Daimler: Nicht nur düstere Aussichten?

Daimler: Nicht nur düstere Aussichten?

Freitag, 12. Juni 2020Lesezeit: 5 Minuten

Daimler legte im Mai ein deutliches Wachstum in China hin. Im Mai haben die Händler im Land mehr als 70.000 Autos der Marke Mercedes-Benz an Kunden verkauft. Das sei ein prozentual zweistelliges Wachstum gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Lage in Europa und insbesondere in Deutschland bleibt nach dem Beschluss der Koalitionsspitze, von einer Kaufprämie für Autos mit Verbrennungsmotor abzusehen, allerdings ernüchternd.

Fehlende Kaufprämie für Autos mit Verbrenner

Die Autoindustrie ist mit rund 800.000 Beschäftigten die industrielle Schlüsselbranche in Deutschland. Entsprechend groß war die Enttäuschung, dass Union und SPD beschlossen haben, lediglich die bestehende Prämie für den Kauf von Elektrofahrzeugen zu verdoppeln. So sollen Käufer von Elektrofahrzeugen bis zum Nettolistenpreis von 40.000 Euro befristet bis Ende 2021 statt 3000 Euro auf 6000 Euro Förderung bekommen. Die großen deutschen Hersteller und auch die drei "Autoländer" Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen hatten sich dafür eingesetzt, auch den Kauf von Autos mit Verbrennungsmotor mit Kaufprämien zu bezuschussen, um die Konjunktur anzukurbeln. Vor allem die SPD-Spitze hat sich vor einem Konjunkturpaket auch für schadstoffarme Benzin- und Dieselfahrzeuge versperrt. Allerdings arbeiten 95 Prozent der Beschäftigten in der deutschen Autoindustrie an Fahrzeugen mit konventionellen Antrieben. Daher gebe es nur begrenzte Kapazitäten für Elektroautos. Die SPD wolle, dass die Autoindustrie noch stärker auf die Arbeitsplatzsicherung der Zukunft setzt und setzte mit dem Beschluss ein deutliches Zeichen.

Zum Paket der Koalitionsspitzen schrieb Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Duisburger Auto-Forschungsinstitut CAR: "Bei der Elektromobilität sind die 6000 Euro für die rein batteriegetriebenen Autos ein sehr kräftiger Impuls". Allerdings schrieb er auch, "[e]s fehlt der große Schub für die restlichen 90 Prozent, und genau die 90 Prozent bewegen unsere Wirtschaft und unser Sozialprodukt". Da das Angebot der deutschen Autobauer bei Elektromodellen noch nicht so groß ist, könnten vor allem ausländische Firmen wie Tesla von einer reinen Elektroprämie profitieren. Daimler hat beispielsweise im Pkw-Bereich derzeit nur den Mercedes EQC als reines Elektroauto im Portfolio sowie die zwei Kernmodelle der Kleinwagenmarke Smart.

Stefan Bratzel, Professor am Center of Automotive Management (CAM) der Fachhochschule Bergisch Gladbach, rechnet mit einem sehr schwierigen Jahr für die Autohersteller. „Die Herausforderung wird sein, dass Angebot von Elektroautos so schnell wie möglich zu erhöhen“, sagt Bratzel. Die Bundesregierung habe der Branche ein klares Signal gegeben. Bratzel zufolge werde das einen massiven Arbeitsplatzabbau nach sich ziehen. „Bereits vor Corona war klar, dass die Elektromobilität zu einem Abbau von Arbeitsplätzen innerhalb der Autoindustrie führen wird. Wir gehen von Größenordnungen von 15 bis 20 Prozent aus“, sagt der Autoexperte. „Die Prämien werden nun den Übergang zur Elektromobilität und damit auch den Arbeitsplatzabbau beschleunigen.“

Mehrwertsteuersenkung

Um in der Coronakrise den Konsum anzukurbeln, wollen Union und SPD den regulären Mehrwertsteuersatz von Juli bis Ende 2020 um drei Prozent auf 16 Prozent senken. Der ermäßigte Satz soll von sieben auf fünf Prozent gesenkt werden. Die Branchen sehen diesem Vorhaben mit gemischten Gefühlen entgegen.

