Ein Börsenhändler meldet sich zu Wort – Teil 2: Ordertypen im börslichen Handel

Ein Börsenhändler meldet sich zu Wort – Teil 2: Ordertypen im börslichen Handel

Freitag, 3. Mai 2019 Autor Manuel TuleziLesezeit: 3 Minuten

In insgesamt über sieben Teilen wollen wir Ihnen hochwertiges Wissen rund um das spannende Thema Börsenhandel näherbringen. Dazu wird Manuel Tulezi, Händler für derivative Produkte bei der ICF Bank AG, befragt.

Welche Ordertypen gibt es an der Börse Frankfurt und wie funktionieren sie?

Die Frankfurter Wertpapierbörse bietet für den Parketthandel sieben verschiedene Ordertypen an. So haben Anleger die Möglichkeit, die Ordertypen aus drei verschiedenen Kategorien zu wählen. Es gibt Klassische-Ordertypen, Stop-Orders und intelligente Ordertypen.

Die klassischen Ordertypen umfassen zwei Arten von Kauf- und Verkaufsorders – Market- und Limit-Orders. Die Market-Orders werden zum nächsten und bestmöglichen Kurs ausgeführt. Sind es sogenannte Billigst-Orders, werden die Käufer zum niedrigsten möglichen Preis ausgeführt. Bei Bestens-Orders werden die Papiere zum höchstmöglichen Kurs verkauft. Limit-Orders hingegen geben ein festes Preislevel vor. So haben Anleger die Möglichkeit, eine Preisober- bzw. Preisuntergrenze anzugeben, zu der ihre Order ausgeführt werden soll.

Unter Stop-Orders werden die klassichen Ordertypen mit Ausführungsbeschränkungen zusammengeführt. Mit diesen Stop-Orders wird Anlegern die Möglichkeit geboten, angefallene Gewinne zu schützen oder Verluste zu begrenzen. Hierunter wird ein Auftrag verstanden, der beim Erreichen des Stop-Kurses aktiviert wird. So werden bei einer Stop- Market-Order bei erreichen eine Kauforder (billigst) oder Verkaufs-Order (bestens) ohne Limit (Market) eingestellt. Darüber hinaus kann dieser Ordertyp auch mit einem Limit versehen werden. In diesem Fall wird von einer sogenannten Stop-Limit-Order gesprochen. Hier wird zwischen Stop-Loss-Orders und Stop-Buy-Orders unterschieden. Die Stop-Loss-Order ist eine limitierte Verkaufsorder, die bei Unterschreiten des Stoplevels ausgelöst wird, wobei die Stop-Buy-Order als limitierte Kauforder bei überschreiten eines des Stoplevels ausgelöst wird. Bei diesen beiden Ordertypen haben unsere Kunden die Chance, sich bei turbulenten Märkten ihre Geldanlagen abzusichern.

Seit einigen Jahren bietet die Frankfurter Wertpapierbörse auch intelligente Ordertypen an. Diese Art unterscheidet sich signifikant von anderen Ordertypen, da sie dynamisch und vielschichtig sind. So wurde mit der Trailing-Stop-Order (nachlaufenden Stop-Orders) eine neue Art von Stop-Order eingeführt. Hier werden die Limits dynamisch mit einem festen, absoluten oder prozentualen Abstand nachgezogen. So können unrealisierte Gewinne abgesichert werden und bei fallenden Märkten zum Stop bestens (zur aktuellen Geldseite) verkauft werden. Ein weiterer intelligenter Ordertyp ist die „One-cancels-other“, kurz „OCO“, zu Deutsch „die eine storniert die andere“. Dieser Ordertyp wird oft von aktiven Daytradern genutzt, um ein passendes Limit für zwei gegenläufige Marktszenarien zu setzen. Hierbei werden zwei Orders eingestellt und bei Eintritt des Limits wird eine andere Order gelöscht.

Welche Ordertypen werden am häufigsten verwendet?

Unsere Anleger verwenden in der Mehrzahl ganz klar Market- und Limit-Orders. Diese beiden Typen werden in allen Marktlagen von den Anlegern an der Frankfurter Wertpapierbörse genutzt. An volatilen (schwankungsintensiven) Tagen sehen wir oft Stop-Market-Orders.

Manche Händler setzen aber auch bei ihren Korrelationsmodellen auf die „Order on Event“. Hier nutzen sie ganz klar die Möglichkeit aus, die Marktbewegung eines Referenzwertes (Future, Aktie etc.) auszunutzen.

Welche „intelligente Ordertypen“ gibt es?

Es gibt zwei intelligente Ordertypen die an der Frankfurter Wertpapierbörse genutzt werden können. Wie bereits zu Beginn erläutert handelt es sich um die „one-cancels-other“ - kurz „OCO“ - und der „Order on Event“.

Welche Order passt am besten zu mir und der Marktsituation?

Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden, da viele Faktoren im Vorfeld abgeklärt werden müssen. So kommt es beispielsweise auf persönliche Faktoren des Anlegers an, wie beispielsweise sein Ziel und seine Risikobereitschaft. Weiterhin muss zusätzlich noch die aktuelle Marktlage eingeschätzt werden.

Viele unserer Kunden setzen mit einer Market-Order in allen Marktphasen darauf, auf jeden Fall ihre Anteile zu erwerben – zur aktuellen Briefseite. Manch andere möchten nicht mehr als einen bestimmten Preis hierfür zahlen und stellen eine Limit-Order ein, mit dem Risiko die Stücke nicht zu erhalten und gegebenenfalls, nicht am Trend zu partizipieren.

Welche Handelsbeschränkungen gibt es?

Es wird zwischen zwei Handlungsbeschränkungen, der Gültigkeits- und Ausführungsbeschränkung, unterschieden.

Die Gültigkeitsbeschränkung umfasst alle zusätzlichen Informationen, die ein Anleger zu der Gültigkeit der Order hinzufügen kann und sowohl auf XETRA I als auch auf XETRA II verfügbar ist. So kann die Order tagesgültig sein und nur für den laufenden Handelstag gelten an dem sie aufgegeben wurde, einen Datumsbezug haben und somit bis zu einem vom Anleger vorgegebenen Datum gültig sein oder eine unbefristete Gültigkeit haben. Somit bleibt die Order solange im Orderbuch bis sie manuell gelöscht bzw. ausgeführt wird oder nach 360 Tagen verfällt.

Die Ausführungsbeschränkungen umfassen alle zusätzlichen Informationen, die bei einer Teilausführung zum tragen kommen und nur auf XETRA I und somit nicht im Spezialistenhandel auf dem Parkett der Frankfurter Wertpapierbörse verfügbar ist. So können die Order mit dem Zusatz „Fill-or-Kill“, zu Deutsch ganz oder gar nicht, entweder vollständig ausgeführt oder gelöscht werden. Bei der sogenannten „Immediate-or-Cancel“, zu Deutsch „sofort oder löschen“, wird die Order bei Markteintritt ganz oder teilweise ausgeführt. Die nicht ausgeführten Teile werden sofort gelöscht. Die letzte Ausführungsbeschränkung umfasst die Platzierung der Order. Unter „auction only“, zu Deutsch nur Auktion, wird darauf hingewiesen, dass die Order nicht im fortlaufenden Handel ausgeführt wird, sondern nur in einer der drei XETRA Auktionen.

  

02.12.2021 16:28:18

 
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