Öl-Embargo gegen den Iran befeuert Ölpreise

Öl-Embargo gegen den Iran befeuert Ölpreise

Mittwoch, 24. April 2019Lesezeit: 4 Minuten

Öl ist so teuer wie seit einem halben Jahr nicht mehr, nachdem die USA entschieden haben, Ausnahmeregeln ihres Öl-Embargos gegen den Iran auslaufen zu lassen. Beobachter befürchten auch eine mögliche Blockade der Straße von Hormus. Die Risikobereitschaft der Anleger ist zuletzt ebenso gestiegen wie das Zinsniveau. Dadurch wird Gold wieder unattraktiver als Anlagevehikel. Vor allem die spekulative Nachfrage nach Gold hat zuletzt wieder nachgelassen. Höhere Lagerbestände und positivere Ernteschätzungen haben den Weizenpreis zuletzt belastet.

Öl-Embargo gegen den Iran befeuert Ölpreise

Die Ölpreise haben mit deutlichen Kursgewinnen auf eine Entscheidung der US-Regierung reagiert, wonach Ausnahmeregeln für das Öl-Embargo gegen den Iran Anfang Mai auslaufen sollen. Die USA hatten im November ihre Sanktionen gegen iranische Öl-Exporte verhängt, gleichzeitig aber acht Länder mit besonderer Abhängigkeit von iranischem Öl (Italien, Griechenland, die Türkei, China, Indien, Japan, Südkorea und Taiwan) von den Sanktionen ausgenommen. Ab 2. Mai dürfen nun auch diese Länder kein Öl mehr aus dem Iran beziehen oder müssen ihrerseits mit US-Sanktionen rechnen, falls sie Teheran weiter Öl abkaufen sollten.

Die USA wollen den betroffenen Ländern dabei helfen, ihre Öl-Importe auf andere Länder umzustellen, hieß es. US-Präsident Donald Trump twitterte, dass Saudi-Arabien und andere Länder den Wegfall der iranischen Exporte leicht ausgleichen könnten. Saudi-Arabien kündigte an, sich mit anderen Öl-Förderländern abzusprechen, um ausreichende Öl-Lieferungen sicherzustellen. Mit der nun erfolgten Entscheidung wolle man der iranischen Führung die Einkünfte aus dem Ölgeschäft entziehen und verhindern, dass weiter Terrorgruppen finanziert würden, sagte US-Außenminister Mike Pompeo am Montag in Washington. Der Iran kritisierte die Entscheidung der USA scharf.

Internationale Beobachter befürchten, dass als Gegenmaßnahme nun die Straße von Hormus blockiert werden könnte. Fast 40 Prozent der weltweit gehandelten Ölmenge passiert diese Meerenge. Ein hochrangiger US-Regierungsbeamter bezeichnete jeden Schritt, den der Iran unternehmen könnte, um Öltransporte durch die Straße von Hormus zu verhindern, als ungerechtfertigt und inakzeptabel, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Auf dem Weg durch die Straße von Hormus müssen Öl-Tanker auch iranisches Hoheitsgebiet passieren. Bereits in der Vergangenheit war spekuliert worden, dass der Iran als Gegenmaßnahme gegen die Sanktionen der USA Öltransporte durch die Straße von Hormus blockieren könnte. Die Ölpreise sprangen nach Ostern auf den höchsten Stand seit rund sechs Monaten. Die Nordseesorte Brent Crude kostet zuletzt 74,47 Dollar je Barrel, während die US-Leichtölsorte WTI bei 66,08 Dollar notiert.

