Das Ether 1x1 – Teil 6: Ethereum vs. Bitcoin – Part 1

Das Ether 1x1 – Teil 6: Ethereum vs. Bitcoin – Part 1

Donnerstag, 27. Juni 2019Lesezeit: 7 Minuten

Über ein Partizipationszertifikat und über Mini Futures bietet Vontobel nun Anlegern Zugang zur Kryptowährung «Ether». Doch was hat es mit der zweitbekanntesten Kryptowährung auf sich? In über insgesamt acht Teilen wollen wir Ihnen hochwertiges Wissen rund um das spannende Thema «Ether» näherbringen.

1. Allgemeiner Ansatz vs. spezielle Funktion

Bitcoin ist so konzipiert, dass es nur eine Funktion erfüllt: Es ist eine neue Währung, die geschaffen wurde, um mit Fiatwährungen zu konkurrieren. Es möchte ein zuverlässiges Währungssystem bieten, das frei von (unbegrenzter) Inflation und staatlichen Eingriffen ist.

Ethereum hingegen entwickelt sich zu einem «Weltcomputer»; einer Blockchain-basierten Programmiersprache, die mit ihrem Token Ether Smart Contracts und DApps erschafft. Die Ethereum-Plattform ist die aktualisierte Version von Bitcoin und wird oft als «Bitcoin 2.0» oder «Blockchain 2.0» bezeichnet. Es versucht die Lücken zu schließen, die Bitcoin nicht füllen kann. Ethereum bietet jedoch durch die Erhöhung der Komplexität auf Protokollebene seinen Gegnern eine größere Angriffsfläche.

2. Der erste Ether vs. der erste Bitcoin: ICOs vs. Mining

Der erste Bitcoin entstand durch Mining, der erste Ether durch einen Initial Coin Offering («ICO»). Es wird angenommen, dass der Bitcoin in seiner Frühphase ausschließlich von Satoshi Nakamoto gemined wurde. Kryptoexperten schätzen, dass Satoshi etwa 5% des gesamten Angebots besitzt, aber einige spekulieren, dass sie möglicherweise nicht mehr zugänglich sind.

Ethereum wurde in Form eines ICOs auf dem Markt gebracht. Ether-Token wurden im Jahr 2014 zum ersten Mal verkauft. Dabei wurden Ether-Token im Wert von mehr als USD 14 Mio. gesammelt. In der Anfangszeit wurden dann 60. Mio. Ether verteilt, 12 Mio. davon flossen in die Ethereum Foundation, eine Stiftung mit Sitz in der Schweiz, die Ethereum-Projekte fördert. Im Vergleich dazu hatte Bitcoin einen faireren Start. Die Mehrheit der ICOs - die weitere Kryptowährungen und Token zu Unternehmens- und Projektfinanzierungen emittieren - finden auf der Ethereum-Plattform statt. Hier zahlt der Investor mit Ether, um in den Projekt-Token zu investieren, in der Hoffnung, dass dieser in Zukunft an Wert gewinnt.

 

3. Die Anzahl der Coins: Unbegrenzt vs. Begrenzt

Ein wesentlicher Faktor für den Preis einer Währung ist dessen Angebot. Je mehr die Geldmenge ansteigt, desto stärker ist der Inflationsdruck, der auf dieser Währung lastet. Auch Kryptowährungen steuern wie Standardwährungen die Geldmenge, indem sie die maximal zulässige Geldmenge und deren Wachstumsrate kontrollieren – jedoch in Abwesenheit einer Zentralbank. Stattdessen regelt der Algorithmus das Angebot der Coins. Die Bereitstellung der Kryptowährung ist dabei vordefiniert und allen Marktteilnehmern ab der Währungseinführung bekannt.

Bei der Versorgung der Coins haben Ether und Bitcoin unterschiedliche Modelle: Die maximale Versorgung von Bitcoin ist auf insgesamt 21 Mio. BTC begrenzt, während die Ethereum-Plattform eine unbegrenzte Versorgung, aber eine jährliche maximale Versorgung von 18 Mio. ETH aufweist. Sowohl Bitcoin als auch Ether haben eine abnehmende Wachstumsrate des Angebots: Die Ausgabe von Bitcoins wird alle 210.000 Blöcke halbiert, was ungefähr alle 4 Jahre geschieht. Seit dem 9. Juli 2016 beträgt die Blockprämie 12,5 Bitcoins. Es wird erwartet, dass sie sich am 21. Mai 2020 auf 6,25 Bitcoins pro Block halbieren wird. Da Ethereum über eine jährliche Versorgungsobergrenze für Ether verfügt, sinkt die Wachstumsrate relativ gesehen leicht.

