Gold hat Potenzial, Palladium ernüchtert

Gold hat Potenzial, Palladium ernüchtert

Dienstag, 9. April 2019Lesezeit: 5 Minuten

Die Ölpreise stiegen zu Wochenbeginn auf ihren höchsten Stand seit fünf Monaten, möglicherweise bedingt durch Unruhen im Zusammenhang mit Libyen und dem Iran, die für Versorgungsbefürchtungen sorgen. Die Benchmark Brent notierte am Montag in der Spitze bei 71,33 US-Dollar je 159 Liter-Fass.

Rohöl: Von OPEC zu NOPEC

Mittelfristig könnte sich der Ölpreis wieder in die Region von 80 Dollar bewegen. Bedingt wird dies durch verschiedene Entwicklungen, die unterm Strich das Angebot auf dem Weltmarkt verknappen. Sollten sich die aktuellen Gerüchte über eine sogenannte Gegen-OPEC bewahrheiten, könnte die Öl Hausse schnell vorbei sein.

US-Präsident Donald Trump fordert die OPEC in regelmäßigen Abständen dazu auf, dafür zu sorgen, dass der Ölpreis sinkt. Da diese Bemühungen offenbar nicht fruchten, laufen in Washington die Planungen heiß, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Dem Vernehmen nach versuchen die USA, Kanada und Venezuela ein Gegenmodell zum Ölkartell OPEC zu etablieren.

Venezuela sitzt auf den weltweit größten Ölreserven. Die USA könnten im Falle eines Regimewechsels in Caracas Kapital beisteuern, um die derzeit brachliegende Ölindustrie des Krisenlandes wiederaufzubauen. Venezuela hätte das Vermögen, zu einem neuen Saudi-Arabien zu werden. Und nicht zuletzt hat auch Kanada riesige Ölreserven. Das Land produziert derzeit zwar nur 3,2 Millionen Barrel pro Tag, bis 2030 sollen es aber bereits 6,7 Millionen sein und damit deutlich mehr als etwa der Iran im Vergleichszeitraum produziert.

Eine weitere Initiative der US-Politik läuft unter dem Titel „NOPEC“. Per Gesetz sollen die Mitgliedsländer der OPEC der Kartellgesetzgebung Amerikas unterworfen werden. Dem US-Justizministerium würden damit Sanktionsmöglichkeiten in die Hände gespielt, nach Gutdünken in Eigentumsrechte der betroffenen Staaten und ihrer nationalen Ölgesellschaften einzugreifen. Das widerfährt derzeit schon der venezolanischen PDVS-Gesellschaft. 

Die weiterhin stark steigende US-Ölförderung dämpft die Preisavancen bei Rohöl. Die US-Fördermenge lag zuletzt bei 12,1 Millionen Barrel pro Tag und erreichte damit ein neues Rekordniveau, wie die U.S. Energy Information Administration (EIA) mitteilte. Dieses Jahr sollen demnach weitere Steigerungen auf bis zu 13,2 Millionen Barrel als tägliche Fördermenge folgen. Ab 2020 sollen die USA - so das Ziel - zum Netto-Energieexporteur werden. Derzeit importieren die Vereinigten Staaten noch 4 Millionen Barrel pro Tag aus dem Ausland.

5-Jahres-Chart Brent, Quelle: Bloomberg Finance L.P.


 

Gold hat durchaus Potenzial

Der Goldpreis kämpft wieder um die runde Marke von 1.300 US-Dollar/Unze. Anfang März notierte er knapp darunter, wie auch schon im Januar. Ein Run bis zu 1.336 US-Dollar/Unze war nicht von Dauer.

Dabei ist das Umfeld für Gold im Grunde ideal. Sich eintrübende Konjunkturaussichten, besonders in China und den USA. [HJ1] Dort wurde zuletzt eine Umkehrung der Zinsstrukturkurve beobachtet. Das heißt die Rendite für kurzlaufende Anleihen war höher als die für langlaufende. Auch internationale Krisen, wie der Handelskonflikt zwischen den weltweit größten Volkswirtschaften USA und China, der Brexit oder die weltweite Verschuldung könnten dem Edelmetall zugutekommen.

Auch die Nachfrageseite stützt die Notiz. So sollte laut den Analysten der Commerzbank der Druck der spekulativen Finanzanleger wieder nachgelassen haben, nachdem diese in der Woche zum 2. April laut CFTC-Statistik ihre Wetten auf steigende Notierungen noch halbiert hatten. Zudem hat die chinesische Zentralbank (PBoC) im März weiter in hohem Maße Gold gekauft. Dies war bereits der vierte Monat in Folge, in dem die PBoC ihre Bestände aufgestockt hat. Zuvor setzte sie ihre Goldkäufe für fast zwei Jahre aus.

