Ein Börsenhändler meldet sich zu Wort – Teil 3: Handelserweiterung - Handel bis 22:00 Uhr

Ein Börsenhändler meldet sich zu Wort – Teil 3: Handelserweiterung - Handel bis 22:00 Uhr

Dienstag, 28. Mai 2019 Autor Manuel TuleziLesezeit: 3 Minuten

In insgesamt über sieben Teilen wollen wir Ihnen hochwertiges Wissen rund um das spannende Thema Börsenhandel näherbringen. Dazu wird Manuel Tulezi, Händler für derivative Produkte bei der ICF Bank AG, befragt.

Welches Underlying kann wie lange gehandelt werden?

Diesbezüglich kann keine allgemeingültige Antwort gegeben werden. Neben dem Underlying, dem Basiswert der Zertifikate, wird vor allem nach der Struktur des Produktes unterschieden. So wird zwischen Anlageprodukten wie Discount-Zertifikaten, Bonus-Zertifikaten sowie Aktienanleihen und Hebelprodukten, wie z.B. Optionsscheinen, Turbo-Optionsscheine und Mini-Futures unterschieden. Derzeit umfassen diese Produktgruppen ca. 130.000 Zertifikate bei Vontobel. Hebelprodukte werden derzeit von 8.00 Uhr (Handelsbeginn) bis 22.00 Uhr (Handelsende für Zertifikate an der Frankfurter Wertpapierbörse) gehandelt. Hierunter fallen neben deutschen Blue-Chips auch deutsche Nebenwerte, Währungen (Currencies), Rohstoffe (Commodities), Edelmetalle (Precious Metals), ausländische Aktien sowie US-Werte.

Die Handelszeit bei Anlageprodukten wird anhand der Strukturierung festgelegt. Einfache Strukturen mit nur einem Underlying werden von 9:00 Uhr bis 22:00 Uhr gehandelt während Produkte mit exotischen Optionsstrukturen oder mehreren Underlyings von 9:00 Uhr bis 20:00 Uhr gehandelt werden.

Warum wurde der Handel erweitert?

Die Handelszeiten wurden vorrangig an die neuen Marktstandards angepasst. Die Anleger haben nun die Möglichkeit, von 8:00 Uhr bis 22:00 Uhr zu handeln und nicht mehr wie vorher nur von 9:00 Uhr bis 20:00 Uhr. Durch die neuen Handelszeiten besteht die Möglichkeit, die Vorteile des börslichen Handels um drei weitere Handelsstunden nutzen zu können.

Welche Vorteile bietet die Handelserweiterung?

Viele Underlyings haben meist Handelszeiten, die außerhalb der europäischen Märkte liegen. So öffnet beispielsweise die New York Stock Exchange den Markt erst um 15:30 Uhr und beendet den Handel um 22:00 Uhr unserer Zeit. So konnten Anleger bisher nicht auf Ereignisse am US-Markt bis zum Handelsende reagieren.

Durch den früheren Handelsstart besteht nun auch die Möglichkeit, vor der Eröffnung des elektronischen Handelssystems XETRA I in Zertifikate zu investieren. Somit stehen dem Anleger viele Hebelprodukte mit deutschen und amerikanischen Underlyings schon vor der eigentlichen Markteröffnung zur Verfügung.

Was ist der Unterschied zwischen börslichen und außerbörslichen Handel?

Wie es sich aus dem Namen bereits ableiten lässt, liegt der wesentliche Unterschied darin, dass der außerbörsliche Handel (OTC-Handel) außerhalb von einer regulierten Börse erfolgt. Der börsliche Handel hingegen findet an einer öffentlichen Börse statt. Somit sind beide Handelsformen von Grund auf verschieden.

