sie in der letzten noch deutliche Verluste erlitten haben. Die Internationale Energieagentur IEA hatte Ende vergangener Woche neue Prognosen zur Versorgungslage am Ölmarkt vorgelegt.

Demnach rechnet die IEA mit einem sich abschwächenden Nachfragewachstum am Ölmarkt. Für 2018 nahm die Agentur ihre Schätzung um 110.000 auf 1,3 Mio. Barrel pro Tag zurück. Für 2019 wurden die Erwartungen um den gleichen Betrag auf 1,4 Mio. Barrel/Tag gesenkt. Die Gründe für die reduzierten Nachfrageschätzungen sind vor allem im wirtschaftlichen Ausblick, dem Handelskonflikt und revidierten Daten zum chinesischen Wachstum zu finden.

Auf der anderen Seite soll das globale Angebot laut IEA stark zulegen. Im September lag die Rohölproduktion auf einem neuen Rekordhoch bei rund 100 Mio. Barrel/Tag - ein Wert der 2,6 Mio. Barrel höher lag als noch ein Jahr zuvor. Für das laufende Jahr geht die IEA von einem Wachstum der Produktion um 2,2 Mio. Barrel/Tag aus, im nächsten Jahr soll ein Plus von 1,8 Mio. Barrel verzeichnet werden können.

Strukturell ist das Zeitalter der fossilen Brennstoffe allerdings alles andere als vorbei. Die IEA geht davon aus, dass die Nachfrage - hauptsächlich getrieben von den sich verbessernden Lebensstandards in den Entwicklungsländern und der Petrochemischen Industrie (Plastik) - perspektivisch weiter stark in die Höhe getrieben wird. Auf der Angebotsseite heißen die Risiken derzeit Iran, Venezuela und Libyen. Hinzu komme die bis an ihre Grenzen ausgereizte Industrie und die stark gesunkene Reservekapazität.

Gold ist wieder als sicherer Hafen gefragt

Der Goldpreis hat in den vergangenen Tagen dann doch vom Kursrutsch am Aktienmarkt profitiert. Allein vergangenen Donnerstag verteuerte sich Gold um 2,5 Prozent - der höchste Tagesanstieg seit dem Brexit-Votum in Großbritannien Mitte des Jahres 2016. Am Montag notierte der Goldpreis bei 1.230 US-Dollar je Feinunze - eine Woche früher „siechte“ die Notiz noch bei knapp über 1.180 US-Dollar herum.

Bei den letzten Krisen, etwa den Währungsturbulenzen in der Türkei, hatte der Goldpreis kaum zugelegt. Dass das Edelmetall auf die jüngsten Marktturbulenzen nun anspringt, verwundert insofern auf den ersten Blick. Möglicherweise aber ist der Dollarkurs eine Erklärung. Solange der Greenback im Wert zulegte, zeigte sich Gold schwach. Aktuell gibt aber auch der Dollar nach, was dem Edelmetall in die Hände spielt.

Zudem ist Gold jetzt wieder günstig zu haben. Der niedrigere Preis schreckt keinen mehr vor einem Gold-Investment ab. Ferner haben die Investoren auch einen kleinen Sinneswandel durchlaufen. Denn die Gefahrenherde scheinen allgegenwärtig: die internationalen Handelsauseinandersetzungen, die Abschwächung der Weltkonjunktur, steigende Zinsen, die hohe weltweite Verschuldung und nicht zuletzt die massiv gestiegenen Ölpreise sind der Risiken vielleicht doch eine zu viel. „Die Stimmung der Investoren ist gegenwärtig angeschlagen, so dass viele sich sogar Sorgen vor einem systemischen Risiko machen“, formuliert es Jan Edelmann, Rohstoffanalyst der HSH Nordbank.

Kupfer: Risiken und Chancen halten sich die Waage

Der Kupferpreis an der LME fiel im September in Richtung der Marke von 5.800 US-Dollar je Tonne. Damit lag die Notierung Mitte des Monats fast zehn Prozent unter dem Schlusskurs von Ende August. Der Preis schwankt weiterhin stark, was die Unruhe am Markt widerspiegelt. Mittlerweile hat sich die Notierung für das rote Metall deutlich nach oben gearbeitet. Mitte Oktober notiert Kupfer wieder über 6.300 Dollar je Tonne und damit auf dem Stand von Anfang Juli.

Kam es im August im Handelskonflikt zwischen den USA und China noch zu einer Entspannung, hat sich die Lage im September wieder angespannt. Mitte des vergangenen Monats kündigte die US-Administration an, neue Abgaben gegen Importe aus China zu verhängen und im Falle einer „aggressiven“ Reaktion Pekings weitere Zölle zu prüfen. Mittlerweile belegt die USA nun rund 50 Prozent aller chinesischen Güter, die in die USA eingeführt werden, mit zusätzlichen Abgaben.

Wie Metal Bulletin berichtete, hat die Volksrepublik nun eine Reihe von Nichteisen-Metallen, in Rohform (Erz/Konzentrat) oder in weiterverarbeiteter Form, in die Liste der Produkte aufgenommen, die es im Zuge des Handelsstreits mit den USA mit zusätzlichen Strafabgaben belegen könnte. Dazu könnten auch Kupfer und Kupferkonzentrate sowie Produkte der Halbzeug-Industrie gehören. Die Liste umfasst neben Kupfer eine Reihe weiterer Metalle.

Den Risiken aus dem laufenden Handelsstreit zwischen den USA und China stehen Einschätzungen Chinas entgegen, sein aktuelles Wirtschaftswachstum von 6,5 bis 7 Prozent aufrecht halten zu können. Darüber hinaus wirkte der leicht schwächere US-Dollar positiv auf den Kupferpreis ein.

Rechtlicher Hinweis

Diese Informationen stammen alleine vom Gastautor und müssen nicht der Einschätzung der Bank Vontobel AG oder einer anderen Gesellschaft der Vontobel-Gruppe entsprechen. Die weitere Unternehmensentwicklung ebenso wie der Kursverlauf der Aktien ist von einer Vielzahl unternehmensinterner, branchenspezifischer & ökonomischer Faktoren abhängig. Jeder Anleger muss das Risiko entsprechender Kursverluste bei seinen Anlageentscheidungen mitberücksichtigen.

24.10.2019 02:30:46

 
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