Viele Autobauer wollen den Preisvorteil durch die Steuersenkung voll an ihre Kunden weitergeben, um vor dem Hintergrund ausbleibender Kaufprämien die Nachfrage in Deutschland zumindest teilweise wieder in Schwung zu bringen. Dies sei wichtig so der Verband der Automobilindustrie (VDA). Die unter der VDA organisierten Hersteller schafften die Voraussetzungen dafür, dass die Absenkung der Mehrwertsteuer in vollem Umfang den Kunden zu Gute kommen könne.

Aus Sicht von Daimler sei die Absenkung der Mehrwertsteuer ein wichtiges Signal zur Stärkung der Binnennachfrage. BMW-Vorstandschef Oliver Zipse bezeichnete die getroffenen Maßnahmen als "Transformationsbeschleuniger, um noch mehr Kunden für nachhaltige Mobilität zu begeistern".

Aussichten für Daimler

„Anfang des Jahres hat die Branche noch mit einem Volumen von weltweit 90 Millionen verkauften Pkws und leichten Nutzfahrzeugen für 2020 kalkuliert. Infolge der Coronakrise wurden diese Prämissen jetzt auf etwa 70 Millionen Einheiten zurechtgestutzt“, erläutert LBBW-Analyst Frank Biller. So sanken die Neuzulassungen laut Kraftfahrtbundesamt im Mai um rund 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 168.000 Fahrzeuge. Im April hatten die Neuzulassungen sogar mehr als 60 Prozent unter dem Vorjahreswert gelegen und waren damit auf den niedrigsten Stand seit 1991 gesunken. Das Minus in der Produktion beträgt dem VDA zufolge von Januar bis Mai 44 Prozent. Mit einem Rückgang von 95.385 Fahrzeugen oder 30,4% liegt Daimler immerhin unter dem Branchendurchschnitt.

Einzig China gilt als Silberstreif. In Fernost könnten die Pkw-Verkäufe im Automarkt schon 2022 wieder ins Plus drehen. Daimler legte im Mai sogar ein deutliches Wachstum in China hin. Im Mai haben die Händler im Land mehr als 70.000 Autos der Marke Mercedes-Benz an Kunden verkauft, wie das Unternehmen am Dienstag twitterte. Das sei ein prozentual zweistelliges Wachstum gegenüber dem Vorjahresmonat, sagte Daimler-Vertriebschefin Britta Seeger.

Daimler-CEO Ola Källenius bilanzierte Mitte April vor seinen wichtigsten Führungskräften: „Covid-19 hat die Achillesferse der Autoindustrie offengelegt“. Lange Entwicklungszyklen und zu hohe Fixkosten machen die Branche angreifbar. „Wir müssen handeln“, bläute Källenius seiner Truppe ein. „Marge geht vor“, lautet dabei seine Maxime. Zudem berge jede Krise auch Chancen, so verdeutlichte Källenius seinen Mitarbeitern: „Corona ist keine Pause, ist schon gar kein Ende, im Gegenteil: Es kann auch ein Neubeginn sein.“

Trotz der Meldung, dass der kriselnde französische Autobauer Renault mehrere Werke reorganisieren und weltweit rund 15.000 der 180.000 Arbeitsplätze abbauen will, stünde die Elektromobiliät bei Renault nicht auf dem Prüfstand. Daher solle auch die langjährige Zusammenarbeit mit Daimler fortgesetzt werden, wenn es nach der Vorstellung der Franzosen geht. Die Allianz mit den Stuttgartern habe "exzellente Ergebnisse" erzielt, lobte Renault-Verwaltungsratspräsident Jean-Dominique Senard. Daimler habe zuletzt entschieden, etwa die Zusammenarbeit im Transporterbereich fortzusetzen und die nächste Generation des Lieferwagens Citan gemeinsam mit Renault zu entwickeln

