Delivery Hero: Führt die Wachstumsstrategie in den DAX?

Delivery Hero: Führt die Wachstumsstrategie in den DAX?

Mittwoch, 19. August 2020Lesezeit: 4 Minuten

Am heutigen Abend soll entschieden werden, wer den insolventen Zahlungsabwickler Wirecard im deutschen Leitindex ablösen darf. Mit Delivery Hero steht ein deutsches Technologieunternehmen in den Startlöchern, um die vakante Stelle im DAX einzunehmen. Dies wäre in vielerlei Hinsicht eine besondere Besetzung für den DAX.

DAX-Anpassung Anfang September

Die Folgen des Wirecard-Bilanzskandals weiten sich nun auch auf das Regelwerk zur Zusammensetzung des deutschen Leitindexes DAX aus. Es wurde sich darauf geeinigt, Unternehmen, die einen Insolvenzantrag stellen, sofort aus dem DAX auszuschließen. In diesem Falle muss Wirecard einem Aufsteiger aus dem MDAX weichen. Für den Aufstieg müssen die Kandidaten einige Kriterien erfüllen. Zum einen muss ein Unternehmen mindestens Rang 35 im Börsenwert der frei handelbaren Aktien einnehmen. Zum anderen müssen die Aktien auch rege gehandelt werden. Auch hier ist mindestens Rang 35 nötig. Hier sticht vor allem Delivery Hero heraus – ein Unternehmen, das direkt von den Auswirkungen der Corona-Krise profitiert zu haben scheint.

Delivery Hero verzichtet komplett auf Deutschlandgeschäft

Das Unternehmen wurde 2011 gegründet und vermittelt digitale Online-Essensbestellungen an lokale Lieferdienste oder betreibt diese selbst. Lieferdienste wurden, bedingt durch die Ausgangsbestimmungen in Folge der Corona-Pandemie, vermehrt von Kunden nachgefragt. Das Besondere am Berliner Technologieunternehmen ist, dass es sein komplettes Deutschlandgeschäft an den niederländischen Konkurrenten Takeaway.com abgestoßen hat. Somit wäre man das einzige Unternehmen des DAX, das operativ nicht auf dem heimischen Markt aktiv ist. Dafür konnte das Geschäftsmodell des Unternehmens mittlerweile in über 40 Ländern Fuß fassen und stach in der Vergangenheit mit guten Wachstumsraten hervor. Auch das vergangene Quartal konnte den Markt überzeugen. Mit einer Umsatzsteigerung von 92% im ersten Quartal und einer annähernden Verdopplung der Essensbuchungen konnte Delivery Hero zuletzt glänzen. Von dem Krisentief im März bei rund 50 EUR konnte sich die Aktie längst wieder erholen und auch die 100 EUR Marke wurde inzwischen durchbrochen. Die Mehrheit der Analysten geht davon aus, dass sich der Trend auch in Zukunft fortsetzen wird. So schrieb Analystin Sarah Simon von der Privatbank Berenberg, dass Konsumenten zunehmend Online statt per Telefon bestellen würde und die jüngere Generation weltweit weniger selbst koche. Wachstumsfördernd komme der Ausbau der Lieferplattform hinzu, in dem zum Beispiel neben den Mahlzeiten – je nach Region – auch Medikamente, nicht ausgeschlossen. Wichtiger seien momentan allerdings Investitionen in Technologie und der Ausbau des Angebots.

Bisher keine Gewinne: Wachstum vor Profitabilität

Wären schwarze Zahlen ein Auswahlkriterium für die Aufnahme in den Dax, hätte Delivery Hero ein Problem. Die aggressive Wachstumsstrategie sorgte stets dafür, dass die Firma operativ noch in den roten Zahlen steckt. Die steigenden Kosten entstammen aus Investitionen in neue Wettbewerbsmärkte. Liederdienste gelten als besonders wettbewerbsintensiv bei der Kundenumwerbung. Eigentlich wollte man bereits im Jahre 2018 schwarze Zahlen schreiben. Von diesem Ziel distanzierte man sich dann wieder. „Wir werden die Gewinnschwelle knacken, wenn wir groß genug sind“, sagte Oestberg zuletzt Ende April. Man müsse einfach nur geduldig sein. Die Analysten sind nicht einer Meinung bezüglich des möglichen Aufstiegs in den DAX. So sagt Ex-DWS-Chef und Corporate-Governance-Experte Christian Strengerer, dass der DAX mit Delivery Hero gleich den nächsten Problemfall bekommen könnte. Dafür seien neben den noch vorerst ausbleibenden Gewinnen auch Schwachstellen im Corporate Governance verantwortlich. Die ausbleibende Profitabilität hingegen wird von einigen Analysten nicht als Problem angesehen. Diese führen an, dass das Halbjahresergebnis nur richtig zu interpretieren sei. Vergleiche man das Ergebnis auf Basis der Ertragskennziffer Ebitda mit den Verlusten, wachse der Verlust von Delivery Hero im ersten Halbjahr 2020 nicht so stark wie der Umsatzzuwachs. Für zusätzliche Stabilität sorgt zudem die hohe Eigenkapitalquote, die auch dank des Verkaufs des Deutschland-Geschäfts üppig erscheint. Außerdem hatte das Unternehmen nie Probleme, sich am Kapitalmarkt zu finanzieren.

