Das Ether 1x1 – Teil 8: Smart Contracts auf der Ethereum Plattform

Das Ether 1x1 – Teil 8: Smart Contracts auf der Ethereum Plattform

Dienstag, 13. August 2019Lesezeit: 7 Minuten

Über ein Partizipationszertifikat und über Mini Futures bietet Vontobel nun Anlegern Zugang zur Kryptowährung «Ether». Doch was hat es mit der zweitbekanntesten Kryptowährung auf sich? In über insgesamt elf Teilen wollen wir Ihnen hochwertiges Wissen rund um das spannende Thema «Ether» näherbringen.

Ethereum-Blockchain: Perfekte Umgebung für Smart Contracts

Smart Contracts («intelligente Verträge») sind selbstausführende Verträge, die bei bestimmten Ereignissen in Kraft treten und auf Computerprotokollen basieren. Der Code und die darin enthaltenen Vereinbarungen existieren über ein dezentrales Blockchain-Netzwerk. Durch diese Smart Contracts können vertrauenswürdige Transaktionen und Vereinbarungen zwischen anonymen Parteien und ohne eine Drittpartei ausgeführt werden. Und dabei soll trotzdem Rechtssicherheit gewährleisten werden. Gleichzeitig ermöglichen sie das automatische Ausführen von Verträgen unter bestimmten Bedingungen. Smart Contracts machen alle Transaktionen nachvollziehbar, transparent und irreversibel. Sie sind vergleichbar mit herkömmlichen Verträgen, wie sie beispielsweise beim Autokauf oder bei einem Arbeitsvertrag abgeschlossen werden. Sie sind jedoch kostengünstiger und effizienter. Menschliche Fehlerquellen sind nahezu ausgeschlossen. Ethereum ist die bekannteste Blockchain-Plattform, die Smart Contracts anbietet.

 

Wie Smart Contracts dank der Blockchain-Technologie funktionieren

Smart Contracts führen automatisch Transaktionen und andere spezifische Aktionen innerhalb eines Netzwerks mit Parteien aus, die sich nicht zwingend vertrauen. Die Bedingungen, an die sich beide Parteien zu halten haben, sind im Vertrag vorprogrammiert. Dabei gilt der Grundsatz: «Code is law». Bei Abschluss dieser Bedingungen wird dann eine Transaktion oder eine andere spezifische Aktion angestoßen. Smart Contracts werden genauso abgewickelt, wie sie programmiert wurden, also ohne dass Zensur, Ausfallzeiten, Betrug oder Störungen durch Dritte möglich sind. Gleichzeitig werden alle Vertragspartner in Echtzeit über Statusänderungen informiert, denn durch die dezentrale Blockchain-Architektur muss jeder über den aktuellen Informationsstand verfügen, damit sie sicher bleibt.

Smart Contracts könnten einen kompletten Verkaufsprozess (bspw. bei einem Hausverkauf) wesentlich erleichtern. Denn sie lösen das Vertrauensproblem, da sie nach dem «Wenn-Dann»-Prinzip funktionieren, d.h. das Eigentum am Haus geht erst dann auf den Käufer über, wenn der vereinbarte Geldbetrag an das System transferiert wurde. Das bedeutet, dass sowohl das Geld als auch das Eigentumsrecht im System gespeichert und exakt zur gleichen Zeit an die beteiligten Parteien zugeteilt werden. Darüber hinaus wird die Transaktion vom Netzwerk verifiziert, so dass eine fehlerlose Übergabe gewährleistet ist. Da das Vertrauensproblem zwischen den Parteien gelöst ist, kann auf einen Vermittler verzichtet werden: Alle Aufgaben, die ein Immobilienmakler durchführt, können in einem Smart Contract vorprogrammiert werden, während sowohl der Verkäufer als auch der Käufer erhebliche Geldsummen sparen.

Vorteile von Smart Contracts

- Vertrauen - In Smart Contracts können mehrere Parteien eingebunden werden, die sich nicht hundertprozentig vertrauen. Denn die Erfüllung und Überwachung der Verträge läuft vollständig automatisch ab. Das unvoreingenommene System intelligenter Verträge macht Vertrauen daher unnötig.

