Marktspezifische Nachrichten verhindern Ölpreiseinbruch

Marktspezifische Nachrichten verhindern Ölpreiseinbruch

Mittwoch, 27. März 2019Lesezeit: 3 Minuten

Die Ölpreise standen zuletzt wegen einer Mischung aus Konjunktursorgen und schlechter Marktstimmung unter Druck. Gleichwohl verhinderten die ölmarktspezifischen Nachrichten einen stärkeren Einbruch. Das Edelmetall Gold ist wieder im Aufwind: Der Preis legte zuletzt weiter zu, da Investoren riskantere Anlagen vermieden. Silber ist weiterhin zu keinem Eigenleben fähig und hängt somit nach wie vor stark an der Entwicklung des Goldpreises

Rohöl: Marktspezifische Nachrichten verhindern Preiseinbruch

Die Ölpreise standen in den vergangenen Handelstagen wegen einer Mischung aus Konjunktursorgen und schlechter Marktstimmung unter Druck. Befürchtungen der Investoren über eine mögliche Rezession in den USA hatte den Öl-Notierungen Ende vergangener Woche schwer zugesetzt. Auch aus Europa und Deutschland prasselten zuletzt schwache Wirtschaftsdaten auf die Märkte ein. „Die Schätzungen für Wachstum und Ertrag wurden in allen wichtigen Regionen deutlich nach unten korrigiert“, kommentierten Analysten von Morgan Stanley. Eine Abschwächung der Weltkonjunktur könnte die Nachfrage nach dem schwarzen Gold in Mitleidenschaft ziehen, was die Preise grundsätzlich belasten würde.

Nach Einschätzung der ANZ Bank überschatten derzeit die sich verdunkelnden wirtschaftlichen Aussichten „die angebotsseitigen Probleme", mit denen der Ölmarkt konfrontiert ist. Saudi-Arabien hält das Angebot künstlich knapp, um höhere Preise zu erzielen, die es für seinen Staatshaushalt benötigt. Im Iran und in Venezuela steht die Ölproduktion wegen der US-Sanktionen und der maroden Wirtschaftslage unter Druck.

Gestützt wurden die Rohölpreise hingegen durch die Entwicklung der Förderanlagen in den USA. Am Freitagabend hatte Baker Hughes gemeldet, dass die Zahl der aktiven Rigs in der vergangenen Woche um weitere neun auf 824 gefallen war. Das war bereits der fünfte Wochenrückgang in Folge und stellt das niedrigste Niveau seit knapp einem Jahr dar.

5-Jahres-Chart Brent, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

Gold: Mehr Appetit auf den ‚sicheren Hafen‘

Der Goldpreis legte zu Wochenbeginn zu, da Investoren riskantere Anlagen aufgrund von Bedenken über eine Abschwächung der US-Konjunktur und ein sinkendes globales Wachstum mieden, berichtete Reuters. Stattdessen sei die Attraktivität für Edelmetalle gestiegen.

Gold ist seit drei Wochen wieder im Aufwind, am Montag kostete die Feinunze 1.317 US-Dollar. „Der Markt befindet sich in einem Modus der Risikoaversion“, bestätigte Michael McCarthy, Chefmarktstratege von CMC Markets. „Wenn die Wirtschaftsdaten so schwach bleiben wie prognostiziert, dann sehe ich eine recht ausgeprägte Wahrscheinlichkeit für höhere Goldpreise", fügte McCarthy hinzu.

Vor allem die Inversion der Renditekurve sei für die Anleger ein Zeichen zur Besorgnis, so der Experte. So rentierten am vergangenen Freitag erstmals seit 2007 am US-Anleihemarkt die kurz laufenden Bonds höher als langlaufende Papiere, was Fachleute als Vorbote einer nahenden Rezession werteten. Niedrigere Zinsen reduzieren andererseits die Opportunitätskosten von Gold und drücken zugleich den Dollar. Ein schwächerer Greenback bedeutet günstigere Edelmetall-Einkäufe für Investoren außerhalb des Dollarraums, was die Gold-Nachfrage anschieben kann.

Der Präsident der Notenbank von Chicago, Charles Evans, rechnet bis zur zweiten Jahreshälfte 2020 mit keinen weiteren Zinserhöhungen. Gleichzeitig betonte Evans in einer Rede am Montag in Hongkong, es sei eine gute Zeit, bei den Zinsschritten eine Pause einzulegen und eine vorsichtige Haltung einzunehmen, auch wenn die US-Wirtschaft immer noch stark sei.

5-Jahres-Chart Gold, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

Silber: Zu keinem Eigenleben fähig

Silber hängt nach wie vor stark an der Entwicklung des Goldpreises. Der kleine Bruder markierte Ende Februar ein Achtmonatshoch bei gut 16 US-Dollar je Feinunze. Am selben Tag verzeichnete auch Gold sein bisheriges Hoch. Das Tief bei Silber Anfang März knapp unterhalb von 15 US-Dollar fiel ebenfalls mit dem Tief bei Gold zusammen.

Auffallend ist, dass sich Silber seit Jahresbeginn unterm Strich schlechter entwickelt hat als Gold, wie die Analysten der Commerzbank beobachteten. Den Preisanstieg von Gold im Januar und Februar habe Silber nur unterproportional nachvollzogen, den Preisrückgang Ende Februar / Anfang März dagegen stärker. In der Folge sei das Gold/Silber-Verhältnis im März auf mehr als 85 gestiegen. Es habe sich damit wieder dem 25-Jahreshoch von Ende November genähert.

Das Silver Institute veröffentlichte im Februar eine recht zuversichtliche Einschätzung zu den Aussichten am Silbermarkt in diesem Jahr. Die Industrienachfrage soll demnach moderat steigen und die physische Investmentnachfrage um fünf Prozent zulegen. Dies sei allerdings im Kontext eines Rückgangs um fast 60 Prozent in den vergangenen drei Jahren zu sehen. Das Minenangebot soll laut Silver Institute um zwei Prozent sinken, weil weniger von dem weißgrauen Metall aus der Primärproduktion und der Förderung anderer Metalle gewonnen werden soll. Das Angebot aus Altsilber solle dagegen moderat steigen. Der weitere Verlauf bleibt dennoch abzuwarten.

5-Jahres-Chart Silber, Quelle: Bloomberg Finance L.P.

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15.09.2019 10:23:37

 
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