Ein Börsenhändler meldet sich zu Wort – Teil 4: Überwachung und Regulierung zur Sicherung der Kundeninteressen

Ein Börsenhändler meldet sich zu Wort – Teil 4: Überwachung und Regulierung zur Sicherung der Kundeninteressen

Montag, 24. Juni 2019 Autor Manuel TuleziLesezeit: 3 Minuten

In insgesamt über sieben Teilen wollen wir Ihnen hochwertiges Wissen rund um das spannende Thema Börsenhandel näherbringen. Dazu wird Manuel Tulezi, Händler für derivative Produkte bei der ICF Bank AG, befragt.

Von wem und wie werden die Handelsaktivitäten und Marktteilnehmer überwacht?

Für die Überwachung des Börsenhandels ist die Handelsüberwachungsstelle, kurz HüSt, zuständig. Ihr Auftrag liegt darin, die Daten des Börsenhandels und der Börsengeschäftsabwicklung systematisch und lückenlos zu erfassen und auszuwerten. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Beobachtung von Preisgestaltungen, der Kontrolle des Verhaltens der Marktteilnehmer und die Einhaltung der Regelwerke und börsenrechtlicher Vorschriften. Die HüSt ist ein Börsenorgan, welches nicht dem Börsenbetreiber untersteht. Sollten Anleger Unregelmäßigkeiten feststellen oder sich über eine nicht korrekte Preisfeststellung beschweren wollen, kann dies über die kostenlose Hotline der HüSt erfolgen.

Wie wird das Kundeninteresse bewahrt?

Unser Auftrag liegt darin, die Orders unserer Kunden schnellstmöglich und zum besten Preis auszuführen. Um dies sicherzustellen, arbeiten wir nicht nur eng mit der HüSt zusammen, sondern auch mit unseren angeschlossenen Emittenten. Sollte ein Kunde Rückfragen zu seinem Geschäft haben oder sich über seine Ausführung beschweren wollen, kann er sich damit an die HüSt wenden. Jedes Anliegen wird geprüft und nach Rücksprache mit dem Spezialisten und Emittenten geklärt.

Was passiert, wenn der Handel ausgesetzt wird?

Sobald ein Wertpapier ausgesetzt wird, ist kein Handel mehr möglich. Alle bestehenden Orders werden gelöscht, durch die Aussetzung können keine neuen Orders eingestellt werden. Darüber hinaus wird das Wertpapier nicht mehr quotiert – das bedeutet, dass der Market Maker keine neuen Quotes veröffentlicht und somit das Wertpapier keine neuen Geldkurse (Bewertungskurse) erhält. Um diese Aussetzung publik zu machen, wird eine Bekanntmachung der Geschäftsführung der Deutsche Börse AG nicht nur an uns Spezialisten gesendet, sondern auch an die Börsenaufsicht und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Gleichzeitig wird diese Bekanntmachung auf der Internetseite der Deutsche Börse AG veröffentlicht und ist somit für jeden ersichtlich.

Warum kann der Handel ausgesetzt werden?

Die Geschäftsführung der Frankfurter Wertpapierbörse setzt Wertpapiere vom Handel aus, wenn der Börsenhandel zeitweilig gefährdet ist oder wenn dies zum Schutze der Investoren geboten scheint. Sollte so zum Beispiel ein Unternehmen eine wichtige Meldung publizieren, wie eine Gewinnwarnung oder eine drohende Insolvenz, kann die Geschäftsführung der Börse Frankfurt den Handel in dieser Aktie aussetzen. Somit hat der Investor die Möglichkeit, neue Sachverhalte zu analysieren, um eine neue Bewertung des Unternehmens zu erlangen. Darüber hinaus haben so alle Anleger die Chance, sich über die neuen Umstände zu informieren, um eine Symmetrie in der Informationsverarbeitung der Anleger zu erreichen.

Welche Rechte hat der Anleger bei Verdacht auch Unregelmäßigkeiten bei der Preisfeststellung?

Sobald ein Anleger den Verdacht eines falschen Kurses oder eines anderen Fehlers schöpft, kann er dies der Handelsüberwachungsstelle via Mail oder Telefon melden. Die HüSt schaut sich rückwirkend die Kursentwicklung des Wertpapieres an und prüft die Ordnungsmäßigkeit des festgestellten Kurses. Sollte die HüSt eine Unregelmäßigkeit in der Kursfeststellung finden, stellt sie den Kontakt zwischen Emittenten und Kunden her. Sollte es jedoch durch einen Fehler zu einer erheblichen Kursabweichung kommen, wird ein sogenannter Mistradeantrag gestellt. Mit diesem Antrag wird über das sogenannte „Chefhändlerverfahren“ geprüft, inwiefern der Preis falsch war und worin der Fehler lag. Wenn dieser Prozess positiv verläuft, wird der Trade aus allen Systemen der Börse gelöscht und rückabgewickelt, so als wäre er nie vorhanden gewesen.

Welche Börsenorgane gibt es und was sind ihre Aufgaben?

Die Frankfurter Wertpapierbörse hat derzeit vier unabhängig voneinander agierende Organe. Diese sind nach dem Börsengesetz wie folg aufgeteilt: der Börsenrat, die Geschäftsführung, die Handelsüberwachungsstelle und der Sanktionsausschuss.

Die Geschäftsführung der Frankfurter Wertpapierbörse leitet die Geschäfte und nimmt die übertragenen Aufgaben der öffentlichen Verwaltung war. Darüber hinaus ist sie für die Zulassung von Personen und Unternehmen zum Börsenhandel, die Entscheidungen über die Aufnahme, Aussetzung und Einstellung einer amtlichen Notierung von Wertpapiern und der Entscheidung über die Preisfeststellungen von Wertpapieren zuständig. Somit stellt die Geschäftsführung sicher, dass börsenrelevante Gesetze, Verordnungen und Geschäftsbedingungen eingehalten werden. Ähnlich einer Aktiengesellschaft wird die Geschäftsführung durch den Börsenrat kontrolliert.

Der Börsenrat ist ein wichtiges Gremium zur Erörterung wesentlicher Fragen und besteht aus 24 Mitgliedern, die durch Banken, Fondsgesellschaften, Spezialisten und börsennotierte Unternehmen vertreten werden. Zu den Aufgaben des Börsenrates gehören neben der Bestellung, der Abberufung und der Überwachung der Geschäftsführung auch das Erlassen der Gebührenordnung eine beratende Tätigkeit für die Geschäftsführung.

Die Handelsüberwachungsstelle (HüSt) stellt das dritte Organ dar, dies wurde bereits in der ersten Frage ausreichend erläutert.

Der Sanktionsausschuss ahndet Verstöße gegen das Regelwerk der Frankfurter Wertpapierbörse und ist für die Sanktionierung von Pflichtverletzungen der Handelsteilnehmer und Emittenten zuständig.

17.07.2019 05:16:26

 
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