- Autonomie - Smart Contracts beseitigen die Notwendigkeit eines dritten Vermittlers wie beispielsweise Juristen, Anwälte, Immobilienmakler und Notare: Die Überwachung und Einhaltung der Verträge erfolgt ohne menschliche Interaktion und ohne manuelles Eingreifen. Fällt ein Mitarbeiter aus, kann es zu Verzögerungen im Unternehmen oder beim Kunden kommen. Beim Einsatz von Smart Contracts stellt sich dieses Problem erst gar nicht, denn durch sie wird das operationelle Risiko der Vertragsparteien enorm reduziert. Die Rechte der Vertragspartner können automatisch durchgesetzt werden. Somit ist beispielsweise der Berufsstand des Gerichtsvollziehers in Gefahr: Bezahlt ein Kunde die Rate für sein Auto nicht, so kann der Zugang zum Fahrzeug automatisch gesperrt werden.

- Kosten- und Zeitaufwand - Da Vermittler nicht mehr benötigt werden, fallen die meist hohen Gebühren, die sie verlangen weg. Zudem kann durch Smart Contracts eine Menge Zeit gespart werden, die normalerweise für die manuelle Verarbeitung von Papierdokumenten, das Versenden oder den Transport an bestimmte Orte benötigt wird.

- Sicherheit - Smart Contracts sind durch komplexe kryptografische Verschlüsselungsverfahren vor Hackern sicher: Niemand kann Dokumente stehlen oder verlieren, da sie verschlüsselt in einem gesicherten, dezentralisierten Hauptbuch gespeichert sind. Zudem kann niemand die ausgehandelten Vertragsbedingungen im Nachhinein verändern. Des Weiteren sind Smart Contracts sehr verlässlich, denn bei korrekter Programmierung, sind Interpretationsschwierigkeiten der Vertragsbedingungen nahezu ausgeschlossen.

- Zahlungsmittel - Es ist möglich Kryptowährungen als Zahlungsmittel in Smart Contracts zu implementieren. Das bedeutet, dass die Vertragserfüllung direkt in einer Kryptowährung wie Ether bezahlt werden kann.

Nachteile nicht ausgeschlossen

- Programmierfehler - Smart Contracts sind eine extrem junge Technologie und daher noch nicht vollständig ausgereift. Zum Beispiel könnte der Programmcode fehlerhaft sein. Da Informationen auf einer Blockchain unveränderlich sind, können derartige Fehler im Nachhinein nicht mehr ausgebessert werden. Durch einen Programmierfehler eines komplexen Smart Contracts in Form einer «DAO», konnten Hacker im Juni 2016 Ether im Wert von USD 50 Mio. stehlen. Infolge dessen wurde ein Hard Fork durchgeführt, wodurch die Kryptowährung Ethereum Classic entstand.

- Neuartige Technologie - Die Neuartigkeit der Technologie wirft noch viele Fragen auf. Wie werden Smart Contracts von der Regierung reguliert? Wie werden sie besteuert? Was passiert, wenn der Smart Contract keinen Zugang zum Vertragsgegenstand hat oder etwas Unerwartetes passiert? (Falls dies bei einem klassischen Vertrag geschieht, kann dieser vor Gericht aufgehoben werden.) Trotzdem hat die Technologie durchaus Potential und wird im Laufe der Zeit sicherlich optimiert werden.

- Unveränderlichkeit - Im Gegensatz zu Desktop- oder Webanwendungen sind kontinuierliche Updates von Smart-Contracts nicht ohne weiteres möglich. D.h., dass ein Smart-Contract-Code nicht mehr ohne Weiteres revidiert werden kann, ohne die Integrität der in der Blockchain gespeicherten Daten in Frage zu stellen. Die Bedingungen für die Vertragserfüllung können sich aber zufällig ändern. Es ist außerdem möglich, dass in den Programmcode Hintertüren einprogrammiert werden. Die Verlässlichkeit und Unveränderlichkeit eines Smart Contracts auf Basis einer Blockchain hängt somit von seinen Programmierern ab. Haben sie böse Absichten, könnten sie durch einen schädlichen Smart Contract z.B. Spam verschicken oder als Bots innerhalb der Blockchain agieren.

Anwendungsmöglichkeiten von Smart Contracts

Smart Contracts sind überall da sinnvoll, wo Vertragsabschlüsse schnell und ohne menschliche und unternehmerische Hindernisse gefragt sind.

- Finanzbranche - Da Smart Contracts im Zusammenhang mit Kryptowährungen entstanden sind, werden sie noch überwiegend in der Finanzbranche eingesetzt. Sie fokussieren sich zum Beispiel auf den internationalen Zahlungsverkehr, um Überweisungen schneller und kostengünstiger zu gestalten. Zudem wird in der Abwicklung von Wertpapiertransaktionen ein vielversprechendes Anwendungsfeld gesehen. Auch die Emission von Anleihen wurde bereits unter Verwendung der Blockchain-Technologie veranlasst: Zusammen mit der Weltbank hat Australiens größte Bank, die Commonwealth Bank of Australia die erste Blockchain-Anleihe auf der Ethereum-Plattform begeben. Aber auch Daimler hat zusammen mit der LBBW einen Blockchain-basierten Schuldschein platziert.