Bitcoin hat einen deflationären Angebotsstil, während Ethereum einen inflationären Angebotsstil aufweist. Denn Bitcoin hat eine begrenzte Anzahl von Coins die gemined werden können, während die Ethereum-Plattform täglich neue Ether produziert und ausgibt - ähnlich wie bei Papierwährungen. Durch die wachsende Anzahl des Ethers verliert die Münze stetig an Wert. Die Kaufkraft einer deflationären Währung wird mit der Zeit zunehmen, während der relative Wert einer inflationären Währung abnimmt. Bitcoin stimuliert daher das Sparen und kommt den Frühanwendern zugute, die es für weniger Geld gekauft haben. Ethereum fördert das Ausgeben und senkt die Einstiegskosten für Neueinsteiger.

Derzeit werden im Bitcoin-Netzwerk etwa alle 10 Minuten neue Blöcke abgebaut. Auf der Ethereum-Plattform hingegen wird im Durchschnitt alle 15 Sekunden ein neuer Block erstellt. Auf der Ethereum-Plattform werden dem Computer, der den Block erstellt hat, als Belohnung 2-3 Ether zugeteilt.

4. Konsensmechanismus: Proof of Stake vs. Proof of Work

Wenn eine neue Transaktion in der Blockchain erfasst wird, wird ein neuer Block im Distributed Ledger angelegt, ohne dass eine zentrale Behörde erforderlich ist. Die Einigung wird durch einen Konsensmechanismus von anderen Netzwerkmitgliedern erzielt. Sowohl Bitcoin als auch Ethereum nutzen den Konsensmechanismus Proof-of-Work (PoW), um die in der Blockchain erfassten Transaktionen zu validieren. Aber Ethereum plant in seiner Roadmap, auf Proof-of-Stake (PoS) umzustellen. Die PoW verfügt über einen Anreizmechanismus, der die Teilnehmer dazu motiviert, in Mining-Prozessoren zu investieren, indem sie Transaktionsgebühren und neu geschürfte Münzen erhalten und gleichzeitig das gesamte System aufrechterhalten. PoW verbessert die Blockchain-Sicherheit, indem Netzwerkknoten mathematische Probleme lösen müssen, bevor sie eine bestimmte Transaktion überprüfen können. Aber eine Lösung zu finden, erfordert eine beträchtliche Menge an Rechenleistung und Strom und verbraucht eine große Menge an realen Ressourcen. Dies kritisieren Umweltschützer. Miner müssen zudem immer wieder in die neueste Hardware investieren. Darüber hinaus wird der Kreis der Miner immer kleiner, weil immer mehr Strom und teure Hardware benötigt werden. Diese Tatsache widerspricht der Vision der Dezentralisierung und kann zur Gefahr einer Übernahme durch ein böswilliges Community-Mitglied führen, das mehr als 51% der Rechenleistung des Netzwerks kontrolliert.

Aufgrund dieser Nachteile wird die Ethereum-Gemeinschaft zu PoS, auch bekannt als "Casper", wechseln. Mit PoS kann so viel Ether gemined werden, abhängig davon wie viele Ether der Miner schon im Besitz hat. Einige behaupten, dass dies ein gerechteres System sein könnte als PoW, denn theoretisch könnte jeder ein Miner werden. Es wird auch eine schnellere Blockchain und einen geringeren Stromverbrauch gewährleisten. Darüber hinaus ist ein 51%-iger Angriff teurer, denn wenn jemand versucht, das System anzugreifen, werden seine bereits vorhandenen Ether aufgebraucht. In PoW sind die Kosten für den Angriff auf die Gemeinschaft nur die Kosten für Strom. Im PoS sind die Kosten für den Angriff auf eine Gemeinschaft jedoch die Höhe die Hinterlegung an Ether und die Kosten für Strom. Kritiker behaupten jedoch, dass PoS schließlich die Reichen nur reicher machen würde. Die Mitglieder würden ermutigt, Ether zu horten, anstatt sie bei Transaktionen zu verwenden.