5-Jahres-Chart Brent, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 

 

Gold: Steigende Risikobereitschaft und steigende Zinsen belasten

Die Risikobereitschaft der Anleger steigt wieder. Verantwortlich dafür ist insbesondere, dass die jüngsten Wirtschaftsdaten wieder etwas optimistischer für den weltwirtschaftlichen Ausblick stimmen. Zwar ist praktisch weltweit weiter eine wirtschaftliche Abkühlung zu sehen, diese könnte aber weniger schwer ausfallen als erwartet. Zusammen mit den wieder gestiegenen Zinsen belastet das den Goldpreis, da andere Anlagemöglichkeiten gegenüber dem Edelmetall wieder attraktiver werden.

Insbesondere die letzten Zahlen aus China deuten darauf hin, dass sich der Ausblick für das Wachstum der Weltwirtschaft verbessert hat. Die chinesische Wirtschaft wuchs im ersten Quartal 2019 stärker als erwartet, während die Industrieproduktion und die Einzelhandelsumsätze im März ebenfalls besser als erwartet ausfielen. Die bereits zuvor veröffentlichten Handels- und Kreditdaten hatten ebenfalls die Prognosen übertroffen. "Die ziemlich guten chinesischen Daten haben die Bedenken hinsichtlich einer weiteren Abschwächung des globalen Wachstums stark gemindert, was den Risikoappetit erhöhen sollte", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Bart Melek, leitender Rohstoffstratege bei TD Securities. Auch in Europa und den USA hatten die Ängste vor einer drohenden Rezession zuletzt wieder abgenommen, was teilweise ebenfalls auf die chinesischen Daten zurückzuführen war.

Der wieder optimistischere Ausblick der Anleger passt zu der wieder gesunkenen spekulativen Nachfrage nach Gold. So haben die Spekulanten am Terminmarkt ihre Long-Positionen bei Gold zuletzt deutlich zurückgefahren und auch die zuvor starke Gold-Nachfrage der ETF-Anleger hat nachgelassen.

5-Jahres-Chart Gold, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 

Weizen: Bessere Ernteprognosen setzen Preis unter Druck

Höhere Lagerbestände und positivere Ernteschätzungen haben den Weizenpreis zuletzt auf den tiefsten Stand seit rund sechs Wochen fallen lassen. Sowohl in Russland als auch in Deutschland dürfte die Weizenernte 2019 wohl höher ausfallen als im vergangenen Jahr und als bisher erwartet. Der Deutsche Raiffeisenverband DRV erhöhte seine Ernteprognose unlängst auf 24,4 Millionen Tonnen. Das wäre ein Anstieg um vier Millionen Tonnen gegenüber dem dürregeplagten Vorjahr, wie die Analysten der Commerzbank im „TagesInfo Rohstoffe“ schreiben. In Russland könnte sogar fast wieder das Rekordniveau von vor zwei Jahren erreicht werden. Das Analysehaus SovEcon habe seine Ernteprognose auf 83,4 Millionen Tonnen erhöht. Bislang sei SovEcon noch von 80 Millionen Tonnen ausgegangen. Dies spreche für eine anhaltend hohe Konkurrenz für europäischen Weizen auf den Exportmärkten. Auch US-Weizen dürfte es schwer haben, hinreichend Abnehmer zu finden. Die Preisaussichten blieben somit gedämpft, heißt es weiter.

Insgesamt dürften die Anbaubedingungen für Weizen insbesondere in den USA und in Russland in diesem Jahr gut ausfallen, erwarten Beobachter. Für Europa besteht zwar ähnlich wie im vergangenen Jahr die Möglichkeit einer größeren Dürre, angesichts guter Bedingungen in Russland und anderen Ländern in Osteuropa könnte dies aber weniger ins Gewicht fallen. Ukrainische Bauern haben bislang auf 2,1 Millionen Hektar Weizen für die Ernte 2019 ausgesät. Dies sind bereits 93 Prozent der erwarteten Anbaufläche, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf das russische Agrarministerium berichtete. Insgesamt soll in diesem Sommer in der Ukraine auf 2,284 Millionen Hektar Weizen angebaut werden.

5-Jahres-Chart Weizen, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

 

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19.08.2019 01:26:57

 
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