Globale Währungstumulte - Ein Status-Quo Report

Globale Währungstumulte - Ein Status-Quo Report

Donnerstag, 22. August 2019Lesezeit: 5 Minuten

Der US Dollar im internationalen Vergleich

Aufgrund der Einführung des Euros sowie der Notwendigkeit, das US Handelsgeschehen besser zu überprüfen, entschloss sich die Zentralbank der USA (Federal Reserve) zur Veröffentlichung des Trade-weighted US Dollar Index im Jahr 1998. Auch bekannt als «Broad Index», misst der Trade-weighted US Dollar Index den Wert des USD im Verhältnis zu einer Vielzahl anderer beliebter Währungen. Anhand der Gegenüberstellung des USD mit anderen weltweiten Währungen kann die Kaufkraft des USD schnell und übersichtlich gemessen werden, sowie die Effekte von Ab- oder Aufwertungen von Währungen gemessen und eingeschätzt werden. Im Broad Index werden dem USD 27 globale Währungen gegenübergestellt.

Mit Blick auf die historische Entwicklung des Broad Index seit 1997 fällt auf, dass in Zeiten von Krisen – zwischen 2000 und 2002 sowie zwischen Ende 2007 und Anfang 2009 – ein enorm starker und rapider Anstieg des Index zu sehen ist. Grund dafür ist die weltweite Auffassung des US-Dollars als sicherer Rückzugsort für Währungen in schlechten Zeiten. Jüngst gefolgt von einer Reihe von Leitzinssenkungen, hochvolatilen Aktienmärkten, monetären Staatskrisen, weitreichenden Handelskriegen, internationalen Spannungen und inversen Zinskurven, steigen die Ängste vor einer Rezession von Tag zu Tag. Mittlerweile befindet sich der Broad Index am gleichen Punkt wie zu den Hochzeiten der Krise um die Jahrtausendwende – Ob es sich hierbei um ein weiteres Indiz für eine bevorstehende Krise handelt, liegt im Auge des Betrachters.

 

Pound Sterling (GBP)

Mit Blick nach England stehen die Alarmsignale des British Pound Sterling klar auf Rot. Nachdem sich die Lage um Premier Johnson und die Aussicht nach einem harten Brexit am Wochenende etwas entspannt hatte, gab die britische Währung gestern wieder verstärkt nach. Boris Johnson bat EU-Ratspräsident Donald Tusk in einem Brief um weitere Gespräche und Verhandlungen im Rahmen des EU-Austritts. Dennoch verstärkte Johnson seine Absichten, Großbritannien zum Ablauf der Frist zum 31. Oktober von der EU abzukoppeln – ganz egal ob mit Deal oder ohne Deal.

Mit Blick auf den 5-Jahres Chart wird deutlich welche Auswirkungen die Entscheidung zum Brexit auf die britische Währung hatte. Als das britische Volk sich am 23. Juni 2016 gegen einen Verbleib in der EU entschloss, gab die Landeswährung kurz danach stark nach. Trotz eines Aufholversuchs der Währung bis Mitte 2018, spitzte sich der Austritt und die Möglichkeit eines ungeregelten Austritts von Großbritannien aus der EU zu. Seitdem verliert das Pound Sterling kontinuierlich an Wert und befindet sich aktuell am gleichen Tiefpunkt wie wenige Monate nach dem Referendum.

 

Euro (EUR)

Ein weiterer Verlierer der Brexit Unsicherheiten ist die Eurozone. Vergleicht man den EUR/USD Chart mit dem GBP/USD Chart stechen einem sofort die Gemeinsamkeiten im Chartverlauf ab August 2016 ins Auge. Abgesehen von den Brexit Ängsten, leidet die Eurozone an einer aktuell schwachen deutschen Wirtschaft und anhaltenden Tumulten in Italiens Regierungsebene. Negative Konjunkturdaten aus Deutschland wirken belastend. Vor allem die exportabhängige Industrie – das Vorhängeschild Deutschlands – wird aktuell und zukünftig von der Bundesbank als schwarzes Schaf angesehen, welches unter Handelskonflikten und schwacher Weltkonjunktur leidet.

