US-Banken profitieren von Privatkundengeschäft

US-Banken profitieren von Privatkundengeschäft

Freitag, 19. Juli 2019Lesezeit: 4 Minuten

Das schwächelnde Investmentbanking der US-Großbanken konnte durch Zuwächse im Privatkundengeschäft ausgeglichen werden. Goldman Sachs hingegen kann sich nicht auf ein solches verlassen – der Quartalsgewinn schrumpft auf USD 2,2 Mrd., während JP Morgan einen Gewinnanstieg verzeichnete. Bereits am Montag stellte die Citigroup Ihre Quartalszahlen vor, der Überschuss von USD 4,8 Mrd. wurde positiv aufgenommen.

Verglichen mit den amerikanischen Instituten verlieren die europäischen Großbanken immer mehr an Boden. Zuletzt gelang dieser Aspekt wieder zunehmend in die öffentliche Wahrnehmung. Wie die Entlassungen bei der Deutschen Bank verdeutlichen befinden wir uns in einer schwierigen Zeit für das Investmentbanking. Sowohl im Kapitalmarktgeschäft, als auch im Geschäft mit Fusionen und Akquisitionen sind die Erträge rückläufig. Doch wie schlagen sich die US-Banken in diesem Umfeld?

Bei einem Blick auf die League Tables kämpfen zuletzt vor allem Goldman und JPMorgan um die Spitzenposition im M&A-Geschäft. Generell ist die Zahl der Fusionen und Übernahmen derzeit rückläufig und somit auch die Beratungsgebühren, welche die Banken kassieren. Doch der Marktanteil der auf amerikanische Investmentbanken entfällt ist damit gestiegen. Weiterhin leiden die Margen im Kreditgeschäft im Euroraum unter den Leitzinssenkungen.     

Goldman Sachs

Eine der mächtigsten Investmentbanken ist die New Yorker Goldman Sachs Group. Sie bietet Unternehmen, Finanzinstituten, Regierungen und wohlhabenden Individuen Ihre Dienste an. Dabei gehört besonders die M&A Aktivität zu ihrem Spezialgebiet. Die zuletzt vermeldeten Quartalszahlen waren zwar durchwachsen, übertrafen aber die Gewinnerwartungen der Analysten und wurden somit positiv aufgenommen. Überraschen konnte Goldman mit einem starken Aktienhandel, die Anleihe-Emissionen hingegen litten unter der Zinspolitik der FED. Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten kann sich Goldman Sachs nicht auf das Privatkundengeschäft stützen, dieses wird vor allem in Europa gerade erst aufgebaut. Außerdem arbeitet man mit der Apple Card an einer zusätzlichen Ertragsquelle. Etwaige Risiken und Reputationsschäden durch den 1-MDB Skandal scheinen bereits eingepreist zu sein. 

Die Goldman Sachs Group Inc. Aktie notiert aktuell bei USD 215,52 (17.07.2019). Das 52-Wochenhoch lag bei USD 245,08 (28.08.2018), das 52-Wochentief bei USD 151,70 (26.12.2018). Bei Bloomberg setzen 12 Analysten die Aktie auf BUY, 13 auf HOLD und 2 Analysten auf SELL.

JPMorgan Chase

Bei JP Morgan gab es einen Gewinnanstieg von 16 %, verglichen mit dem ersten Quartal 2019. Damit lag der Gewinn bei USD 9,7 Mrd., vor allem getragen durch hohe Erlöse im Privatkundengeschäft. Hier betrug das Wachstum gegenüber dem ersten Quartal 22 % und der Anteil am Gewinn beträgt USD 4,2 Mrd.. Die Erlöse des Investmentbankings hingegen gingen verglichen mit dem Vorquartal um 14% zurück. Die Erlöse im Handelsgeschäft sinken nun schon seit vier Quartalen.

Ein Kurstreiber für die JPMorgan Aktie könnte die größte Ausschüttungsaktion in der Geschichte der Bank werden, USD 40 Mrd. sollen direkt und indirekt den Aktionären zugeführt werden, die Dividende wurde erhöht und ein Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von USD 29,4 Mrd. angekündigt.       

Die JPMorgan Chase & Co. Aktie notiert aktuell bei USD 115,12 (17.07.2019). Das 52-Wochenhoch lag bei USD 119,24 (20.09.2018), das 52-Wochentief bei USD 91,11 (26.12.2018). Bei Bloomberg setzen 15 Analysten die Aktie auf BUY, 16 auf HOLD und 1 Analyst auf SELL.  

Citigroup

Ein ähnliches Bild zeigt sich bereits am Montag bei der Citigroup, der CEO Michael Corbat beschreibt die Steigerung des Überschusses um 7 % im Jahresvergleich, als „solides Wachstum“. Zwar herrscht auch hier eine Flaute im Handelsgeschäft und es gab weniger Transaktionen, jedoch warf das Privatkundengeschäft ordentliche Gewinne ab. Sowohl Einlagen- als auch Kreditvolumen nahmen hier zu.

Die Citigroup Inc. Aktie notiert aktuell bei USD 71,32 (17.07.2019). Das 52-Wochenhoch lag bei USD 75,24 (21.09.2018), das 52-Wochentief bei USD 48,42 (26.12.2018). Bei Bloomberg setzen 19 Analysten die Aktie auf BUY, 14 auf HOLD und 1 Analyst auf SELL.

Bank of America Merrill Lynch

Wie die Bank of America diesen Mittwoch bekannt gab konnte im abgelaufenen Quartal ein Gewinn von USD 7,1 Mrd. erzielt werden. Diesen verdankt das Geldhaus insbesondere der steigenden Kreditvergabe. Das Geschäft im Investmentbanking war auch hier durchwachsen, dies wurde jedoch durch das starke Privatkundengeschäft mehr als kompensiert. Während der Gewinn in diesem verglichen mit dem ersten Quartal um 13 % zulegte, fielen die Erträge im Aktienhandel um 13 % und im Anleihehandel um 8 %.    

Die Bank of America Corp. Aktie notiert aktuell bei USD 29,19 (18.07.2019). Das 52-Wochenhoch lag bei USD 31,91 (08.08.2018), das 52-Wochentief bei USD 22,66 (24.12.2018). Bei Bloomberg setzen 25 Analysten die Aktie auf BUY, 4 auf HOLD und 1 Analyst auf SELL.

Insgesamt scheinen die amerikanischen Großbanken ein solides Geschäft zu haben und können die Schwächen im Investmentbanking mit höheren Erträgen im Privatkundengeschäft wettmachen. Einerseits profitierten sie in letzter Zeit von Sondereffekten wie der US-Steuerreform, andererseits leiden die Banken unter zurückhaltenden Anlegern, der Zinspolitik, dem rückläufigem M&A-Geschäft und dem Handelskonflikt. In der aktuellen Situation scheint eine Investition in US-Universalbanken deutlich attraktiver als eine in die europäischen Institute. Es bleibt weiterhin spannend ob das Investmentbanking zu alter Stärke zurückfindet und wie die Banken die Digitalisierung meistern

Da der weitere Kursverlauf der Aktie von einer Vielzahl konzernpolitischen, branchenspezifischen und ökonomischen Faktoren abhängig ist, sollten Anleger das Risiko bei ihren Investmententscheidungen berücksichtigen. Entwicklungen können jederzeit anders verlaufen, als Anleger es erwarten, wodurch Verluste entstehen können.

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09.12.2019 09:35:01

 
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