Der außerbörsliche Markt (OTC-Market) ist ein bilateraler Markt. Hierbei treffen der Anleger und der Emittent unmittelbar aufeinander und wickeln ihr Geschäft direkt ab. Im Regelfall fordert der Anleger über die Ordermaske seines Onlinebrokers mit der Angabe der Stückzahl und der WKN (Wertpapierkennnummer) des Wertpapieres einen sogenannten „Quoterequest“ beim Emittenten an. Da der Emittent bei dieser „Kursanfrage“ nicht sehen darf, ob der Anleger kaufen oder verkaufen möchte, werden dem Kunden ein Kauf- und ein Verkaufskurs gestellt, zu dem er handeln kann. Sollte sich in der Zwischenzeit der Kurs verändern, muss der Kunde einen neuen Quoterequest stellen. Somit wird garantiert, dass der Anleger zu keinem schlechteren Kurs ausgeführt wird, als zu dem, den er sieht.

Der börsliche Handel ist multilateral und bezieht neben Emittent und Anleger auch die Börse und einen sogenannten Spezialisten mit ein. Sendet der Anleger beispielsweise einen limitierten (Kauf-) Auftrag an eine Börse, läuft diese direkt in das Orderbuch des Spezialisten ein. Somit prüfe ich als Spezialist, ob ich die Order gegen eine andere (Verkaufs)-Order ausführen kann und zeige diese öffentlich dem restlichen Markt an. Darüber hinaus sind wir auch direkt mit den einzelnen Emittenten verbunden. Wir erhalten sekündlich Preisupdates zu den Zertifikaten und prüfen jederzeit, ob eine ausführbare Situation gegen den Quote des Emittenten möglich ist. Da die Frankfurter Wertpapierbörse ein öffentlich regulierter Markt ist, veröffentlichen wir auf verschiedenen Internetseiten unsere Quotes (Ankauf- und Verkaufskurse). Hierbei achten wir vor allem darauf, dass Kundenorders berücksichtigt werden. Sollte somit beispielsweise ein limitierter Kaufauftrag im Spread (Spanne zwischen Geld- und Briefkurs) liegen, zeigen wir diese Order an. Nun kann ein Verkäufer auf diese bessere Geldseite im Markt reagieren und sein Zertifikat über dem Marktwert verkaufen und der Käufer es günstiger als beim Emittenten erwerben.

Was sind die Vorteile des börslichen Handels?

Der größte Vorteil des börslichen Handels ist der Anlegerschutz, der bei der Frankfurter Wertpapierbörse klar im Vordergrund steht. Die Handelsüberwachungsstelle (HüSt) der Deutschen Börse ist ein eigenständiges Börsenorgan und überwacht den Handel und die Börsengeschäftsabwicklung. Somit ist die HüSt ein neutrales Organ, welches nicht dem Börsenbetreiber untersteht. Es werden Preisfeststellungen, das Verhalten der Marktteilnehmer und die Einhaltung der Regelwerke und der börsenrechtlichen Vorschriften während eines Handelstages überwacht. Sollten Anleger Unregelmäßigkeiten feststellen oder sich über eine nicht korrekte Preisfeststellung beschweren wollen, kann dies über die kostenlose Hotline der HüSt erfolgen.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Transparenz. So werden nicht nur die Kundenorders im Orderbuch angezeigt, um den Spread zu verengen, sondern auch dokumentiert. Anleger können somit jederzeit die Preisfeststellungen (Umsätze) und die Bewertungskurse, sprich Geldkurse ohne Umsatz, nachschauen und nachvollziehen. Dies ist nicht nur tagesaktuell sondern auch historisch möglich.

Mit dem börslichen Direkthandel (Quote-Request) wird ein neuer Standard geboten. So ist es möglich, dass Anleger eine Preisanfrage an der Börse stellen und einen aktuellen (indikativen) Quote zurückerhalten. Nach Bestätigung des Quotes durch den Anleger wird eine limitierte Order in das Orderbuch eingestellt und der Spezialist führt diese nach Prüfung des aktuellen Emittentenquotes aus. Sollte die Order nicht ausführbar sein, wird diese automatisch gelöscht und der Kunde kann einen neuen `Quote Request` stellen.

  

04.12.2021 09:22:06

 
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