5. Große Entwicklergemeinschaft vs. First-Mover-Vorteil

Der Netzwerkeffekt beschreibt, dass der Gesamtwert eines Netzwerks proportional zu seiner Anzahl an Nutzern steigt. Dies zeigt sich nicht nur in Social Media, sondern auch im Kryptowährungsmarkt. Als erste Kryptowährung, die 2008 eingeführt wurde, hat Bitcoin einen klaren First-Mover-Vorteil in Bezug auf den Netzwerkeffekt gegenüber Ethereum, welches in 2015 eingeführt wurde. Ethereum ist auf dem Markt viel kürzer als Bitcoin und hat daher eine geringere Medienpräsenz.

Da aber immer mehr und bessere Informationen über Ethereum veröffentlicht werden, wird es für Entwickler einfacher sein, sich dem System anzuschließen. Außerdem wird die Ethereum-Plattform höchstwahrscheinlich stabiler werden, da die meisten Blockchain-Token mit den Ethereum Smart Contracts programmiert werden. Außerdem hat Ethereum weitaus mehr Entwickler als die anderen Blockchain-Communities. Die Größe der Entwicklergemeinschaft ist ein kritischer Indikator dafür, welches Netzwerk sich langfristig durchsetzen wird. Zudem haben immer mehr Unternehmen und prominente Risikokapitalgeber Interesse an Ethereum. Es ist jedoch zu beachten, dass qualitativ minderwertige ICOs auch das Potenzial haben, die Plattform negativ zu beeinflussen.

6. Echte Dezentralisierung: Einflussreiche Persönlichkeit vs. geringe Mining-Pools

Bitcoin ist ein völlig dezentrales System, das nicht von einer zentralen Behörde kontrolliert wird, die angegriffen werden könnte. Obwohl das Protokoll theoretisch dezentralisiert ist, wird das Bitcoin-Netzwerk in der Praxis nach einigen Jahren von einer Handvoll Mining-Pools kontrolliert, die zusammen über 75% des Netzwerks kontrollieren. Dies würde das Bitcoin-Netzwerk anfällig für einen 51%igen Angriff machen, bei dem böswillige Mitglieder versuchen, einen Großteil der Community die Transaktionen validiert, zu kontrollieren.

Auf der Ethereum-Plattform können dezentrale Anwendungen (DApps) über Smart Contracts ausgeführt werden. Die DAO bietet eine dezentrale und autonome Organisationsform auf einer eigenen Blockchain an. Die tatsächliche Dezentralisierung von Ethereum kann jedoch in Frage gestellt werden, da Buterin als eine führende Persönlichkeit angesehen wird, deren Meinung einen großen Einfluss auf den Krypto-Markt hat. So können Entscheidungen der Marktteilnehmer von zentraler Stelle aus beeinflusst werden.

Teil 2 zu Ethereum vs. Bitcoin finden Sie hier  

Ausgewählte Risiken:

Korrelationsrisiko: Protect Multi Aktienanleihen beziehen sich auf mehrere Basiswerte, womit der Grad der Abhängigkeit der Wertentwicklung der Basiswerte voneinander (sog. Korrelation) wesentlich für die Beurteilung des Risikos ist, dass mindestens ein Basiswert seine Barriere erreicht. Anleger sollten auch beachten, dass bei mehreren Basiswerten für die Bestimmung des Auszahlungsbetrags in der Regel der Basiswert maßgeblich ist, der sich während der Laufzeit der Wertpapiere am schlechtesten entwickelt hat (sogenannte Worst-of-Strukur), das heißt, dass das Risiko eines Verlustes des investierten Kapitals bei Worst-of-Strukturen wesentlich höher ist als bei Wertpapieren mit nur einem Basiswert.

Marktrisiko: Die Entwicklung der Aktienkurse der jeweiligen Unternehmen ist von vielen unternehmerischen, konjunkturellen und ökonomischen Einflussfaktoren abhängig, die der Anleger bei der Bildung seiner Marktmeinung zu berücksichtigen hat. Der Aktienkurs kann sich auch anders entwickeln als erwartet, wodurch Verluste entstehen können.

Wichtige Hinweise:
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22.01.2021 01:58:02

 
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