Gold-Fachleute bleiben in solch einem Umfeld optimistisch für das Edelmetall. Noch ist die Prognose von der Investmentbank Goldman Sachs, die einen Preis per Jahresende von 1.450 Dollar/Unze vorsieht, nicht korrigiert worden. Auch die Commerzbank erwartet höhere Notierungen - 1.400 Dollar/Unze bis Ende Jahr.

Eine Erklärung ist die zuletzt starke Entwicklung der weltweiten Aktienmärkte, die dazu geführt habe, dass die Notierung nicht stärker zulegen kann. Die Unsicherheit an den Finanzmärkten hat sich reduziert, auch weil es zuletzt Fortschritte in den Verhandlungen zwischen China und den USA über den Handelskonflikt gab. Der Brexit spielt keine große Rolle, weil die meisten Marktteilnehmer nicht an einen No-Deal-Austritt glauben und eine Einigung in letzter Minute erwarten.

Noch wollen Experten das Edelmetall aber nicht aufgeben. Die Fed habe die Zinserhöhungen und die geldpolitische Straffung angehalten, heißt es in einer Analyse von Helaba-Analyst Heinrich Peters. „Eine weltweit wieder lockerere Geldpolitik und die weiter anziehende Verschuldung auch im Zuge einer expansiveren Fiskalpolitik geben Gold aus makroökonomischer Sicht durchaus Rückenwind“. Sollten zudem die Inflationsraten wieder anziehen und die technischen Widerstände überwunden werden, hätte Gold aus seiner Sicht interessantes Potenzial, so Peters.

5-Jahres-Chart Gold, Quelle: Bloomberg Finance L.P.


 

Palladium: Auf den Höhenflug folgt die Ernüchterung

Der Palladiumpreis, der in diesem Jahr bereits eine beeindruckende Rally zeigte, die bis zum Allzeithoch bei 1.615 US-Dollar/Unze führte, enttäuschte zuletzt. Um knapp 280 Dollar ging es binnen weniger Handelstage nach unten.. Viele Anleger haben Gewinne mitgenommen und dem hohen Preisniveau letztlich nicht getraut. Aufgrund der geringen Größe und Liquidität des Marktes können bereits wenige Verkaufsorders große Wirkung entfalten. Aktuell notiert die Feinunze des Edelmetalls auf dem Preisniveau von Anfang Februar.

Als Auslöser des Preiseinbruchs wurden am Markt enttäuschende Konjunkturdaten genannt. Besonders die schwachen Daten vom chinesischen und amerikanischen Automarkt belasteten die Notiz. Rund 80 Prozent der Nachfrage nach dem Metall kommen aus der Autoindustrie. Allerdings, darauf machen Analysten der Commerzbank aufmerksam, dürfte der Bedarf aus der Automobilindustrie trotz schwächerer Verkäufe wieder steigen: Aufgrund strengerer Abgasvorschriften dürfte sich der Einsatz in Autokatalysatoren kurzfristig erhöhen. Auch die neuen Abgastests erforderten einen höheren Bedarf des Metalls.

Wie geht es nach den jüngsten Wellenbewegungen beim Palladiumpreis weiter? Eine erneute Schwächephase ist zwar möglich, dürfte aber nur von kurzfristiger Dauer sein. Der Markt ist seit sieben Jahren im Angebotsdefizit. Der Metallhändler Johnson Matthey schätzt den Fehlbetrag in diesem Jahr in seinem letzten Marktbericht auf 29.000 Unzen, nach 787.000 Unzen im Jahr zuvor. Der geringere Fehlbetrag sei aber lediglich Sonderfaktoren auf dem ETF-Markt geschuldet, die sich nicht wiederholen sollten. Die Produktion kann nicht ausgebaut werden, da Palladium ein Nebenprodukt der Förderung von Metallen wie Nickel und Platin ist. Mit Blick auf die Nachfrage und die Versorgung des Marktes ist demnach nicht davon auszugehen, dass es einen Rückfall bis auf die Preisniveaus des Jahres 2016 gibt, als die Unze nur rund 600 Dollar kostete.

Die UBS geht davon aus, dass sich der Preis in den kommenden Monaten wieder bis auf knapp 1.600 Dollar entwickeln wird. Für das laufende Jahr erwarten die Schweizer Analysten eine Unterversorgung des Marktes um 691.000 Unzen (bislang hatten sie ein Defizit von 564.000 Unzen errechnet). Auch für die Folgejahre heben die UBS-Analysten ihre Erwartungen für die Angebotslücke um jeweils 8 bis 19 Prozent an.

5-Jahres-Chart Palladium, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 

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26.06.2019 20:38:34

 
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