Die Aktie im Überblick

Die Aktie der Delivery Hero SE wird aktuell bei EUR 101,55 gehandelt (19.08.2020) gehandelt. Das Jahreshoch wurde bei EUR 106,20 (06.07.2020) und das Jahrestief bei EUR 38,59 (10.10.2019) erreicht. Bei Bloomberg setzen 13 Analysten die Aktie auf BUY, 3 auf HOLD und 0 Analysten setzten sie auf SELL.

Ausgewählte Risiken:


Korrelationsrisiko:
Multi Aktienanleihen mit Barriere (Worst of): Dieser Typ der Aktienanleihen bezieht sich auf mehrere Basiswerte. Damit ist der Grad der Abhängigkeit der Wertentwicklung der Basiswerte voneinander (sog. Korrelation) wesentlich für die Beurteilung des Risikos, dass mindestens ein Basiswert seine Barriere erreicht. Anleger sollten beachten, dass bei mehreren Basiswerten für die Bestimmung des Auszahlungsbetrags der Basiswert maßgeblich ist, der sich während der Laufzeit der Wertpapiere am schlechtesten entwickelt hat (sog. Worst-of-Struktur). Das Risiko eines Verlusts des investierten Kapitals ist daher bei Worst-of-Strukturen wesentlich höher als bei Wertpapieren mit nur einem Basiswert.

Marktrisiko: Die Entwicklung der Aktienkurse der jeweiligen Unternehmen ist von vielen unternehmerischen, konjunkturellen und ökonomischen Einflussfaktoren abhängig, die der Anleger bei der Bildung seiner Marktmeinung zu berücksichtigen hat. Der Aktienkurs kann sich auch anders entwickeln als erwartet, wodurch Verluste entstehen können.

Emittenten- / Bonitätsrisiko: Anleger sind dem Risiko ausgesetzt, dass Emittent und Garant ihre Verpflichtungen aus dem Produkt und der Garantie - beispielsweise im Falle einer Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit / Überschuldung) oder einer behördlichen Anordnung von Abwicklungsmaßnahmen - nicht erfüllen können. Eine solche Anordnung durch eine Abwicklungsbehörde kann im Falle einer Krise des Garanten auch im Vorfeld eines Insolvenzverfahrens ergehen. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Das Produkt unterliegt als Schuldverschreibung keiner Einlagensicherung.

Wichtige Hinweise: Diese Information ist weder eine Anlageberatung noch eine Anlagestrategie- oder Anlageempfehlung, sondern Werbung. Die vollständigen Angaben zu den Wertpapieren, insbesondere zur Struktur und zu den mit einer Investition verbundenen Risiken, sind in dem Basisprospekt, nebst etwaiger Nachträge, sowie den jeweiligen Endgültigen Bedingungen beschrieben. Der Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen stellen das allein verbindliche Verkaufsdokument der Wertpapiere dar. Es wird empfohlen, dass potenzielle Anleger diese Dokumente lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollständig zu verstehen. Die Dokumente sowie das Basisinformationsblatt sind auf der Internetseite des Emittenten, Vontobel Financial Products GmbH, Bockenheimer Landstraße 24, 60323 Frankfurt am Main, Deutschland, unter prospectus.vontobel.com veröffentlicht und werden beim Emittenten zur kostenlosen Ausgabe bereitgehalten. Die Billigung des Prospekts ist nicht als Befürwortung der angebotenen oder zum Handel an einem geregelten Markt zugelassenen Wertpapiere zu verstehen. Bei den Wertpapieren handelt es sich um Produkte, die nicht einfach sind und schwer zu verstehen sein können. In dieser Information sind Angaben enthalten, die sich auf die Vergangenheit beziehen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

21.10.2020 23:45:14

 
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