- Regierungen - Demokratische Wahlen wären mit dieser Technologie denkbar. Grundlage dafür könnte ein Vertrag sein, der zwischen der jeweiligen Regierung und den Staatsbürgern des Landes abgeschlossen wird. Dadurch könnte die Regierung nicht nur einsehen, wer gewählt hat, sondern Bürger könnten bequem mit einem Klick ihre Stimme abgeben.

- Energiesektor - Zum Beispiel bietet der Stromanbieter RWE seinen Kunden über die Ethereum-Plattform Smart Contracts an, damit sie unkompliziert an Stromtankstellen den bezogenen Strom bezahlen können. Statt umständlicher Zahlungssysteme, Vandalismus gefährdeter Automaten und der langsamen Abwicklung des Zahlungsverkehrs, zahlen Elektroauto-Fahrer per Blockchain. Die Transaktion geht genauso schnell und bequem wie mit Bargeld – aber ohne die Sicherheitsrisiken. Solche Systeme sind auch bei Stromkunden möglich, die gleichzeitig Produzenten sind und Solarzellen haben, um eine qualitative Verrechnung zu gewährleisten.

- Supply-Chain-Management - Lieferketten von Waren bestehen meistens aus mehreren Parteien. Vom Konsumenten, über den Händler, den Großhändler, dem Unternehmen, dem Lieferanten und den Produzenten können Smart Contracts auf Blockchain-Basis allen Parteien eine gemeinsame Vertragsbasis bieten. Die beteiligten Parteien könnten dann in Echtzeit verfolgen, in welchem Stadium sich das angebotene Produkt gerade befindet.

- Gesundheitswesen - Patientendaten könnten in einem Smart Contract sowohl für den Patienten, als auch für Ärzte und Versicherungen dargestellt werden. Alle Daten könnten dann auf einen Blick einsehbar sein. Patienten könnten außerdem individuell entscheiden, welche Daten sie preisgeben wollen.

- Immobilien - Smart Contracts können nicht nur Mietverhältnisse regeln, sondern auch den Kauf oder Verkauf von Grundstücken vereinfachen.

Smart Contracts sind die Vertragsform von morgen – mit Ethereum als gehypten Vorreiter

Smart Contracts stellen eine Innovation gegenüber herkömmlichen Verträgen dar. Sie könnten die Vertragsform von morgen bereitstellen, da deren Implementierung eine Sicherheit bietet, die dem herkömmlichen Vertragsrecht überlegen ist, sie erleichtern den Austausch von Geld, Eigentum und anderen Wertgegenständen, sie reduzieren Transaktionskosten und lösen Vertrauensfragen zwischen den Parteien. Sie verfügen theoretisch über viele Einsatzmöglichkeiten. Die Technologie und die praktische Umsetzung stecken allerdings noch in den Kinderschuhen. Smart Contracts werden jedoch in den meisten Kryptowährungs-Netzwerken eingesetzt und sind eine der am meisten gehypten Eigenschaften von Ethereum.

Alle Artikel zum Ether 1x1 finden Sie hier  

Ausgewählte Risiken:

Korrelationsrisiko: Protect Multi Aktienanleihen beziehen sich auf mehrere Basiswerte, womit der Grad der Abhängigkeit der Wertentwicklung der Basiswerte voneinander (sog. Korrelation) wesentlich für die Beurteilung des Risikos ist, dass mindestens ein Basiswert seine Barriere erreicht. Anleger sollten auch beachten, dass bei mehreren Basiswerten für die Bestimmung des Auszahlungsbetrags in der Regel der Basiswert maßgeblich ist, der sich während der Laufzeit der Wertpapiere am schlechtesten entwickelt hat (sogenannte Worst-of-Strukur), das heißt, dass das Risiko eines Verlustes des investierten Kapitals bei Worst-of-Strukturen wesentlich höher ist als bei Wertpapieren mit nur einem Basiswert.

Marktrisiko: Die Entwicklung der Aktienkurse der jeweiligen Unternehmen ist von vielen unternehmerischen, konjunkturellen und ökonomischen Einflussfaktoren abhängig, die der Anleger bei der Bildung seiner Marktmeinung zu berücksichtigen hat. Der Aktienkurs kann sich auch anders entwickeln als erwartet, wodurch Verluste entstehen können.

Wichtige Hinweise:
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25.08.2019 01:36:20

 
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