 

Die Aktie im Überblick

Die Aktie der Daimler AG wird aktuell bei EUR 36,41 (12.06.2020) gehandelt. Das Jahreshoch wurde bei EUR 54,50 (04.11.2019) und das Jahrestief bei EUR 21,015 (19.03.2020) erreicht. Bei Bloomberg setzen 9 Analysten die Aktie auf BUY, 14 auf HOLD und 8 Analysten setzen sie auf SELL.

Ausgewählte Risiken:


Korrelationsrisiko:
Multi Aktienanleihen mit Barriere (Worst of): Dieser Typ der Aktienanleihen bezieht sich auf mehrere Basiswerte. Damit ist der Grad der Abhängigkeit der Wertentwicklung der Basiswerte voneinander (sog. Korrelation) wesentlich für die Beurteilung des Risikos, dass mindestens ein Basiswert seine Barriere erreicht. Anleger sollten beachten, dass bei mehreren Basiswerten für die Bestimmung des Auszahlungsbetrags der Basiswert maßgeblich ist, der sich während der Laufzeit der Wertpapiere am schlechtesten entwickelt hat (sog. Worst-of-Struktur). Das Risiko eines Verlusts des investierten Kapitals ist daher bei Worst-of-Strukturen wesentlich höher als bei Wertpapieren mit nur einem Basiswert.

Marktrisiko: Die Entwicklung der Aktienkurse der jeweiligen Unternehmen ist von vielen unternehmerischen, konjunkturellen und ökonomischen Einflussfaktoren abhängig, die der Anleger bei der Bildung seiner Marktmeinung zu berücksichtigen hat. Der Aktienkurs kann sich auch anders entwickeln als erwartet, wodurch Verluste entstehen können.

Emittenten- / Bonitätsrisiko: Anleger sind dem Risiko ausgesetzt, dass Emittent und Garant ihre Verpflichtungen aus dem Produkt und der Garantie - beispielsweise im Falle einer Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit / Überschuldung) oder einer behördlichen Anordnung von Abwicklungsmaßnahmen - nicht erfüllen können. Eine solche Anordnung durch eine Abwicklungsbehörde kann im Falle einer Krise des Garanten auch im Vorfeld eines Insolvenzverfahrens ergehen. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Das Produkt unterliegt als Schuldverschreibung keiner Einlagensicherung.

Wichtige Hinweise: Diese Information ist weder eine Anlageberatung noch eine Anlagestrategie- oder Anlageempfehlung, sondern Werbung. Die vollständigen Angaben zu den Wertpapieren, insbesondere zur Struktur und zu den mit einer Investition verbundenen Risiken, sind in dem Basisprospekt, nebst etwaiger Nachträge, sowie den jeweiligen Endgültigen Bedingungen beschrieben. Der Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen stellen das allein verbindliche Verkaufsdokument der Wertpapiere dar. Es wird empfohlen, dass potenzielle Anleger diese Dokumente lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollständig zu verstehen. Die Dokumente sowie das Basisinformationsblatt sind auf der Internetseite des Emittenten, Vontobel Financial Products GmbH, Bockenheimer Landstraße 24, 60323 Frankfurt am Main, Deutschland, unter prospectus.vontobel.com veröffentlicht und werden beim Emittenten zur kostenlosen Ausgabe bereitgehalten. Die Billigung des Prospekts ist nicht als Befürwortung der angebotenen oder zum Handel an einem geregelten Markt zugelassenen Wertpapiere zu verstehen. Bei den Wertpapieren handelt es sich um Produkte, die nicht einfach sind und schwer zu verstehen sein können. In dieser Information sind Angaben enthalten, die sich auf die Vergangenheit beziehen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

12.05.2021 07:08:42

 
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