Auch Italien fällt immer tiefer in ein Loch aus Konjunkturschwächen und politischem Chaos. Italiens Schulden zu BIP Verhältnis liegt mit den aktuellen 130 Prozent historisch hoch, mit wenig Hoffnung auf Besserung. Dazu kommt noch, dass Italiens Premierminister Giuseppe Conte gestern die Niederlegung seines Amts ankündigte – kurz nachdem er seinen Innenminister Matteo Salvini scharf kritisierte. Genug Zündstoff für einen weiteren politischen Showdown in Italiens Politik.

 

Kanadische Dollar (CAD)

Zurück am Nord-Amerikanischen Markt hält sich die kanadische Währung seit einiger Zeit wacker und stabil. Als eine der wenigen globalen Währungen, die sich gegenüber dem US-Dollar stabil halten kann, punktet Kanada mit stetigem BIP-Wachstum und relativ fester geldpolitischer Haltung der Bank of Canada.

Im Gesamtbild konnte die kanadische Wirtschaft seit März dieses Jahres die Monatsschätzungen der Analysten des BIP-Wachstums ständig übertreffen. Auf der anderen Seite musste der CAD gegenüber dem US-Dollar zuletzt abgeben, was unter anderem auf durchwachsene kanadische Arbeitsmarktdaten zurückgeführt werden kann. Obwohl der Lohnanstieg im Juli mit 4,5 Prozent auf einem Rekordjahrzehnthoch liegt, stieg auch die Arbeitslosenquote auf 5,7 Prozent an.

Unterm Strich ist die kanadische Währung somit relativ stabil, muss sich aber gegen einen noch stärkeren US-Dollar beweisen. Aktuell sehr niedrige Ölpreise verschaffen dem US-Dollar zusätzlich Rückenwind.

 

Chinesischer Yuan (CNY)

Bereits seit Anfang August wettert US Präsident Trump gegen die chinesische Regierung mit dem Vorwurf einer absichtlichen Abwertung der Landeswährung Yuan/Renmibi. Andererseits bedeutet eine rasche Abwertung der chinesischen Währung, dass vermögende Einwohner Chinas ihre Anlagen lieber in anderen Währungen tätigen, um einen Vermögensverlust zu verhindern – historisch gesehen meistens in Form des US Dollars. Des Weiteren leiden chinesische Unternehmen mit hohem US Dollar Verschuldungsgrad besonders unter der Abwertung der eigenen Währung – Analysten befürchten eine daraus resultierende Abnahme der Investmentattraktivität in Augen ausländischer Investoren. Umgekehrt stieg der Kapitalabfluss sprungartig von USD 21 Mrd. im ersten Quartal dieses Jahres auf USD 85 Mrd. im zweiten Quartal – ein Zeichen großer Unsicherheit und Angst chinesischer Investoren.

 

Australischer Dollar (AUD)

Die sechst meistgehandelte Währung weltweit befindet sich bereits seit den 1970ern auf einem kontinuierlichen Abwärtstrend. Dennoch konnte sich die australische Landeswährung in den letzten Monaten – verglichen mit anderen globalen Währungen – relativ stabil halten. Ein Grund dafür könnten die zuletzt getroffenen zentralbankpolitischen Entscheidungen sein, die Leitzinsen drastisch zu senken. Anfang Juni nahm die Reserve Bank of Australia die erste Zinsanpassung von 1,50% auf 1,25% vor – dicht gefolgt von einer weiteren Zinsanpassung Mitte Juli auf 1,00%. Weitere Zinssenkungen werden aktuell nicht von Analysten eingepreist, sondern die Aufmerksamkeit richtet sich größtenteils auf inländische Konjunkturdaten und auf die nächsten Entscheidungen der US Amerikanischen Fed.

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13.11.2019 08:42:32

 
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