Goldpreis steigt im Hoch bis auf fast 1.450 Dollar

Goldpreis steigt im Hoch bis auf fast 1.450 Dollar

Mittwoch, 24. Juli 2019Lesezeit: 4 Minuten

Nach einem neuen Sechs-Jahres-Hoch in der vergangenen Woche kann sich der Goldpreis oberhalb von 1.400 Dollar je Feinunze stabilisieren. Seither kommt es zu einer Seitwärtskonsolidierung. Trotz der Zuspitzung des Iran-Konflikts nach der Kaperung eines britischen Tankers durch den Iran sind die Ölpreise in der vergangenen Woche gesunken. Beträchtliche Zuflüsse in Silber-ETFs und die Aussicht auf eine Lockerung der US-Geldpolitik haben den Silberpreis zuletzt steigen lassen.

Goldpreis steigt im Hoch bis auf fast 1.450 Dollar

Der Goldpreis hat in der vergangenen Woche seinen jüngsten Höhenflug fortgesetzt und ist auf ein neues Sechs-Jahres-Hoch knapp unter 1.450 Dollar je Feinunze geklettert. Gestützt wird das gelbe Edelmetall vor allem von der Erwartung einer baldigen Fed-Zinssenkung, die in der vergangenen Woche neue Nahrung erhalten hat.

Der Präsident der Federal Reserve Bank von New York, John Williams, sprach sich bei einer Rede am Donnerstag für ein "schnelles Handeln" der US-Notenbank aus und wurde sogar mit den Worten zitiert: "Es ist besser, präventive Maßnahmen zu ergreifen als darauf zu warten, dass sich eine Katastrophe abzeichnet." Williams befeuerte mit seinen Aussagen Spekulationen, wonach die Fed den Leitzins im Juli gleich um 50 Basispunkte und nicht nur um 25 Basispunkte senken könnte. Ein Sprecher sah sich anschließend allerdings genötigt, die Aussagen von Williams zu relativieren: Es habe sich um theoretische Erwägungen von Williams gehandelt und diese seien nicht als Hinweis auf konkrete geldpolitische Maßnahmen zu verstehen. Nachdem die Terminmärkte kurzzeitig einen "großen Zinsschritt" von 50 Basispunkten als das wahrscheinlichste Szenario eingepreist hatten, wird aktuell wieder eine Zinssenkung von 25 Basispunkten erwartet. Was tatsächlich geschieht, erfahren die Marktteilnehmer aber erst mit dem Zinsentscheid am 31. Juli. Am vergangenen Samstag begann die sogenannte „Blackout Period“ bei der US-Notenbank. Bis zum Zinsentscheid dürfen sich die Fed-Offiziellen nun nicht mehr öffentlich zur Geldpolitik äußern.

Neben den geldpolitischen Aussichten bleiben auch die zahlreichen internationalen Konflikte eine Triebfeder für den Goldpreis. Insbesondere der Handelskonflikt zwischen den USA und China, aber auch die durch den künftigen britischen Premierminister Boris Johnson neu angeheizten Brexit-Sorgen sowie der sich wieder verschärfende Konflikt zwischen dem Iran und dem Westen lassen die Anleger wieder in den „sicheren Hafen“ Gold flüchten. Auch die physische Nachfrage nach Gold durch die Notenbanken bleibt stark. Laut World Gold Council haben die Zentralbanken mit Nettokäufen ihre Goldbestände im ersten Quartal 2019 weiter deutlich ausgebaut.

5-Jahres-Chart Gold, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 

 

Iran-Sorgen lassen den Ölpreis kalt

Eigentlich sind Krisen im Nahen Osten immer für Preissteigerungen bei Rohöl gut. Schließlich wird nach wie vor ein Großteil des im Westen konsumierten Öls im arabischen Raum gefördert. Auch der jüngste Konflikt zwischen dem Iran und dem Westen befeuerte zunächst auch den Ölpreis. Die jüngste Zuspitzung des Konflikts in der vergangenen Woche führte aber nicht mehr zu großen Reaktionen am Markt.  

Am vergangenen Freitag hatten iranische Behörden den unter britischer Flagge fahrenden Tanker "Stena Imperor" festgesetzt. Dabei handelte es sich um eine Reaktion auf die Festsetzung des iranischen Tankers "Grace1" vor Gibraltar am 4. Juli. Der Vorwurf lautete, dass der iranische Tanker entgegen der bestehenden Sanktionen Öl nach Syrien transportieren sollte. Trotz der Zuspitzung des Konflikts bemühten sich alle Seiten zuletzt sichtlich um Schadensbegrenzung. So sagte US-Außenminister Mike Pompeo am Montag, dass die USA nicht auf den Zwischenfall reagieren würden. Großbritannien kündigte an, zusammen mit anderen EU-Staaten Schiffe in der Straße von Hormus besser schützen zu wollen. 

Belastend auf den Ölpreis wirkten sich in der vergangenen Woche die wieder gestiegenen Spannungen im Handelskonflikt zwischen den USA und China aus. US-Präsident Donald Trump drohte Peking mit neuen Strafzöllen. Dies könnte nicht nur die Weltwirtschaft, sondern auch die Nachfrage nach Öl belasten. Hinzu kommt, dass die Internationale Energieagentur (IEA) aufgrund einer sich verlangsamenden Weltwirtschaft ihre Prognose für die Ölnachfrage 2019 gesenkt hat.

5-Jahres-Chart Rohöl, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 

Physische Nachfrage und Geldpolitik lassen Silber steigen

Wie der Goldpreis hat zuletzt auch Silber von der Aussicht auf US-Zinssenkungen und einer steigenden spekulativen Nachfrage profitiert. In der vergangenen Woche erreichte der Silberpreis bei über 16,50 Dollar je Feinunze den höchsten Stand seit rund 13 Monaten. Unterstützung bekommt der Silberpreis auch von beträchtlichen Zuflüssen in Silber-ETFs. Seit Monatsbeginn summieren sich diese auf mehr als 600 Tonnen.

Commerzbank-Analyst Daniel Briesemann warnt allerdings davor, dass der jüngste Preisanstieg auch stark spekulativ getrieben sei und deshalb auf wackligen Beinen stehe. "Nach dem Anstieg von unter 15 US-Dollar auf über 16,5 US-Dollar innerhalb von nur zweieinhalb Wochen wären wir nicht überrascht, wenn einige Marktteilnehmer Gewinne mitnehmen würden und es daher zu einer Preiskorrektur käme", schrieb Briesemann.

Preisbelastend wirkten aus Sicht der Analysten der Commerzbank zuletzt die zunehmenden Konjunktursorgen und der damit einhergehende Preisrückgang bei Industriemetallen. Die Experten behalten ihre Preisprognose für Silber bei und erwarten am Jahresende weiterhin eine Notiz von 16,50 US-Dollar je Unze. Der tatsächliche Verlauf bleibt jedoch abzuwarten.

 

5-Jahres-Chart Silber, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 



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17.09.2019 12:32:54

 
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